So alt, so jung und doch so gleich

4. Juli 2005, 10:58
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Beim Workshop vom SchülerStandard und dem Theater der Jugend sahen Jugendliche schon am Freitag die Probe des Stücks "Das Herz eines Boxers", das am Mittwoch Premiere hat. Wir veröffentlichen die besten zwei Kritiken

"Jetzt geht's los!", ruft Jojo nach 18 schläfrigen Minuten. Stefano Bernardin schlüpft in die Rolle des Jojo, eines gerade erwachsen gewordenen und unerfahrenen Draufgängers. Er muss im Altersheim die Wände streichen, weil er die Strafe seines großen Idols auf sich genommen hat. Als Dank für seine Heldentat schlägt ihn sein gemeinter Freund k.o.

Im Altersheim trifft Jojo den alten Leo (Horst Eder), der einst ein gefeierter Soldat und Preisboxer war. Die zwei so unterschiedlichen Charaktere helfen einander gegenseitig und entwickeln im Laufe der Zeit eine dicke Freundschaft. Leo bringt Jojo das Boxen bei und erklärt ihm den Umgang mit Frauen. Dieser wiederum revanchiert sich, indem er Leo die Flucht aus dem Altersheim ermöglicht.

Eder hat wahrlich keine leichte Rolle. Nicht nur muss er fast 20 Minuten reglos in einem Rollstuhl sitzen, darauf wartend, endlich sein erstes Wort sprechen zu können. Nein. Eder muss sich zuletzt sogar als Frau verkleiden. Er meistert seine Rolle perfekt.

Der junge Bernardin wirkt als Jojo mit seinen lautstarken Kommentaren sehr überzeugend. Man kann auf seine Zukunft als Schauspieler sehr gespannt sein. Dem Regisseur Thomas Birkmeir ist es wahrlich wunderbar gelungen, das Stück ernst, realistisch jedoch auch lustig zu inszenieren.

Humor mit Wirkung

Nach einer langen ersten Szene, in der Leo kaum zu Wort kommt, entwickelt das "Herz eines Boxers" langsam feinen Humor, der auch meistens seine Wirkung erfüllt. Bis auf wenige Unklarheiten konnte Birkmeir das Werk von Lutz Hübner hervorragend auf die Bühne übertragen. Das Bühnenbild ist sehr schlicht gestaltet, erfüllt aber seinen Zweck. Das gesamte Stück spielt in einem einzigen Zimmer des "alten" Altersheims.

Die einzige Abwechslung bieten die Nächte, in denen laute russische Musik, blaues Licht und eine gestresste Altenpflegerin den Schauplatz schlagartig verändern. Dabei behauptet Birkmeir im anschließenden Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD selbst: "Theater kann mit der von MTV abgeschauten Schnitttechnik nicht mithalten und soll es auch nicht." Er hat Recht. Jugendliche können diese Aufführung jederzeit dem Fernsehen vorziehen.

 

Von Benedict Feichtner

Der Autor (14) besucht das Musikgymnasium Neustift- gasse in Wien

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