Die Angst der Grünen vor dem linken Eck

Redaktion, 24. Jänner 2005 19:56

Vassilakou sieht "keine Fundis" - die ÖVP legt im Kampf ums bürgerliche Lager gleich nach - Eine Analyse

Wien - "Ich sehe überhaupt keinen Linksruck, und ich sehe überhaupt keine Fundis auf den vorderen Plätzen", reagierte die Wiener Spitzenkandidatin der Grünen, Maria Vassilakou, auf den STANDARD-Bericht über die Listenerstellung für die Gemeinderatswahl. Und Vassilakou zur Tatsache, dass David Ellensohn, Monika Vana und Martin Margulies - jetzt auf den Gemeinderats-Listenplätzen zwei bis vier - strikt gegen Koalitionsverhandlungen mit der Bundes-ÖVP waren: "Heute werden Sie kaum jemanden finden, der sagen wird, dass die Verhandlungen ein Fehler waren." Bei der Landesversammlung am Sonntag hatte Vana noch das glatte Gegenteil gesagt - und hatte dafür jubelnden Applaus geerntet.

Die neue Scheu der Grünen, als allzu linke Partei bezeichnet zu werden, hat vor allem damit zu tun, dass bei den nächsten Wiener Wahlen noch stärker um aufgeschlossene, liberale, bürgerliche Wähler gekämpft wird. In den Bezirken innerhalb des Gürtels, wo die Grünen schon einen Bezirksvorsteher stellen, aber auch z. B. in Hietzing, wo die Grünen schon erstaunliche Wahlerfolge feierten.

Genau das ist auch der Grund, warum die ÖVP unter Johannes Hahn danach trachtet, bereits jetzt die Grünen inhaltlich genau zu definieren. Und etwa genüsslich aus dem wirtschaftspolitischen Programm der Grünen zitiert, das der grüne Budgetsprecher Margulies präsentierte. Die grünen Eckpunkte: eine Wochenarbeitszeit von 35 Stunden als "ein erster Schritt". Und die "Anhebung der effektiven Besteuerung von Gewinnen" sowie "eine kräftige Erhöhung der Besteuerung von Einkommen aus Besitz und Vermögen".

Lieblingszitate im grünen Konzept, an die Hahn und der VP-Landessprecher Norbert Walter gleich am Montag wieder erinnerten: die Forderungen nach einem Demonstrationsrecht in Einkaufszentren. Oder grüne Aussagen zu den Themen Markt und Wettbewerb: "In manchen Bereichen können sie gut funktionieren (z. B. Fahrräder, Kleidung), in anderen . . . führen sie zu Marktversagen, zu großen sozialen Problemen oder beschneiden die demokratischen Rechte." Oder die Kritik am Garagenbau: "Parkplatzangebote kommen überwiegend Männern zugute. Zudem werden bei der Errichtung überwiegend Arbeitsplätze für Männer geschaffen."

Ähnlich werden gewiss die Grünen verfahren, wenn die ÖVP demnächst ihr Wirtschaftsprogramm präsentiert - um deren neuen liberalen Auftritt zu entzaubern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.1.2005)

Von Roman David-Freihsl
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doc doc
22.01.2005 10:12
die angst der grünen vor dem linken eck

warum das ?
stehen peter pilz und konsorten wieder vor der uni , um , wie in alten zeiten , für die trotzkisten und maoisten zu werben ?

kmmh2000
21.01.2005 15:19

Also ich weiss schon, dass Hahn bewusst die kuriosesten Forderungen aus den grünen Elaboraten ausgewählt haben wird, aber ehrlich, gibt es tatsächlich einen Leidensdruck, in Einkaufszentren demonstrieren zu dürfen?? Ist das ein Thema von einer derartigen Bedeutung, dass ich es in ein Parteiprogramm reinschreibe? Wer würde eigentlich wofür/wogegen im Donauzentrum demonstrieren wollen, um wo wem was mitzuteilen???

Ha, ich habs: gegen die profitorientierten, unehrlichen Lockmittel dieser Turbokapitalisten im Schlussverkauf!! Ok, jetzt isses auch mir klar......

Marilynn E.
Marilynn E.
21.01.2005 21:43
na gegen die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten zB

damit Österreich auch die nächsten Jahrzehnte im 20. Jahrhundert stecken bleibt...

