"Das Kriterium ist die Berufspraxis"

22. März 2006, 16:05
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Chef der Pädak-Konferenz ist gegen Aufnahmetest, aber für Studieneingangsphase und gemeinsame Ausbildung aller Lehrer an den Pädagogischen Hochschulen

Wien - "Grundsätzlich gegen punktuelle Aufnahmetests" ist der Vorsitzende der Bundesleitungskonferenz der Pädagogischen Akademien (Pädaks) und Leiter der Pädak der Diözese Linz, Hans Schachl. Dagegen hält der Experte im Gespräch mit der APA den Vorstoß von ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon für eine gemeinsame Ausbildung aller Lehrer, auch jener an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS), an den Pädaks bzw. den künftigen Pädagogischen Hochschulen (PH) für eine grundsätzlich gute Idee.

Für freien Hochschul-Zugang

In der Bundesleitungskonferenz der insgesamt 14 Pädaks in Österreich habe man über diese Vorschläge noch nicht diskutiert, sich im Zuge der Gespräche über die geplante Umwandlung in Hochschulen aber für eine Beibehaltung des freien Hochschul-Zugangs ausgesprochen. Einig sei man auch gewesen, dass die Eignung für den Lehrberuf ein wesentliches Thema der künftigen PH sein müsse. Diese kann man nach Ansicht Schachls allerdings nicht mit einem punktuellen Aufnahmeverfahren feststellen.

Persönlichkeit ausschlaggebend

Erfahrungen hätten gezeigt, dass es für einzelne Studenten "Entwicklungsmöglichkeiten" gebe. "Außerdem kann ein punktueller Aufnahmetest nie diese Treffsicherheit und Trennschärfe haben, wie man sie für eine solch schwerwiegende Entscheidung bräuchte", sagte Schachl. Wissenstests würden intellektuelle Fähigkeiten prüfen. "Die Hauptprobleme liegen aber meist darin, dass Einzelne von ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht ausreichend geeignet sind oder mit Schwierigkeiten der Schüler nicht umgehen können - und das kann man nie mit einer punktuellen Prüfung abtesten", so Schachl, der auch den freien Hochschul-Zugang für einen Wert an sich hält.

Studieneingangsphase sinnvoll

Als Alternative schlägt er eine einjährige Studieneingangsphase vor. "Das Kriterium, ob sich jemand für den Lehrberuf eignet, ist eindeutig die Berufspraxis", meint Schachl. Schon jetzt würden Pädak-Studenten von den ersten Wochen an in die Schulpraxis gehen. Da könne man ein Jahr lang beobachten, wie sich jemand entwickle. Diese Phase sollte aber, meint Schachl, "mit einer definitiven Entscheidung abschließen". Derzeit könne jemand, der nach einem Jahr in der Schulpraxis eine negative Beurteilung erhalte, dennoch weiter machen und müsse erst bei einem neuerlichen Nicht Genügend nach 1,5 bis zwei Jahren ausscheiden.

Gemeinsame Ausbildung

Den Vorschlag einer gemeinsamen Ausbildung aller Lehrer an den Pädaks kann sich Schachl gut vorstellen. Den AHS-Lehrern werde zu Recht der Vorwurf gemacht, sich erst sehr spät nach Jahren der Fachstudien der Realität der Schule zuzuwenden. Deshalb wäre es gut, wenn man an den PH die pädagogische Ausbildung für alle macht und erst dann die fachspezifischen Studien darauf setzt - für AHS-Oberstufenlehrer an den Unis.

Chancen böte diese neue Ausbildungsform auch für den Wunsch der Pädaks nach einem Graduierungsrecht für den "Master". Nach dem dreijährigen Grundstudium an einer PH könnten AHS-Oberstufen-Lehrer eine Master-Ausbildung an einer Uni anschließen. Für interessierte Volks-, Haupt- oder Sonderschullehrer könnten die PH einen Master der Pädagogik anbieten - "das würde Ordnung in das System bringen und die Lehrerausbildung insgesamt aufwerten".

Schachl ist sich aber der dienstrechtlichen Problematik einer derartigen Reform bewusst, "das ist das Killerargument". Prinzipiell könnte man natürlich die Besoldung nach der Ausbildungszeit differenzieren. Das würde bedeuten, dass AHS-Oberstufen-Lehrer auf Grund der längeren Ausbildungszeit mehr verdienen als ihre nur in der Unterstufe unterrichtenden Kollegen. "Aber das wird die AHS-Lehrer-Gewerkschaft nicht sehr lieben", ist Schachl überzeugt. (APA)

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