Ausgeraucht

22. Februar 2005, 16:02
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Kaum ist die "Standortgarantie" von Gallaher abgelaufen, haben zwei von vier Werken in Österreich ausgeraucht - Von Leo Szemeliker

Nun ist also passiert, was Kritiker des Austria-Tabak-Verkaufes an die britische Gallaher vor dreieinhalb Jahren prophezeit hatten: Kaum ist die "Standortgarantie" abgelaufen, haben zwei von vier Werken in Österreich ausgeraucht, die Produktion wird in Großbritannien und in Billiglohnländern konzentriert. Jenen 140 Menschen, die ihren Job verlieren, wird es wenig Trost sein, dass an den anderen beiden heimischen Standorten investiert und modernisiert wird. Die Briten handelten eben betriebswirtschaftlich, sie können die Deckungsbeitragssumme erhöhen, indem sie Fixkosten abbauen und die verbleibenden Kapazitäten besser auslasten. Für die Opposition waren die Schuldigen an den Jobverlusten in der Steiermark und in Tirol schnell gefunden: Schwarz-Blau, die Privatisierungswütigen in der Regierung. Man kann der ÖVP-FPÖ-Regierung tatsächlich vorwerfen, den 41-Prozent-Anteil an der Cashcow Austria Tabak 2001 in einer Nacht- und Nebelaktion zu hastig und mit 780 Millionen Euro zu billig an Gallaher verscherbelt zu haben. Schließlich brachten die Tschikfabriken dem Staat jährlich 40 Millionen Euro an Dividende. Nach mehreren Rationalisierungen trägt die seinerzeitige Tabakregie ein Viertel zum Gallaher-Gewinn bei, die Briten hatten den Kaufpreis binnen kürzester Zeit wieder drinnen.

Tabakindustrie unter Druck Die internationale Tabakindustrie steht schwer unter Druck - rigorose Rauch- und Werbeverbote, Milliardenklagen, grassierender Schmuggel. Nicht zuletzt wird auch erwartet, dass Hersteller aus China, in Summe Produktionsland Nummer eins, bald auf den Weltmarkt drängen werden. Konzentrationsprozesse sind die Folge, sogar Gallaher könnte von einem der Riesen - BAT oder Philipp Morris - inhaliert werden. Der österreichische Staat wäre heute als Eigentümer schlicht überfordert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2005)

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