Opfer-Identifizierung: DNA-Proben faulen vor sich hin

11. Februar 2005, 15:50
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Labor-Chef der Innsbrucker Gerichtsmedizin: "Internationale Abstimmung läuft nicht so, wie sie laufen sollte" - Innenministerium beruhigt

Wien - Der Labor-Chef der Innsbrucker Gerichtsmedizin warnt vor weiteren Verzögerungen bei der Identifizierung von Opfern der Flutkatastrophe in Südasien. "Die internationale Abstimmung läuft nicht so, wie sie laufen sollte", sagte Univ.-Prof. Walther Parson am Mittwochnachmittag im Gespräch mit der APA.

Die an Ort und Stelle und von so genannten DVI-Teams genommenen DNA-Proben von Leichen müssten möglichst rasch mehreren Labors zugeführt und dort analysiert werden. Ansonsten sinke die Chance, dass DNA-Profile angelegt werden können, was in weiterer Folge eine erfolgreiche Identifikation erschweren bzw. verhindern würde.

Gewebeproben von Tsunami-Opfern in Innsbruck

Bisher dürfte die Innsbrucker Gerichtsmedizin nach wie vor weltweit das einzige Labor sein, das Gewebeproben von Tsunami-Opfern typisiert. Ein Umstand, der bei Parson auf Unverständnis stößt: Es gebe auch zahlreiche andere Einrichtungen, die namhaft gemacht und mit dieser Aufgabe betraut werden könnten.

Zu viel zeit verstreicht

Die Arbeit der Innsbrucker DNA-Experten leidet darunter, dass mittlerweile einfach zu viel Zeit verstreicht, bis die Proben im Labor eintreffen. Als zu Jahresbeginn erste Sets aus Sri Lanka einlangten, konnte ein Großteil im Schnelltypisierungsverfahren analysiert werden.

Mangelhafte Kühlung

Das ist allerdings zwei Wochen her. Die letzten Proben, die die Gerichtsmedizin aus Thailand erhalten hat, waren bereits von weitaus schlechterer Qualität. Grund: Sie sind in Folge der mangelhaften Kühlung in den Krisengebieten, die mit der Ausrüstung in einem modernen Labor naturgemäß nicht mithalten kann, Verwesung und Bakterienangriff ausgesetzt.

DNA-Proben faulen vor sich hin

"Tatsache ist die, dass die Proben so vor sich hinfaulen. Der Verwesungsprozess wird beim Einfrieren nicht gestoppt, sondern nur verlangsamt", erläutert Parson. Vor allem ein zwischenzeitliches Auftauen sei gefährlich, selbst wenn das DNA-Material später in einem Biofreezer landet. Bei einem nicht optimal aufbewahrten Zahn können etwa über den Wurzelkanal Bakterien ins Zahninnere gelangen, sich dort vermehren und die DNA-Struktur zerstören, so Parson.

"Die Proben werden immer schlechter. Handlungsbedarf wäre daher dringend gegeben", schloss der Experte.

Innenministerium beruhigt

Aus unserer Sicht scheint alles zu funktionieren", meinte Bundeskriminalamt-Sprecher Gerald Hesztera.

Es gebe keinesfalls hochinfektiöse DNA-Proben, kommentierte Heszerta eine Meldung in der morgen, Donnerstag, erscheinenden Ausgabe der Info-Illustrierten "News". Vor allem australische Profis seien in die schwierige Arbeit eingebunden, die bisher unbekannten Leichen zu typisieren und damit ein Identifizieren zu ermöglichen.

Zu diesem Zweck soll in China eine zentrale Datenbank entstehen, in die alle verfügbaren Daten eingespeist werden. Hesztera sprach in diesem Zusammenhang von "einer der größten Anstrengungen der internationalen Kriminalpolizei." (APA)

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