Die Schale, jetzt mit Essen

23. Jänner 2007, 14:35
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Das frankophile "Le Bol" in Wiens City hat einen Ableger bekommen: nicht ganz so stimmungsvoll, aber dafür mit warmer Küche

Als der frühere Format-Redakteur Omar Shoukry im Herbst 2003 sein Lokal "Le Bol" eröffnete, mutete er dem Wiener Innenstadtpublikum ganz schön was zu: Erstens gibt es zwar ein paar hübsche, kleine Tischchen, die sitzplatzmäßige Hauptkapazität wird aber von einem großen Tisch in der Mitte bestritten, der "table commune", an dem gemeinsam zu sitzen gedacht ist; dann steht da alles auf Französisch auf der Karte, was insofern zu Missverständnissen führte, als die fantasievoll belegten Schwarzbrote als "tartines" gelistet werden, was so manchen mit Törtchen rechnen ließ; und schließlich gibt es in dem hübschen Café, das sowohl von der Anmutung als auch vom Konzept her den Lokalen der französischen Kette "Le pain quotidien" nachempfunden wurde, nicht wirklich etwas zu essen. Und das wird in Wien ja nicht unbedingt gerne gesehen.

Da traf es sich gut, dass sein alter Freund und Kollege Carl-Wolfgang Stubenberg, der zwischenzeitlich ins Cateringgeschäft gewechselt war, über eine geräumige Location mit großer Küche in der gastronomisch bisher kaum genutzten Lazarettgasse verfügte und sich noch nicht so ganz sicher war, was man da jetzt am besten draus machen sollte. Man machte also ein zweites "Le Bol", wieder mit dem gleichen Programm der belegten Brote und der Salate, wieder mit Frühstück und französischem Backwerk, wieder mit feinen Dingen aus Frankreich in den Regalen, wieder mit den großen Tischen (diesmal gingen sich auf zwei Stockwerken mehrere aus). Und eben auch mit warmem Essen abseits des Toasts und der Quiche.

Man hätte freilich nicht vor, da jetzt einen auf große französische Karte zu machen, die jeden Monat gewechselt werde, erklärt Stubenberg, vielmehr beschränkte man sich in seiner Auswahl auf Klassiker wie den baskischen Gemüseeintopf Piperade, auf Miesmuscheln in Weißwein-sauce, auf das legendäre Cassoulet, Buf Bourgignon und ein Entrecôte "Café de Paris". Außerdem gibt es noch ein preiswertes Mittagsgericht, das nicht zwangsläufig der französischen Küche zugerechnet werden muss, allerdings in die französische Sprache übersetzt werden kann, was auf der fröhlichen Kreidetafel mitten im Lokal dann auch geschieht.

Die sieben "Grandes Salades" sind übrigens wirklich groß, beim Modell

"Monsieur Séguin" mit überbackenem Ziegenkäse, Rosinen, Birnenstückchen, Feigen und Kiwi-Spalten störte aber die punktuelle Aufbringung der senfreichen Marinade und generell eine etwas lieblose Zubereitung (€ 6,20). Die Schinken-Quiche war für Wiener Verhältnisse passabel, in Lothringen hätte man mit dem etwas faden Eierkuchen wahrscheinlich Probleme (€ 7,50), der Elsässische Flammkuchen mit Ziegenkäse, Pfefferoni und Lauch sah toll aus und war für einen belegten Fladen auch gar nicht schlecht (€ 6,20). Enttäuschung machte sich eher beim Cassoulet breit, denn das bemühte sich zwar sehr, kein Bohnengulasch zu sein, was mit knusprigen Entenflügerln anstatt eines korrekten Confit de canard aber halt schwer ist (€ 10,40).

Wobei man dem "Le Bol Menu" nicht Unrecht tun darf, es ist ein französisch inspirierter Imbissladen, und diese Rolle spielt es nicht schlecht. ( Florian Holzer, Der Standard/rondo/21.01.2005)

Le Bol Menu, Lazarettg. 19, 1090 Wien, Tel.: 01 / 408 57 23, Mo-Fr 9.30-23.30, Sa 10-23.30 Uhr

Le Bol

  • Begegnung mit dem französisch belegten Brot im neuen "Le Bol Menu" - in dem's jetzt auch wirkliches Essen gibt.
Foto:  Gerhard Wasserbauer
    foto: gerhard wasserbauer

    Begegnung mit dem französisch belegten Brot im neuen "Le Bol Menu" - in dem's jetzt auch wirkliches Essen gibt.
    Foto: Gerhard Wasserbauer

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