REKTOSKOP: Lärm aus dem Volksgedärm
20.01.2005 13:10
Mir reicht's schon, dass die Grünen keine Angst vor der rechten Breite/breiten Rechten in der VP keine Angst mehr haben.

parapatits
19.01.2005 23:22

Leider ist es ja so, dass die "Mitte" zum Tummelplatz aller geworden ist, gerade in wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen.
Zwangsläufig bedeutet das eine Rechtsentwicklung der Grünen und auch der SPÖ (schon viel früher), denn dass die Rechten nach links gegangen seien, kann wohl nicht behauptet werden.

Kater Karlo
19.01.2005 15:28
öhm? aha also die grünen haben einen

anderen wirtschaftspolitischen ansatz als övp, spö und fpö ..... gut ..... sorry wen wundert das jetzt wirklich? und nur weils kein so offensichtlich neoliberales, der mode der zeit entsprechender schwupptiwuppti- gehts -der -wirtschaft -gut gehts -allen -gut -schwachsinn ist sondern andere lösungen sucht, jetzt mal abgesehen dass einzelne Sätze aus einem Programm zitieren so sinnvoll ist wie kaffesud lesen, isses was? nicht so konservativ wie die övp? super danke ...

byron sully
19.01.2005 13:56
der selbsternannte grün-experte freihsl

auf lopatkas spuren...

Mr Orange
19.01.2005 11:27
Naja wen wundert das!

Wenn das Wort "links" noch einen bittereren Beigeschmack als "rechts" hat. Für viele Österreicher bedeutet links noch tiiiefster Kommunismus - Gulag - Reiterhorden die mit gezogenem Säbel auf deutsche Panzer zustürmen!

Eine Kreatur
20.01.2005 01:24
schauns ...

das hat in österreich einfach tradition - mit "links" konnte schon der kaiser angst schüren und staatliche repression loslassen, in der zwischenkriegszeit haben die austrofaschisten mit "links" (+kommunisten) schon den weltuntergang kommen sehen und dagegen "ankämpfen" müssen, danach warens die nazis und schliesslich hat sich auch nicht die zweite republik entblödet "kommunistische volksaufstände/putschversuche" zu erfinden, ... nach so viel indoktrination gehts in diesem land einfach nicht mehr anders, als das "links" ganz böse und "rechts" normal ist ...

Emma Maier
19.01.2005 10:40
Der Spagat zwischen rinks und lechts

...könnte die Grünen noch aufreiben. Wie wäre es damit, sich doch ein politisches Profil zu verpassen statt everybody's darling sein zu wollen ?
Meiner Meinung nach berechtigte Forderungen ( wie soziale Grundversorgung, Besteuerung des Profits ) sind nun einmal nicht mit der Anwerbung der Döblinger Regimenter kompatibel.
Meiner Meinung nach müsste es aber links von den Grünen eine neue Partei geben, die konsequent für Wertschöpfungsabgabe, Tobin - Tax, etc. steht und nicht wie die Grünen unbedingt mit der ÖVP ins Bett will.

byron sully
19.01.2005 13:57
und die

das ekh nicht an mutmaßliche rechtsradikale verkauft...

Emma Maier
19.01.2005 20:52
Ja, da stimme ich dir zu.

Obwohl - ohne Frage - die KPÖ das EKH zumindest 15 Jahre lang zugelassen und unterstützt hat - während den Grünen nahestehende Politiker den Spittelberg aufkauften und zu einem Schicki - Micki - Viertel gemacht haben....

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
20.01.2005 06:49
Der Pius ist ja auch nicht "das meinige",aber den

Spittelberg als "Schicki-Micki-Viertel" zu bezeichnen...na ich weiß nicht.

Eine Kreatur
20.01.2005 01:21
aber immerhin ...

nicht an rechtsextreme kreise auf kosten nicht gerade unbedeutender und unwichtiger politischer und kultureller gruppen, flüchtlinge, usw. ... aber das nur so nebenbei ...

