Siemens gibt nach: 65 Euro je Aktie

3. Februar 2005, 15:25
8 Postings

Im Poker um die VA Tech hat Siemens nun einen Turbo zugeschal­tet: Das Angebot je Aktie wird um zehn Euro auf 65 Euro aufgestockt

Wien - Am Mittwoch saß der Schock über die Schlappe in der VA-Tech-Hauptversammlung bei Siemens noch tief. Eine Aufbesserung des Übernahmeangebots von 55 Euro je Aktie schien ebenso möglich wie ein Rückzug. Am Donnerstag kam dann grünes Licht aus München: Der Elektromulti greift tiefer in seine auf 13 Milliarden Euro geschätzten Cash-Reserven und stockt sein Angebot um zehn Euro auf 65 auf.

Damit beugt sich der Elektronikkonzern dem Druck der VA-Tech-Aktionäre, die deutlich gemacht hatten, dass sie die Transaktion durchaus auch platzen lassen könnten.

Aktie kurzfristig vom Handel ausgesetzt

"Die Siemens AG Österreich beabsichtigt, das Übernahmeangebot für alle Aktien der VA Technologie AG zu modifizieren und ist darüber mit der Übernahmekommission in Gespräche eingetreten", teilte der Konzern am Donnerstag mit, nachdem VA-Tech-Aktien am Vormittag überraschend vom Handel ausgesetzt worden waren. "Der Angebotspreis wird auf 65 Euro erhöht werden."

Gegenüber dem bisherigen Angebot ist das ein Aufschlag von gut 18 Prozent, was wiederum die Bewertung von VA Tech auf rund einer Milliarde Euro erhöht. Noch am Freitag hatte man eine Nachbesserung beharrlich ausgeschlossen, die 55 Euro seien ein "sehr fairer Preis".

Nach der Wiederaufnahme des Handels bei 60,11 Euro schnellte der Kurs auf 64,55 Euro hoch, im Gegenzug gaben Siemens-Aktien weitere 1,6 Prozent auf 60,95 Euro ab.

Schöner Preis

"Ich halte 55 Euro für einen fairen Wert für VA Tech, 65 Euro sind schon ein ganz schöner Premium-Aufschlag", sagte Jens Zimmermann, Analyst bei der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Er gehe davon aus, dass die Transaktion nun über die Bühne gehe.

Ohne Wenn und Aber geht bei Siemens im Übernahmepoker allerdings nichts: Wie schon das Angebot vom 10. November ist auch die Aufstockung an eine Bedingung geknüpft: Die Siemens AG zieht die Höchststimmrechtsklausel nur zurück, wenn so viele Aktionäre ihre Anteilsscheine unwiderruflich verkaufen, dass Siemens 90 Prozent des VA-Tech-Grundkapitals in ihre Kontrolle bringt. Andernfalls werde an der bestehenden Klausel festgehalten, die es Siemens ermöglicht, das Offert zurückzuziehen, weil das 25-prozentige Höchststimmrecht bei VA Tech nicht gekippt wurde.

Unklar ist nun, bis wann ein allfälliger Rückzug tatsächlich möglich ist. Bisher war der Stichtag dafür der 4. Februar, also fünf Tage vor Ablauf des Übernahmeangebots. Möglicherweise ändert sich der Fristenlauf mit der nun erfolgten Nachbesserung aber. Entscheiden muss das die Übernahmekommission. Im Interesse der VA Tech, deren Management die 65 Euro je Aktie in einer ersten Stellungnahme als "angemessen" bezeichnete, sollte diese Klarstellung bald erfolgen.

Klarheit wünscht sich auch Siemens und zwar an allen Fronten - bei den Kunden, den Aktionären und den Mitarbeitern. Erst dann gebe es eine offizielle Stellungnahme zur Aufbesserung. "Ziel ist weiterhin, das Angebot möglichst zügig abzuwickeln", erklärte Siemens am Donnerstag. Fix ist demnach nur, dass es keine weitere Aufstockung geben wird. (DER STANDARD Printausgabe, ung 21.01.2004)

  • Siemens-Chef Albert Hochleitner zahlt just den Emissionskurs, den Aktionäre vor elf Jahren bezahlt haben.
    foto:standard/cremer

    Siemens-Chef Albert Hochleitner zahlt just den Emissionskurs, den Aktionäre vor elf Jahren bezahlt haben.

Share if you care.