Letzter Zug für zwei Austria-Tabak-Fabriken

3. Februar 2005, 15:15
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Fürstenfeld und Schwaz werden heuer zugesperrt, rund 140 Jobs gehen verloren. Die Werke in Linz und Hainburg sollen dafür gestärkt werden

Wien/Fürstenfeld/Schwaz - Ausgeraucht haben zwei Fabriken der im Eigentum des britischen Tabakkonzerns Gallaher stehenden Austria Tabak (AT): Die Standorte Fürstenfeld in der Steiermark und Schwaz in Tirol werden heuer geschlossen. Das hat der Aufsichtsrat des Unternehmens beschlossen, nachdem ihm das AT-Management entsprechende Pläne unterbreitet hatte. Grundlage für die Umstrukturierung der Gallaher-Gruppe bildet die Überprüfung aller europäischen Produktionsstätten.

Produktion wandert nach Polen

In Fürstenfeld, wo Zigarren und Zigarillos gedreht werden, sind rund 50 Mitarbeiter betroffen. In Schwaz, wo jährlich rund 5,5 Mrd. Zigaretten diverser Marken produziert werden, arbeiten derzeit rund 90 Beschäftigte. "Kein Werk war defizitär. Es geht ausschließlich um die Gewinnoptimierung, die Produktion wird nach Polen verlagert", erläuterte das der Vorsitzende des AT-Zentralbetriebsrats, Reinhard Hasenhüttl, im Gespräch mit dem STANDARD.

Austria-Tabak-Chef Stefan Fitz begründete die Schließungen mit dem "Ziel, den Standort Österreich zu sichern und die verbleibenden österreichischen Fabriken zu stärken". Die ehedem staatliche AT, deren Staatsanteil die ÖIAG 2001 an Gallaher verkauft hatte, betreibt zwei weitere Fabriken in Linz und Hainburg. Beide sollen künftig mit "zusätzlichen Investitionen" unterstützt werden.

Umstrukturierungen, die weitere 30 Jobs in Österreich kosten werden, kommen auch auf die Großhandelsgesellschaft Tobaccoland zu. Geplant ist ihre umfassende Neustrukturierung bis Ende 2007: Wien soll der zentrale Standort für die Kommissionierung und das Warenlager werden. Auch außerhalb Österreichs wird Gallaher umgebaut: Konzernweit werden 250 Jobs gestrichen, auch britische Fabriken stehen vor dem Aus.

Heftige Reaktionen

Die Reaktionen in Österreich fielen heftig aus. AK-Direktor Werner Muhm sprach von "Opfern einer falschen Privatisierungspolitik der Regierung", der steirische Vizelandeshauptmann Franz Voves (SP) von der "Bankrotterklärung der ÖVP-Wirtschaftspolitik". Der Fürstenfelder Bürgermeister, Werner Gutzwar (VP), bedauerte den "schmerzvollen Verlust". Dass die Jobgarantie von Gallaher Ende 2004 abgelaufen ist, lasse "einige Vermutungen" zu.

Der Austria-Tabak-Betriebsrat bespricht am Mittwoch mit dem Management das weitere Vorgehen. Sein Ziel, so Hasenhüttl: "die bestmögliche Absicherung unserer Leute". Ein Rettungsanker kann nicht mehr ausgeworfen werden. Der Wiener PR-Agenturchef Dietmar Ecker wollte die Fabrik Fürstenfeld 2001 kaufen - "doch der Zug ist abgefahren", sagt er jetzt. (Renate Graber, Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2005)

Kommentar

Ausgeraucht
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    Konzernweit sollen von Umstrukturierungen in der Gallaher-Gruppe rund 250 Personen betroffen sein.

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