Hilfe für Rosneft aus China

3. Februar 2005, 14:46
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Milliardenkredit für künftige Öllieferungen

Nach der Versteigerung der wichtigsten Yukos-Fördertochter Yuganskneftegas (YNG) an den staatlichen Ölkonzern Rosneft ist dieser auf Suche nach Geldquellen. Der Kauf um 9,35 Milliarden Dollar hat Rosneft, das nun 15 Prozent der russischen Ölproduktion kontrolliert, in tiefe Schulden gestürzt, wobei bis heute offen ist, woher überhaupt der kurzfristige Kredit gekommen war.

Wenn nicht gar Budgetmittel verwendet worden sind, konzentrieren sich Expertenerklärungen auf eine fiktive Buchhaltungsaktion, für die sich russische Banken kurzfristig und mit hohen Prozenten hergaben.

China National Petroleum Corp.

Damit reales Geld fließt, kommen jetzt neue Akteure ins Spiel. Laut Wirtschaftsblatt Wedomosti verhandeln russische Beamte und Rosneft mit der China National Petroleum Corp. (CNPC). Diese würde Rosneft mit einem für Russland beispiellosen Kredit von sechs Milliarden Dollar aushelfen.

Im Gegenzug würde China bis 2010 rund 48 Mio. Tonnen russischen Öls erhalten. Energieminister Wiktor Christenko und Rosneft-Präsident Sergej Bogdantschikow hätten das Abkommen ausgehandelt, die Unterzeichnung solle folgen. Chinas Durst nach russischem Öl ist immens.

Weltweit zweitgrößter Verbraucher

Als weltweit zweitgrößter Verbraucher importiert es derzeit 40 Prozent seines Ölbedarfs, bis 2030 dürften es 60 Prozent sein. Russlands Anteil erreichte 2003 bescheidene 3,5 Mio. Tonnen, die Yukos via Eisenbahn zustellte. Schon heuer will man verdoppeln, ab 2006 dann jährlich 15 Millionen Tonnen liefern.

Rosneft hatte den Chinesen 20 Prozent Aktien an YNG, auf dem aber 5,1 Mrd. Dollar Steuerschulden lasten, als Unterpfand für den Kredit mit Kaufoption angeboten, die Chinesen bestanden aber offenbar auf der Liefergarantie.

Erst kürzlich ist die Entscheidung für den Bau einer Pipeline an die Pazifikküste zur Versorgung von Japan und Korea gefallen. Eine Entscheidung für einen Seitenarm ins chinesische Daqing steht noch aus. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.01.2005)

Eduard Steiner aus Moskau
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