Wohnen und Energie heizen Inflation an

4. Februar 2005, 11:02
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Preise beim täglichen Einkauf weit über ohnehin stark gestiegener Inflationsrate, die 2004 2,1 Prozent betrug

Wien - Die Inflationsrate in Österreich, die sich aus der Preisbeobachtung von insgesamt 812 Produkten im so genannten Warenkorb ergibt, stieg im Jahr 2004 von zuvor 1,3 Prozent (2003) auf 2,1 Prozent deutlich an. Besonders kräftig, mit 3,4 Prozent nämlich fast doppelt so stark wie die allgemeine Jahresteuerung, stiegen die Preise von Gütern des täglichen Bedarfes - also vor allem Lebensmittel. Dies ist neben anderen psychologisch-emotionalen Gründen ein Grund für den lange Zeit debattierten gefühlten Euro-Preistreibereffekt. Das sagte Paul Haschka von der Statistik Austria im Gespräch mit dem STANDARD.

Seit einem Jahr hat die Statistik Austria zur Messung dieses Effektes ein neues Instrument in der Hand, den so genannten Mikro-Warenkorb. In diesem werden 20 Produkte des täglichen Bedarfs - Milch, Brot, Käse, Salat, Äpfel, Zeitung etc. - in ihrer preislichen Entwicklung abgebildet. Im allgemeinen, großen Warenkorb hat dieser Mikro-Warenkorb allerdings nur ein Gewicht von fünf Prozent.

Ähnliches zeigt sich beim Mini-Warenkorb, in dem rund 60 Produkte abgebildet sind, und der das wöchentliche Einkaufsverhalten des Durchschnittsösterreichers abbilden soll. Bei den Produkten für den wöchentlichen Großeinkauf, zu den Lebensmitteln kommt hier Tanken, eine Filmentwicklung oder ein Kinobesuch dazu, lag die Jahresteuerungsrate mit drei Prozent auch deutlich über der "amtlichen" Inflationsrate. Im allgemeinen Warenkorb, der heuer routinemäßig geändert wird, repräsentiert der wöchentliche Korb einen Anteil von 16 Prozent.

Wohnen teurer

So kann es leicht passieren, dass ein privater Haushalt beispielsweise nichts vom stärksten Preistreiber des Jahres 2004, nämlich Ofenheizöl extra leicht mit einer Teuerung um 15,3 Prozent bemerkt, sehr wohl aber die Miet-Erhöhungen zu spüren bekommt. Innerhalb der letzten zehn Jahre verteuerten sich Mieten doppelt so stark wie der allgemeine Verbraucherpreisindex (VPI), allein 2004 wurde Wohnen um 3,6 Prozent teurer.

Die Verteuerungen bei Mineralölprodukten und Wohnungskosten sind der Hauptgrund für den Anstieg der Inflation. Der für die Währungsunion berechnete und sozusagen auf vergleichbare Datengrundlage gestellte harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg im Jahresdurchschnitt 2004 auf 2,0 Prozent. Österreichs Inflationsrate des abgelaufenen Jahres liegt damit grob gesprochen im Durchschnitt der Eurozone.

Die alle fünf Jahre vorgenommenen Änderungen im heimischen Warenkorb sind mannigfaltig: 55 Positionen - darunter Tunfisch, Laptops, Nachhilfeunterricht, Weckerl zum Aufbacken - werden neu aufgenommen. 20 Positionen - etwa Sardinen oder Bleistifte - werden herausgenommen. (DER STANDARD Printausgabe, Michael Bachner 20.01.2005)

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