Modeste Mignon
 
18.01.2005 17:27
Johannes Hahn tut ja sogar recht

die inhalte der wiener grünen genau zu zitieren, nur ist die einfache wiedergabe von aus dem zusammenhang gerissenen wortklumpen zu wenig und dient allein einer propaganda, die falsches bewusstsein verbreiten soll. das publikum von hahn sollte sich nicht so tief herablassen, sich über reißerische zitate auszulassen, es sollte seine würde wahren und versuchen die inhalte zu verstehen. also nicht nur zitieren, sondern auch mit ernst diskutieren. noch der verbohrteste ignorant wird dann kapieren, daß die grünen ansichten gar nicht so dumm und unmöglich sind, sondern sogar recht intelligent und aus dem geist humanistischen wollens geboren. die grünen ideen sind visionen zu einer menschlicheren welt von morgen. was ist verwerflich daran?

Justinian
20.01.2005 00:18
Verwerflich

ist daran genug. Offenbar regiert bei vielen Postern
die Sehnsucht nach den rasenden Erfolgen der Ostblock-Planwirtschaft. Leere Auslagen, Bezugsscheine und Menschenschlangen vor Geschäften. Aber dafür gibt`s ja dann den Wettbewerb bei den ikonisierten Fahrradln und der billigen Textil-Einheitskleidung. Gratuliere, vielleicht sollten Sie um Asyl in Nordkorea ansuchen.......

Poldi Schrumpl
19.01.2005 07:14
gut.

dann erklär mir denn ganzen hintergrund zur forderung des demonstrationsrechts in einkaufszentren.

wobei ich in deiner zitierten "menschlicheren welt von morgen" eigentlich keine notwendigkeit mehr für demonstrationen sehe...

der rechtschreipfehler
18.01.2005 18:34
die visionen hatte zuvor schon karl marx.

war nicht so toll.

Emma Maier
19.01.2005 10:33
Meine Güte !

Marx war Ökonom, nicht Visionär. Der Marxismus ist eine wissenschaftliche Analyse - und wurde in vielen Punkten bestätigt.

Elisabeth Jarok
18.01.2005 15:44
"die kampagne des david-freihsl gegen die wiener grünen"

wäre ein besserer titel - gleich ein gesamttitel für die beiden aufeinanderfolgenden analysen.

nur schade dass er dafür den standard missbraucht.
vielleicht ein deutliches winken an fleischhacker/presse - "hier bin ich, holt mich doch"?

Ich bin klug
18.01.2005 15:25
Wenn die Grünen...

von vorn herein mit der ÖVP nicht einmal verhandeln wollen, sind sie tatsächlich Fundis.

Eine Kreatur
20.01.2005 01:18
wohl noch nie was von "demokratie" gehört oder?

parteien können es sich aussuchen, ob sie mit anderen parteien verhandeln wollen oder nicht - das ist demokratisches recht ... also nix mit "fundi" oder sonstwas

das mit dem "zwang" verhandeln zu müssen, das verwechseln sie mit autoritären staaten, wo menschen dazu gezwungen werden können "politisch" mit jemandem "zusammenzuarbeiten"

faszinierend, wie beschränkt manche leut in österreich doch sind ...

Modeste Mignon
 
18.01.2005 17:06
worüber sollen die grünen deiner meinung nach mit den bürgerlichen verhandeln?

wie die stadt am besten und schnellsten in eine verkehrshölle verwandelt werden kann, wobei die schwachen verkehrsteilnehmer und tiere unter die räder kommen? über sozialen wohnbau für autos? (= geförderter bau von garagen) oder über polizeiliche wegweiserechte gegen unangepasste und elende, wie in der steiermark, die im endeffekt der repression von randgruppen und sozialem strandgut dienen? wenn die bürgerlichen aber morgen ihr plötzliches interesse an einer umweltverträglichen mobilität für alle und an einer sozialpolitik für minderheiten erklären, dann bitte können die verhandlungen über eine zusammenarbeit schon übermorgen beginnen. wer sind da also die fundamentalisten? die, die von den grünen anpassung bis zur selbstaufgabe fordern!

Frei sein
19.01.2005 21:44
Öffnung der Gemeindebauten für Ausländer z.B.:

da vertritt man im Gegensatz zur Spö dieselbe Meinung, soweit ich informiert bin.

Poldi Schrumpl
19.01.2005 13:30
"wer sind da also die fundamentalisten?"


na du - zum beisbiel.

wenn die grünen nicht bald bereit sind in einer koalition mitzuregieren, schenk ich ihnen keine stimme mehr (und ich glaub ich bin nicht der einzige).

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