Interview: Margreiter zu den DSV-Siegen

6. Februar 2005, 14:37
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Zu wenig Betreuer zum Jubeln, aber Ex-ÖSV-Herrenchef sieht nach zwei Überraschungssiegen Licht am Horizont

Kitzbühel - Der Tiroler Werner Margreiter war in den 90er-Jahren hauptverantwortlich für die Riesenerfolge der österreichischen Herren-Alpinmannschaft. Seit einem Jahr versucht der 50-Jährige zusammen mit anderen ehemaligen ÖSV-Coaches, die deutschen Herren wieder erfolgreich zu machen. Mit Abfahrer Max Rauffer (Gröden) und Slalomfahrer Alois Vogl (Wengen) haben zwei Routiniers bereits im zweiten Winter der Margreiter-Ära überraschend zwei DSV-Siege gefeiert. Im Folgenden ein APA-Interview zu diesem Thema mit Margreiter:

Dem Weltcup geht's gut, wenn auch die deutschen Herren gewinnen, sagt man.

Margreiter: "Das tut allen gut, auch der Wirtschaft und dem Tourismus. Die zwei Siege heuer kommen aber schon sehr überraschend. Wir haben derzeit ja nur drei, vier Leute, die konkurrenzfähig sind. Die müssen wir hegen und pflegen, damit sie gesund bleiben. Wir sind auch vom Betreuerstab her am Limit, in Wengen hatten wir nicht einmal einen im Ziel, um Alois Vogl zu gratulieren. Aber wir haben gezeigt, dass der deutsche Herrenrennsport lebt."

Die Gründe?

Margreiter: "Auch ein 'kleines' Skifahrerland wie Deutschland wird immer wieder Leute haben, die gut fahren können. Ein Vogl ist technisch hervorragend. Es war nur die Frage, wie man dieses Potenzial an die Oberfläche bringt. Er war sicher nicht das letzte Mal am Stockerl."

Was haben Sie anders gemacht als die Trainer vor Ihnen?

Margreiter: "Ich weiß nicht, was vorher gemacht wurde. Ich hab meine Linie und diesen Weg sind wir gegangen. Viel spielt sich im Kopf ab. Es geht um Dinge wie Wohlfühlen und Selbstvertrauen, das hat in der Mannschaft einfach gefehlt."

Wie vermittelt man Selbstvertrauen?

Margreiter: "Das ist sehr individuell. Aber dann entsteht irgendwann ein gewisses Team-Selbstbewusstsein. Selbst Leute die nicht so gut sind, werden mitgerissen, es entsteht eine Euphorie. Wir merken es sogar schon in den Nachwuchsmannschaften. Wir haben eine echte Aufbruchstimmung."

Wann kommt der große Schub an jungen Läufern?

Margreiter: "Ein Felix Neureuther zählt als 84-er-Jahrgang ja zu den Jüngeren. Er ist einer der jüngsten im Weltcup im Spitzenfeld. Die nächste wirklich starke Gruppe ist die der 86-er bis 89-er, die beginnen gerade FIS-Rennen zu fahren. Das braucht also Jahre, und bis dahin kommen wir hoffentlich mit den wenigen Älteren über die Runden."

Wie lange haben Sie sich gebunden?

Margreiter: "Der Vertrag ist fix bis 2007 mit einer Option bis 2010. Mir war klar, das wird keine Sache von heute auf morgen."

Stürmen die deutschen Fans jetzt Kitz und Schladming?

Margreiter: "Momentan ist Slalom-Tourismus angesagt. Es werden viele Busse speziell aus dem bayrischen Raum kommen. Da wo ein Deutscher gewinnen kann, fahren die Leute hin. Egal ob Springen, Biathlon, Langlauf oder Alpin. Die Leute lechzen nach diesen Erfolgen, speziell auf dem Alpinsektor. Deshalb werden sie kommen, ganz sicher."

Sie haben in den 90-ern die ÖSV-Herren zu großen Erfolgen geführt. Warum das Engagement in Deutschland?

Margreiter: "Es war eine ganz besondere und persönliche Herausforderung, man hat mich auch belächelt deshalb. In Österreich vergisst man ja relativ schnell. Als ich damals begann, hatte die Mannschaft im Jahr vorher ein Weltcuprennen gewonnen. Dann hatten wir Seriensiege, heute sind 20 Saisonsiege normal. In Deutschland beginne ich wirklich ganz von vorne. Aber Skifahren ist mein Leben und mein Geschäft, da kenn ich mich ein bisschen aus. Die Herausforderung war zu verlockend. Es sind ja Einige vor mir gescheitert, das reizt."

Der größte Unterschied Österreich-Deutschland?

Margreiter: "Die prinzipielle Möglichkeit Ski zu fahren. In ganz Deutschland gibt es zwölf Skigebiete mit Beschneiungsanlagen, eines ist in Sachsen, eines in Thüringen, eines in Baden-Württemberg, eines im Bayerwald. Der Rest ist am Alpenrand verteilt. Die Kilometerzahl aller beschneiter Pisten ist sicher geringer als in irgend einer Talschaft in Österreich. Trotzdem sage ich weiterhin, warum soll einer, der vor der Grenze wohnt, langsamer sein als einer, der 20 Kilometer hinter der Grenze wohnt? Aber im Prinzip ist Deutschland beim Skifahren der kleine Bruder."(APA)

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    Margreiter erklärt Rauffer die Streif.

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