Große Namen, kleine Weine

23. Februar 2005, 22:05
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Das Phänomen der Trittbrettfahrer ist auch beim Wein zu beobachten

Weine aus besten Lagen stellen die Spitze des Angebots dar, und auch in Österreich mehrte sich sowohl Anzahl, Ruhm als auch Preis solcher Lagenweine. Und somit tauchen im gleichen Ausmaß, da Topweine nach den Weingärten genannt werden, auch Epigonen auf.

Die Spitzer Lage "Singerriedel" etwa wird unweigerlich mit dem Weingut Franz Hirtzberger in Verbindung gebracht. Andere haben dort aber auch Weingärten, und so können die Freien Weingärtner Wachau einen Riesling "Singerriedel" anbieten, der gerade einmal ein Drittel des Hirtzberger'schen kostet. Ärgerlich sei das aber dennoch nicht, so Sohn Roman Hirtzberger, schwieriger seien da schon eher die Verwechslungen mit einem Weinbaubetrieb Hirtzberger in Wösendorf.

Auch die "Gabarinzas" und "Salzberge" - Gernot Heinrichs berühmteste Rotwein-Cuvées - werden mehr. "Aber das ist legitim, ich werd mich nicht dagegen wehren", so Heinrich, abgesehen davon, dass er mit seinem Gabarinza-Nachbarn Günter Horvath in bestem Einvernehmen steht und dessen Weine überaus schätzt. Weniger friedlich verlief das in Rust, wo Ernst Triebaumer 1986 mit seinem Blaufränkisch "Mariental" die österreichische Rotwein-Geschichte begründete. "Der Ruster Teil der Lage gehört fast zur Gänze uns", so Herbert Triebaumer, weshalb sich Ruster Winzer, die auch in den Genuss von ein bisschen Mariental-Ruhm kommen wollten, auch alle umgebenden Lagen als "Mariental" benennen wollten. Die Triebaumers konnten das verhindern. Wirklichen Schaden brächten andere Mariental-Weine für die Trie- baumers aber nicht, so Herbert Triebaumer, "dazu ist der Name viel zu sehr mit meinem Vater verbunden".

Was man auch von Manfred Tement und seiner Parade-lage "Zieregg" sagen kann. Dennoch gehört dort ein kleines Stück auch dem weststeirischen Weinhändler Günter Müller, der Tement unter anderem damit ärgerte, dass er einen Junker (steirischer Jungwein) mit der Bezeichnung "Zieregg" abfüllte. "Das ist sicher nicht angenehm", so Tement, "wenn da jemand dein Image ausnützt und durchschnittlichen Wein damit macht". Allerdings verdeutliche das halt auch, dass die Lage allein keineswegs alles sei. Und dort, wo sein "Zieregg" eine Rolle spiele, kämen die Epigonen eh nicht hin, so Tement.

Gernot Heinrich rät jedenfalls, nach burgundischer Tradition sich nicht vom Lagen-Namen blenden zu lassen, sondern immer auch auf den Winzer zu achten. In Zukunft also auch in Österreich. (Florian Holzer/Der Standard/rondo/21.01.2005)

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