Insolventer WLAN-Anbieter Airnyx von Briten übernommen

1. Februar 2005, 09:30
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Anzeichen für Marktkonsolidierung

Die Airnyx AG, im März 2003 gegründet und mit über 400 WLAN-Hotspot-Zugängen in Deutschland vertreten, hat vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet. Wie nun bekannt wurde, hat der englische Anbieter The Cloud die Insolvenz-Masse von Airnyx übernommen. Bei The Cloud handelt es sich um ein Unternehmen, das risikokapitalfinanziert ist und zwar von der in der Telekommunikation erfahrenen Private Equity Gesellschaft 3i sowie von Accel Partners.

Über finanzielle Details der Übernahme wurde nichts bekannt gegeben. The Cloud bietet nach eigenen Angaben 5.200 Hotspots in Europa an, vorwiegend in Großbritannien. Mit der Akquise von Airnyx ist davon auszugehen, dass The Cloud auch verstärkt in den deutschen Markt drängen wird. Die Insolvenz von Airnyx wird als ein Zeichen für die von Experten vorhergesagte Konsolidierung des noch jungen Marktes angesehen.

Nach Ansicht des Brancheninsiders Sander, Geschäftsführer von TCP Terra Consulting in Lindau, zeugt die aktuelle Übernahme von Airnyx nicht von einer verfehlten Business Planung für WLAN, sondern vom Druck, den der Markt in Richtung frühe Konsolidierung ausübt: "Das ist ein Wettrennen um den Markt. In diesem Fall werden die flexibelsten und schnellsten erfolgreich sein. Mit einem schwachen und dabei nur langsam wachsenden Footprint im Markt ist kein längeres Überleben möglich. Für die Gesamtakzeptanz von Public WLAN ist die Marktkonsolidierung vorteilhaft. Je weniger Systeme den Markt abdecken, umso mehr Nutzen hat der Endkunde davon." Sander erwartet, dass sich Public WLAN in 2005 und 2006 in der Breite durchsetzt. Den Hotspot-Betreibern, so sie das Serviceangebot WLAN aktiv in ihr Portfolio einbinden wollen, empfiehlt er Access-Lösungen mit hoher Flexibilität und Individualisierbarkeit. Nach Sander sind in einzelnen Branchen Synergie-Effekte denkbar, die sich durch das zusätzliche WLAN-Angebot ergeben. Vorbedingung dafür sei aber, dass der Hotspot-Betreiber Tarife und Abrechnung mit seinem Kerngeschäft verknüpfen kann, also über die Tarifhoheit verfügt.

Im Unterschied zu den meisten anderen Telekommunikationsdiensten stehen bei WLAN-Hotspots weniger die Betreiber selbst als die Zugangs-Anbieter im Vordergrund. Authentisierung und Abrechnung sind die entscheidenden Funktionalitäten, die für den Kunden den WLAN-Anschluss ausmachen, die bloße Übertragungsbandbreite steht im Hintergrund. Der Public WLAN-Markt besteht aus einer Vielzahl von kleinen Hotspot-Betreibern oder Ketten, deren Kerngeschäft meist nichts mit Telekommunikation zu tun haben. Kennzeichnend für die Attraktivität eines Hotspots ist eine wechselnde und dichte Präsenz von WLAN-affinen Nutzergruppen - etwa Geschäftsreisende. Flughäfen, Messegelände, Bahnhöfe, Business Center und Autobahnraststätten sind typische Lokalitäten. Für den Benutzer ist es allerdings nicht wichtig, wer der Hotspot-Betreiber ist, sondern welche Zugangssysteme am Hotspot akzeptiert werden. Dabei kann es sich um Prepaid-Cards oder um Zugänge auf Rechnungsstellung handeln, etwa in Kopplung mit GSM-SIM-Karten.

Und hier setzt auch die frühe Konsolidierung des Marktes an. "Es werden sich wenige, aber breit akzeptierte Systeme durchsetzen. Für den mobilen WLAN-Anwender muss das ohne technische oder administrative Probleme funktionieren. Daher müssen die konkurrierenden Systeme möglichst schnell eine kritische Masse im Markt erreichen, die es dem Anwender ermöglichen, ohne aufwändige Vorabprüfung von Hotspot-Lokationen seine Geschäftsreisen unternehmen zu können und sich dabei darauf zu verlassen, dass er problemlos einen WLAN-Zugang bekommt", sagt Sander. (pte)

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