"Schließung war nicht aufzuhalten"

3. Februar 2005, 15:15
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Ex-AT-Chef Beppo Mauhart zeigt im STANDARD-Interview Verständnis für das Zusperren der Fabriken Schwaz und Fürstenfeld

STANDARD: Die britischen Eigentümer von Austria Tabak schließen zwei Fabriken in Österreich. Überrascht Sie das?

Mauhart: Nein. Wenn man ein Unternehmen so leichtfertig verkauft wie die Austria Tabak, muss man damit rechnen, dass der neue Eigentümer Entscheidungen trifft, die nicht dem erworbenen Unternehmen Priorität einräumen.

STANDARD: Glauben Sie an den Fortbestand der Fabriken Hainburg und Linz?

Mauhart: Ich vertraue den Österreich-Verantwortlichen, dass sie alles tun, um den Zigarettenstandort Österreich zu erhalten. Rationalisierungen gehören einfach dazu, damit man mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten und investieren kann.

Und in Linz wird in drei neue Maschinen investiert. So gesehen sind die beiden Fabriken das Opfer für den Erhalt des Paradestandortes Österreich.

STANDARD: Gefährdet nicht allein der Lohndruck aus dem Osten diesen Standort?

Mauhart: Nein, der österreichische Produktivitätsvorsprung zu den Billiglohnländern ist noch gewaltig. Bis der Osten das aufholt, ist der Kostenunterschied nicht mehr so dramatisch. Und eines hat der neue britische Eigentümer rasch erkannt: Dass die AT ein Juwel ist und in allen Bereichen besser als Gallaher selbst: in der Produktentwicklung, bei der Qualität, im Vertriebssystem und internationalen Auftritt. Da schmerzt es besonders, dass die AT verkauft wurde und nicht der umgekehrte Weg versucht wurde.

STANDARD: Hätten Sie selbst auch zugesperrt?

Mauhart: Schon wir haben uns mit Fürstenfeld befasst. Wir wären aber anders damit umgegangen, auch wenn am Ende dasselbe herausgekommen wäre. Fürstenfeld ist Nostalgie, jetzt wird die Virginia in Polen oder Wales erzeugt.

Schwaz schmerzt betriebswirtschaftlich: Nirgends in Europa gibt es eine Fabrik, die bei der Flexibilität über so hohe Produktivität und Qualität verfügt. Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man keine Eigentümerrechte mehr hat.

STANDARD: Wäre der Staat noch Eigentümer: Müsste er wegen des Drucks auf die Tabakindustrie nicht auch sparen?

Mauhart: Natürlich ist nicht unbedingt der Eigentümer an den Entwicklungen schuld. Das war ja bei der alten AT auch so: Hätten wir einen unternehmerisch denkenden Eigentümer gehabt, hätte man die AT mit einem Kernaktionär in Österreich halten und internationalisieren können.

STANDARD: Aber auch ein österreichischer Aktionär müsste sich an Erschwernisse wie Rauchverbote, Zigarettenschmuggel, Schadenersatzklagen anpassen.

Mauhart: Sie haben Recht, im Großen und Ganzen waren die Entwicklungen und Schließungen nicht aufzuhalten. Aber ein österreichischer Eigentümer hätte die Entscheidungen in der Konzernzentrale im Land und mit besserer Kultur getroffen.

STANDARD: 1995 mussten Sie nach dem Head-Debakel gehen. Bereuen Sie Ihren Kurs?

Mauhart: Ich habe einen Fehler gemacht: die Verantwortungslosigkeit der politischen Entscheidungsträger unterschätzt. So lange sich der Staat nicht eingemischt hat, hat alles funktioniert.

STANDARD: Eigentümer Staat sollte nichts zu melden haben?

Mauhart: Er wurde zur Last, als er den tief greifenden Sanierungskurs behinderte. Finanzminister Andreas Staribacher wollte die AT nur loswerden, die SPÖ hat dem nichts entgegengesetzt.

STANDARD: Hat die Austria Tabak Zukunft, wenn sogar Riesen wie Gallaher kämpfen?

Mauhart: Austria Tabak ist Weltspitze in Forschung und Entwicklung; das könnte jetzt belohnt werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.01.2005)

Zur Person

Beppo Mauhart (71) war von 1979 bis 1995 Chef der Austria Tabak. Damals scheiterte sein Diversifikationskurs mit demn Erwerb der Head-Sportartikel-Gruppe. Der sozialdemokratische Ex-ÖFB-Präsident hat seine vorläufig letzte Zigarette am 28. 2. 1964, ein Uhr, geraucht.

Das Gespräch führte Renate Graber
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    Der langjährige Austria-Tabak-Chef, Beppo Mauhart, hält das Unternehmen für ein "Juwel", das heller glänzt als die britische Mutter. Deren Restrukturierungskurs versteht er aber.

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