Studierende auf den Spuren des Aquarellmalers Ender in Brasilien

12. Februar 2005, 15:17
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Im Rahmen eines Projekts unter Leitung des US-Künstlers Mark Dion interpretierten Studierende der Akademie die historische Brasilien-Exkursion neu

Wien - Vier Studierende und zwei brasilianische Absolventen der Akademie der Bildenden Künste begaben sich im Frühjhahr des vergangenen Jahres auf die Spuren einer historischen Expedition nach Brasilien. Als Ausgangsbasis des Projekts "The Brazilian Expedition of Thomas Ender - Reconsidered" dienten die Arbeiten des Landschaftsmalers Thomas Ender, selbst Teilnehmer an der Expedition, die Teil der Sammlung der Akademie sind. Unter der Leitung des US-Künstlers Mark Dion stellten die Studierenden die Expedition nach.

Neubewertung

Dions Interesse galt der Neubewertung der durchaus kritischen Sicht, die heute auf die kolonialistische Züge aufweisenden, anachronistisch gewordenen Expeditionen üblich ist (obwohl schon Ender selbst sich gegen die in Brasilien vorherrschende Sklaverei wandte). Kein reines Wissenssammeln, kein Blick auf das "Wilde" oder "Fremde", sondern künstlerische Praxis von heute stand im Mittelpunkt.

Die damals und heute aus Brasilien zurückgekehrte Kunst könnte nicht unterschiedlicher sein: Während der Ender-Raum der Schau mit biedermeierlichen Aquarellen und Naturstudien (u. a. aus dem Völkerkunde- und dem Naturhistorischen Museum) Einblicke in den vergangenen Blick auf das Fremde gibt, werfen die Studenten heutige Fragen auf.

Analog zur vergangenen Expeditions-Praxis - die Expedition, die der damals 23-jährige Ender mitmachte, war im Wesentlichen naturwissenschaftlich ausgerichtet - suchten sich die Studierenden Titel und Aufgaben innerhalb des Teams, wie "Naturforscher" oder "Chronist". So hat etwa Karin Felbermayr ("Botschafterin") einen roten Teppich mitgeführt, auf dem sie zufällige Gäste empfing - ohne ein Wort portugiesisch zu sprechen. Walmor Correa präsentiert als "Botaniker" vorgefundene und erfundene Pflanzen als "Forschungsergebnisse", ein eingespieltes Video des "Chronisten" Christian Mayer lässt einen Live-Kommentar zu u. a. einem brasilianischen Festumzug erklingen - ohne jedoch die Bilder zu zeigen, die beschrieben werden.

Vizerektor kann Studium "allen nur empfehlen"

Parallel zur Ausstellung starteten die jährlich stattfindenden Rundgänge durch die Akademie, in deren Rahmen Interessierte bis Samstag in Ateliers und Klassen hineinschnuppern konnten. Sichtlich begeistert von seiner eigenen Institution bewirbt der Vizerektor für Lehre, Andreas Spiegl, das Studium an der Akademie: "Ich kann allen nur empfehlen, bei uns zu studieren." Wer sich dafür entscheidet, muss allerdings zunächst die dafür nötige Aufnahmeprüfung schaffen.

Einmal geschafft, studiert man dann "Bildende Kunst", "die Meisterklassen sind futsch", so Spiegl. "Heute gibt es kaum noch ein Künstlerprofil, das nur eine Richtung beinhaltet. Außerdem wissen die meisten im ersten Semester noch nicht, was sie werden wollen und für welches Medium sie sich entscheiden wollen", erklärt Spiegl den Hintergrund für die Änderung. "Es gibt dann Module, wo sich die Studierenden sich selbst nach ihren Interessen ihr Studium zusammenstricken können" so Spiegl. Dies habe auch den Vorteil, dass die Professoren dazu angehalten sind, ihre Lehrveranstaltungen interessant zu gestalten. (APA/red)

Service

Die im Zuge des Projekts entwickelten zeitgenössischen Arbeiten werden gemeinsam mit den Ender-Originalen im Rahmen einer Ausstellung in der Akademie gezeigt und sind noch bis 20. März täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Die in Zusammenarbeit mit der Fundacao Bienal de Sao Paolo entstandene Schau wurde schon im Vorjahr auf der Biennale in Sao Paolo ausgestellt.

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Akademie der Bildenden Künste

  • Die Teilnehmer der Exkursion vor der brasilianischen Stadt Ouro Preto nördlich von Rio de Janeiro.
    foto: akademie der bildenden künste

    Die Teilnehmer der Exkursion vor der brasilianischen Stadt Ouro Preto nördlich von Rio de Janeiro.

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