Weiße Zeiten? Schwarzarbeit erstmals seit Jahren rückläufig

4. Februar 2005, 10:53
12 Postings

Steuerreform und angekündigter Dienst­leistungs­scheck drängen den Pfusch erstmals seit Beginn der 90er-Jahre zurück - Mit Infografik

Wien - Nach neuen Schätzungen des an der Uni Linz tätigen Ökonomen Friedrich Schneider könnte der Schwarzarbeit in Österreich heuer erstmals seit eineinhalb Jahrzehnten ein Stück des Bodens entzogen werden.

Schneider argumentiert dies im STANDARD-Gespräch mit der Steuerfreistellung von weiteren 200.000 Arbeitnehmern im Zuge der Steuerreform sowie der geplanten Einführung des Dienstleistungsschecks. Kommt der Dienstleistungsscheck tatsächlich, werde die Wertschöpfung im Pfusch heuer von 23 auf 22 Mrd. Euro sinken, sagt Schneider.

Eventuell den Pfusch anheizende Maßnahmen wie massenweise Frühpensionierungen bei den ÖBB sind in Schneiders Prognose nicht enthalten. Er schätzt seine unter Ökonomen-Kollegen umstrittenen Werte stark vereinfacht gesprochen mit Methoden, die vom frei verfügbaren Einkommen ausgehen.

Doppelt so viel Schwarzarbeit, wie vor zehn Jahren

Stieg der Pfusch laut Schneiders Berechnung im Vorjahr noch auf den bisherigen Rekordwert von elf Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde dieser BIP-Anteil heuer auf 10,27 Prozent sinken. Anfang der 90er Jahre lag der Pfuschanteil freilich noch bei 5,47 Prozent vom BIP lediglich halb so hoch.

Für die bisher Jahr für Jahr steigende Bedeutung der Schattenwirtschaft in Österreich macht der Fachmann in erster Linie die hohe Belastung mit Steuern und Sozialversicherungsabgaben verantwortlich.

"Diese erstmals prognostizierte Senkung würde noch stärker ausfallen, wenn nicht durch die geplante Erhöhung der Lohnnebenkosten bei den Krankenversicherungsbeiträgen ein Teil des Rückganges wieder kompensiert würde", folgert Schneider daraus.

Strengere Strafen wenig zielführend

Strengere Strafen oder Gesetze hält der Ökonom im Kampf gegen den Pfusch den auch für wenig bis gar nicht zielführend. Schneider fordert hingegen weitere wirtschaftliche Anreize um Leute für den Übertritt aus der Schattenwirtschaft in die legale Wirtschaft zu motivieren.

Schneiders Lieblingsansatz ist dabei die Umlenkung von Wohnbaufördermittel in die Entlastung des Faktors Arbeit am Bau. "Damit könnte ein Teil des bisher schwarz erarbeiteten Volumens am Bau ganz legal in die offizielle Wirtschaft überführt werden.

Außerdem würde diese Maßnahme dem Finanzminister keinen zusätzlichen Euro an Steuermitteln kosten." Im Gegenteil: Der Fiskus könnte durch das steigenden (offizielle) Auftragsvolumen sogar mit zusätzlichen Steuereinnahmen rechnen.

Darüber hinaus fordert Schneider erneut eine (befristete) Mehrwertsteuervergütung bei arbeitsintensiven Dienstleistungen beziehungsweise eine beschränkte steuerliche Absetzbarkeit von Leistungen im privaten Haushalt. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.01.2005)

  • Infografik: Wirtschaftsfaktor Pfusch
    grafik: der standard

    Infografik: Wirtschaftsfaktor Pfusch

Share if you care.