Wer trägt die Kosten der Sanierung?

3. Februar 2005, 15:22
26 Postings

Land Steiermark und Red Bull verhandeln - Mateschitz würde Rennstrecke wieder herstellen

Graz - Was mit der teils bereits abgebrochenen Infrastruktur auf dem obersteirischen A1-Ring nach dem Aus für das Red Bull-Projekt Spielberg geschehen soll und wer Kosten tragt, ist vorerst nicht geklärt, aber Gegenstand von "kameradschaftlichen" Gesprächen zwischen dem Land Steiermark und Red Bull.

Komplizierte Verhältnisse

Dabei ist die Besitzstruktur recht inhomogen: Die Red Bull-Firma Projekt Spielberg GmbH & Co. KG hatte den A1-Ring ab 2004 von der Österreichring GmbH (die im Besitz des Landes Steiermark steht) bis 2067 gepachtet. Das Areal des A1-Rings hatte das Land wiederum von rund 20 Landwirten gepachtet. Zudem hat Red Bull Chef Dietrich Mateschitz in der Umgebung des Rings mehrere Dutzend Hektar für das nun gescheiterte Projekt einer Motorsport- und Luftfahrtakademie erworben.

Die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) hatte am Donnerstag nach der Sitzung des Spielberg-Lenkungsausschusses erklärt, "wer Mateschitz kennt, würde wissen, dass er keine Schutthaufen hinterlässt". Die Abbrucharbeiten sind allerdings schon sehr weit gediehen. In der Strecke selbst klaffen Gräben, Tribünen und Boxenstraße liegen in Trümmern. Den dazu nötigen Abbruchbescheid hatte die Gemeinde Spielberg im März 2004 erlassen.

Keine wertsteigernden Investitionen getätigt

Aus dem Büro von VP-Landesrat Hermann Schützenhöfer (V) hieß es, es gebe bereits Gespräche darüber, wer für das Räumen des Schutts bzw. für einen eventuellen Wiederaufbau die Veranlassung zu geben bzw. die Kosten zu tragen habe. Wertsteigernde Investitionen seien ja nicht vorgenommen worden, hieß es. Nächste Woche werde mit Red Bull darüber verhandelt, "mit einem kühlen Kopf". Vertraglich scheint ein solcher Fall offenbar nicht geregelt zu sein, da wohl niemand mit dieser Entwicklung gerechnet hat.

Kündbar wäre der Vertrag zwischen der Red Bull-Projekt Spielberg und der Österreichring GmbH ab 1. Oktober 2006 bei einer Einhaltung von sechs Monaten Kündigungsfrist, falls kein Projekt zu Stande kommt. Die Jahrespacht von Red Bull für den Ring beträgt 218.000 Euro. Als Pächter hat die Projekt Spielberg GmbH mit 1. Oktober 2003 die Nachfolge der Autofahrerorganisation ÖAMTC angetreten. Letztere hatte zuvor zusammen mit dem Land Steiermark den Ring erneuert und unter anderem auch ein Fahrtechnikzentrum dort betrieben. Die Pacht des ÖAMTC wäre bis 2007 gelaufen.

Bei Wunsch wird Ring wieder hergestellt

Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz wäre bereit, nach dem endgültigen Aus für das "Projekt Spielberg" den früheren Österreich-Ring wiederneu aufzubauen. "Wenn es Wunsch des Landes Steiermark ist, dann werden wir den Ring wieder so hinstellen, wie wir ihn vorgefunden haben. Wenn man eine falsche Rennstrecke am falschen Platz haben will, die jährlich zwei Millionen Verlust schreibt, dann kommen wir diesem Wunsch natürlich nach", sagte Mateschitz zur "Kleinen Zeitung" (Freitag-Ausgabe).

Bezahlen würde der Ring-Rückbau "natürlich" Red-Bull, betonte Mateschitz: "Bis auf den letzten Cent. Red Bull lässt sich doch nichts nachsagen." Ein Bau des geplanten "Spielberg-Projekts" im Ausland komme hingegen nicht in Frage, obwohl es entsprechende Angebote aus dem inner- und außereuropäischen Ausland gebe.

Ebensowenig komme es in Frage, das Projekt in Spielberg neu aufzusetzen, so Mateschitz: "Aus einem neuen Inhalt oder einem neuen Antragsteller wäre noch lange kein sinnvoller neuer Antrag geworden. Da gibt es einfach nichts zu interpretieren, nichts herum zu biegen. Die Rechtssituation ist so eindeutig. Es ginge nicht, ob ich wollte oder nicht."

Das "Projekt Spielberg" sei "derart diffizil abgestimmt", wenn man einen Baustein herausnehme, funktioniere es nicht mehr. "Sollen wir vielleicht mit Fördergeldern die 27. Therme bauen? Wenn du beim Bäcker vier Semmeln kaufen willst, nimmst du auch nicht vier Vinschgerln, weil er keine Semmeln mehr hat...", bemerkte Mateschitz.

Grundsatzbewilligung war vom Umweltsenat aufgehoben worden

Red Bull-Chef Mateschitz hatte schon in den 1990-er Jahren Interesse an der Errichtung einer Motorsportakademie erkennen lassen. 2002 trat er beim Ende der Formel-1-Rennen in Österreich mit einem Großprojekt in der Tasche wieder auf den Plan. Um den Weg dafür freizumachen, mussten die Verträge mit dem ÖAMTC gelöst werden - angeblich um 15 und 20 Mio. Euro.

Unter dem Titel Projekt Spielberg sollte mit Partnern aus Auto- und Luftfahrtindustrie das Großprojekt samt Hotellerie um rund 700 Mio. Euro ausgeweitet werden. Im Mai 2004 gab es eine Förderzusage der Landesregierung in der Höhe von 90 Mio. Euro, einen Monat später einen positiven UVP-Bescheid des Landes. Dagegen beriefen zwei Bürgerinitiativen, die vor allem gegen eine geplante Off-Road-Strecke waren, nach eigenen Angaben aber nicht gegen das Gesamtvorhaben. Am 3. Dezember 2004 wurde die Grundsatzbewilligung vom Bundes-Umweltsenat aufgehoben. Dies war letztlich der Auslöser für den Rückzug von Mateschitz. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zustand der Boxenstraße des ehemaligen A1-Rings.

Share if you care.