Kreiskys braune Minister

19. Dezember 2005, 15:02
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Sechs frühere Nazis in der Regierung, drei davon aus dem BSA

Wien - Dass gerade Bruno Kreisky sechs ehemalige Nationalsozialisten mit Ministerämtern betraut hat, wurde im In- und Ausland massiv kritisiert. Neben den drei Landwirtschaftministern Johann Öllinger, Oskar Weihs und Günther Haiden hatten auch Innenminister Otto Rösch, Bautenminister Josef Moser und Verkehrsminister Erwin Frühbauer eine NS-Vergangenheit.

Wolfgang Neugebauer hat sich gemeinsam mit Historikerkollegen Peter Schwarz die Karriere jene SP-Regierungsmitglieder angeschaut, die den Grundstein für ihren beruflichen Aufstieg im Bund der Sozialdemokratischen Akademiker (BSA) gelegt haben.

In ihrer Studie "Der Wille zum aufrechten Gang" (Czernin Verlag) sehen die Autoren die "politische und gesellschaftliche Katalysatorfunktion" des BSA als wesentlichen Faktor für die entscheidenden Karriereimpulse. In der Ära Kreisky (1970-1983) habe die "Jobbörse" BSA bei der Integration ehemaliger Nazis ihre größten Erfolge gefeiert.

Jobkandidat Johann Öllinger etwa: Seit 1933 Mitglied der SA (zuletzt im Rang eines Sturmführers), gehörte er ab 1937 der SS an, in der er es bis zum Untersturmführer brachte. Nach dem Wechsel in die "Landesbauernschaft Südmark" trat der studierte Landwirt im Mai 1938 der NSDAP bei. Nach 1945 war dies für Öllinger kein Hindernis, als Beamter der Kärntner Landesregierung Karriere zu machen. Sein Beitritt in den BSA folgte 1960, jener zur SPÖ nie.

Nach rasantem Aufstieg, brachte ihn letztlich doch seine SS-Vergangenheit zu Fall. Bereits nach einmonatiger Amtszeit und nicht verstummen wollender Kritik trat Öllinger im Mai 1970 zurück. Sein Nachfolger: Oskar Weihs. Dessen Vergangenheit: Braun befleckt. Und noch eine Gemeinsamkeit teilen die beiden Landwirtschaftsminister: Beide waren nach dem Krieg Mitglied bei den roten Akademikern.

Für Studienautor Schwarz ist die Motivation der SPÖ bei der Integration ehemaliger Nazis klar: "Nicht nur bei Wahlen, sondern auch bei der Gewinnung neuer Einflusssphären in Staat und Wirtschaft" sicherten sie der SPÖ politische Erfolge. Allerdings, so Schwarz: "Langfristig nahmen SPÖ und BSA insbesondere durch die Hereinnahme ,Belasteter' schweren politisch-moralischen Schaden."

Doch auch Oskar Weihs, der bereits im August 1932 in die NSDAP eingetreten war, folgte im Jahr 1976 ein weiteres BSA-Mitglied mit NS-Vergangenheit in die Position des Landwirtschaftsministers. 9. 851 575 war laut Studie die NSDAP-Mitgliedsnummer des bis 1986 amtierenden Politikers. Er trat bereits als Achtzehnjähriger bei, am 20. Juli 1944, dem Tag des Stauffenberg-Attentats auf Hitler. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2005)

Von Karin Moser
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    Landwirtschaftsminister Johann Öllinger, ehemaliges SS-Mitglied

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    Oskar Weihs trat 1932 der NSDAP bei, unter Kreisky war er Minister

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    Landwirtschaftsminister Günter Haiden ging mit 18 zur NSDAP

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