Belegschaft war Zünglein an der Waage

3. Februar 2005, 15:25
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Stimmen der VA Tech-Mitarbeiter besiegelten bei Abstimmung zur Aufhebung des Höchststimmrechts das Debakel für Siemens

Wien - In der außerordentlichen Hauptversammlung (HV) der VA Tech hätten die Fonds und Kleinaktionäre zu wenig Gewicht gehabt, um die von Siemens beantragte Aufhebung des Höchststimmrechts mit ihren Stimmen zu blockieren. Die Stimmen der VA Tech-Mitarbeiter seien es gewesen, die am Montag das Debakel für Siemens perfekt machten, schreibt das "WirtschaftsBlatt" in seiner heutigen Mittwochausgabe. Von der Belegschaft seien 225.470 Aktien in die Waagschale geworfen worden.

Dreiviertel Mehrheit wäre nötig gewesen

Für die Abschaffung der 25-prozentigen Stimmrechtsbeschränkung, die der von Siemens angestrebten Kontrolle der VA Tech im Wege steht, hätte der Münchener Elektromulti eine Dreiviertelmehrheit gebraucht. Wie berichtet kamen aber nur 73,3 Prozent Ja-Stimmen zu Stande, das war zu wenig.

Für 24,07 Prozent Nein-Stimmen hätten die 223.556 Aktien von 277 Streubesitzaktionären und die ausländischen Fonds - darunter Goldman Sachs - gesorgt. Zünglein an der Waage waren dann dem Zeitungsbericht zufolge die Nein-Stimmen der in einem Treuhandfonds gebündelten Aktien der VA Tech-Belegschaft.

Bewertung des Übernahmeangebots weiter unklar

"Ohne uns wäre die Abstimmung nicht so ausgegangen. Das Match wird aber erst dann abgepfiffen, wenn es der Schiedsrichter abpfeift", zitiert das "WirtschaftsBlatt" den Chef des VA Tech-Betriebsrats, Anton Beneder. Schiedsrichter seien alle Aktionäre. Wie die Mehrheit der Anleger zum Übernahmeangebot von Siemens stehe, sei auch nach der turbulenten HV am Montag nicht klar. "Mein Thema ist jedenfalls kein Thema des Preises, sondern das der Mitarbeiter", sagt Beneder.

Die VA Tech-Belegschaft befürchtet den Abbau von Arbeitsplätzen bei einer Übernahme durch Siemens. VA Tech-Chef Klaus Sernetz, der seit dem Einstieg von Siemens nicht mehr offen gegen den neuen Hauptaktionär plädieren darf, hat seine Abneigung zuletzt über eine Hintertür artikuliert: Der Übernahmepreis von 55 Euro pro Aktie sei nicht angemessen, hatte es in einer auf JP Morgan gestützten Beurteilung geheißen.

Aktie fast zehn Prozent über gebotenem Preis

Siemens ist nach der Abstimmungsniederlage in der VA Tech-HV mit Ursachenforschung beschäftigt. Hinweise darauf, wie die ins Stocken geratene Übernahme des Linzer Konzerns in Schwung gebracht werden soll, gibt es vorerst nicht. Siemens-Österreich-Vorstand Brigitte Ederer hatte am Montag zur möglichen Nachbesserung des Angebotspreises festgehalten, Siemens habe ein gültiges Angebot gelegt: "Unter diesen Bedingungen wollen wir die VA Tech übernehmen." An der Börse notierte die VA Tech-Aktie im heutigen Frühhandel mit 60,01 Euro weiterhin - um gut 9 Prozent - über dem gebotenen Preis. (APA)

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