Schließungen bringen leichtes Ergebnisplus

3. Februar 2005, 15:15
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Analysten von Goldman Sachs rechnen mit einer leichten Steigerung des Gewinns von 1,3 Prozent bis 2008

Wien - Die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen in der britischen Tabak-Gruppe Gallaher, die die Schließung von zwei Austria Tabak (AT)-Werken in Österreich und den Verlust von insgesamt 250 Arbeitsplätzen vorsehen, werden das Ergebnis von Gallaher in den nächsten Jahren leicht verbessern. Das britische Investmenthaus Goldman Sachs erwartet aus den angekündigten Maßnahmen eine Verbesserung des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITA) bis 2008 von 1,3 Prozent, geht aus einer aktuellen Analyse von heute, Mittwoch, hervor.

Mehr auf Profitabiltät konzentriert

Goldman Sachs erwartet Einsparungen für die AT-Mutter Gallaher in Höhe von 9 Mio. Pfund (12,9 Mio. Euro) ab 2006, die in den folgenden zwei bis drei Jahren lukriert werden sollten. Dabei fallen nach den Berechnungen außerordentliche Sonderabschreibungen von 30 Mio. Pfund an. Das sei zwar ein "leicht positiver Effekt, aber nicht überraschend", meinen die Experten. "Wir haben erwartet, dass sich das Unternehmen angesichts der Regierungspläne, das Rauchen in der Öffentlichkeit einzudämmen, mehr auf die Profitabilität in Österreich konzentriert", heißt es in der Goldman Sachs-Analyse. Dieser Hintergrund mache den Restrukturierungsbedarf leichter nachvollziehbar. Durch den Abbau von 430 Stellen im Jahr 2003 hatte Gallaher bereits jährliche Einsparungen von 15 Mio. Pfund jährlich lukriert.

Generell bewertet Goldman Sachs die Tabakbranche derzeit attraktiver als die Nahrungsmittel-Branche. Anders als die Empfehlungen BAT oder Altadis lautet die Empfehlung für Gallaher wegen des geringeren Gewinns je Aktie aber auf "untergewichten". Im Vergleich zu Mitbewerbern sei Gallaher geographisch und nach Produkten nicht so stark aufgestellt wie der Mitbewerb, mögliche Akquisitionen seien finanziell limitiert. Im Zuge einer Konsolidierungsprozesses könnte Gallaher zum Übernahmeziel werden, meint Goldman Sachs.

Krtik am Vorgehen von der Gewerkschaft

Auch am Mittwoch setzten sich Proteste von Gewerkschaftsseite gegen die Sparpläne der Austria Tabak-Mutter Gallaher fort: Die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) im Gewerkschaftsbund ÖGB kritisiert "verantwortungsloses Vorgehen" der Regierung: "Für das Nulldefizit des Herrn Grasser und aus rein ideologischen und nicht wirtschaftspolitischen Motiven wurden Unternehmen privatisiert, die dem Staat jährlich hohe Einnahmen gebracht haben", so FSG-Vorsitzender Rudolf Nürnberger. Dem Staat fehlten jetzt Einnahmen aus den früheren Staatsbetrieben, dazu kämen noch Kosten für neue Arbeitslose bzw. Umschulungsmaßnahmen.

Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) kündigte heute an, sie werde "alles unternehmen, um für die Beschäftigten der von der Schließung bedrohten AT-Betriebe eine Lebensperspektive und eine Zukunft zu eröffnen", erklärte GPA-Bereichsleiter Karl Proyer. Es sei "verantwortungslos", dass "der englische Eigentümer die erstbeste Gelegenheit nach der vereinbarten Übergangsfrist nutzt, um die Betriebsstandorte zu schließen". (APA)

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