Kopf des Tages: Airbus-Chef Noël Forgeard

3. Februar 2005, 15:16
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"Mickey" will noch höher steigen - Ab Mai wird er Co-Chef von EADS

"Fasten your seat belts!", ruft Noël Forgeard mit seinem schweren französischen Akzent – dann folgen die neusten Geschäftsstatistiken von Airbus. Man wird zwar nicht gerade aus den Sesseln gerissen, aber beeindruckend sind die Zahlen allemal. Die Gewinnrendite des Unternehmens erreicht 9,6 Prozent, während sie bei Boeing nur bei 5,8 Prozent liegt.

Das Airbus-Konsortium überflügelt seit nunmehr zwei Jahren die wohl mächtigste Industrie des Planeten – den amerikanischen Luftfahrts- und Rüstungskomplex Boeing/Pentagon. Dieser Erfolg wurde von 50.000 Deutschen, Briten, Spaniern und Franzosen erarbeitet und vom Rüstungs- und Aeronautikingenieur Forgeard dirigiert. Und mit dem – vom Deutschen Jürgen Thomas konzipierten – Überflieger A380 werden die Europäer ihren technologischen und kommerziellen Vorsprung wohl weiter ausbauen.

Ein bunter, sehr französischer Charakter...

Forgeard (Spitzname: "Mickey", wegen seiner Segelohren und vorstehenden Zähnen) ist ein bunter, sehr französischer Charakter: Er fliegt schon mal für eine halbe Stunde in ein arabisches Scheichtum, um mit einem guten Kunden einen Kaffee zu trinken. Bei Pressekonferenzen weist er seine Direktoren auf dem Podium mit einem bloßen Fingerschnalzen zurecht.

Wenn sich Briten und Amerikaner über seine Allüren erregen, sagt er: "Die Leute denken, ich sei mit meiner direkten Art und meinem kuriosen Akzent ein typischer Franzose. Dabei wurde mein Managementstil als international, liberal und konsensuell anerkannt." Die englische Queen schlug den 58-jährigen Familienvater unlängst zum Ritter, was bisher nur sehr wenigen Nichtbriten vergönnt war.

...muss seine Konsensfähigkeit beweisen

Der Franzose will jetzt noch höher hinaus – Alleinchef des Mutterhauses EADS (Airbus, Ariane-Rakete, Eurofighter) werden. Derzeit sind dort der Deutsche Rainer Hertrich und der Franzose Philippe Camus an der Spitze. Vor Weihnachten lieferten sich Forgeard und Camus knallharte Wortgefechte. Bis die deutschen und spanischen EADS-Partner reagierten. Nachdem man wochenlang sprachlos zugeschaut hatten, wie sich die zwei Gallier zerfleischten, verlautete Hertrich öffentlich: "Da will einer ins Cockpit!" Ein paar Tage später sprach DaimlerChrysler ein Machtwort: Die deutsch-französische Doppelspitze bei EADS sei sakrosant.

Forgeard muss sich damit abfinden, ab Mai einmal Co-Chef von EADS zu werden. Und mit dem bisherigen Chef der EADS-Verteidigungssparte, Thomas Enders, setzte DaimlerChrysler Forgeard einen mit allen Wassern gewaschenen Deutschen zur Seite. Forgeard muss beweisen, wie konsensfähig er ist. Skeptiker prophezeien, dass sich die eher explosiven Charaktere Forgeard und Enders bald in die Haare geraten werden. (Stefan Brändle, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2005)

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