Rechtsextreme SP-Akademiker

26. Februar 2005, 15:23
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BSA nahm zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten auf

Wien – "Unzureichend", lautet das Zeugnis, das der Historiker Peter Schwarz den Bemühungen des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA), sich vor einer "Infiltration nationaler Studentenverbindungen" zu schützen, ausstellt.

"Die politische Gesinnung der ehemaligen Nationalsozialisten ist bei der Aufnahme in den BSA nicht seriös überprüft worden", sagt Schwarz zum STANDARD. Daher sei es "einer beträchtlichen Anzahl von Leuten mit einer rechtsextremen Einstellung" gelungen, in die Organisation zu gelangen.

In der Studie, die Wolfgang Neugebauer gemeinsam mit Kollegen Schwarz unter dem Titel "Der Wille zum aufrechten Gang" (Czernin Verlag) für den BSA erstellt hat, wird etwa Günther Rehak als einer genannt, der sich bereits kurz nach seinem BSA-Austritt im Jahr 1981 dem "Rechtsextremismus und Neonazismus" angenähert hat:

Der ehemalige Obmann des VSStÖ und enge Mitarbeiter von Kanzler Bruno Kreisky sei 1987 "als Interviewpartner der rechtsextremen Zeitschrift Der Völkerfreund" genauso in Erscheinung getreten wie als "Entlastungszeuge" für den "Neonazi und Holocaustleugner Gerd Honsik". Rehak habe sich in der Folge "im organisierten Neonazismus" bewegt und "verlor deswegen Anfang 1994 seinen Lehrauftrag am Institut für Politikwissenschaften".

Mit Franz Scheidl findet sich überhaupt "einer der ersten Holocaustleugner im deutschsprachigen Raum" im Buch. Über Scheidl schreiben die Autoren Schwarz und Neugebauer: "1967/68 publizierte er im Eigenverlag eine revisionistische 'Geschichte der Verfemung Deutschlands' in sieben Bänden." Und in der neonazistischen Zeitschrift Sieg leugnete Scheidl "ebenfalls die systematische Vernichtung von Juden und Jüdinnen in den NS-Lagern".

Johann Biringer – auch dieser Name steht für Studienautor Schwarz exemplarisch für das "Versäumnis des BSA, sich niemals wirklich um einen Gesinnungswandel der "Ehemaligen" in seinen Reihen bemüht zu haben".

Denn dem vormaligen SA- und SS-Mitglied Biringer wurde durch massive Unterstützung des BSA möglich, "wovon andere Beamte nur träumen konnten". Biringer schaffte es bis zum Direktor der Bundespolizeidirektion Salzburg.

Zu seinem Berufsverständnis heißt es im Buch: "Biringer schien bei der Behandlung der Salzburger Bürger mit zweierlei Maß zu messen: Gegen antifaschistische Demonstranten bzw. linke Studenten ließ er seine Polizei oftmals hart und rücksichtslos eingreifen.

Dabei konnte es laut Biringer vorkommen, dass "bei Amtshandlungen, zum Beispiel Verhaftungen, schon manchmal Knochen brechen." Die Ursache dafür liege in der "Knochenstruktur", die "nicht bei allen Menschen gleich" sei."

Biringers Dank an den BSA: Austritt im Jahr 1997, weil – so Neugebauer und Schwarz – die Zugehörigkeit ihren Zweck erfüllt hatte und seinem "Engagement für die Kameradschaft IV (ein Veteranenverein ehemaliger SS- Angehöriger)" nur hinderlich gewesen wäre.

Die Ergebnisse der BSA- Studie waren Dienstagabend auch Thema einer Podiumsdiskussion im Budgetsaal des Parlaments. Zeitzeuge Otto Binder (der ehemalige Leiter der Wiener Städtischen Versicherung) diskutierte dabei mit der Vorsitzenden des Verbandes Sozialistischer Studenten Österreichs (VSStÖ), Andrea Brunner.

Brunner thematisierte etwa die Rolle ihres Vorgängers Günther Rehak: "Natürlich würden wir ihn am liebsten aus unserer eigenen Geschichte ausblenden." Dennoch sei es wichtig, dass sich gerade die Jungen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinander setzen.

Otto Binder sorgte mit seiner Aussage für Aufsehen, er sei "bis heute glücklich", dass die Vertriebenen vom offiziellen Österreich nicht aktiv zurückgeholt worden sind. Binder: "Ich leide seit 50 Jahren darunter, dass ich immer wieder erleben muss, dass man Dinge der Vergangenheit mit dem Kopf von heute denkt."

Denn, so seine Argumentation, die Rückholung hätte nur "eine leere Geste" sein können. Und die hätte die "Ressentiments, die Vorsicht und die negativen Gefühle der Emigranten" neuerlich aufgebracht.

Binder bilanziert: "Ich wäre bei einer solche Rückrufung, die vermutlich eine Rückrufung der emigrierten Juden gewesen wäre, nicht zurückgekommen." Die Frage "Gehen wir zurück oder nicht" habe er aber ohnedies "einfach weggeschoben". (Karin Moser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2005)-

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