24 Minuten für "24"

16. Februar 2005, 13:34
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Guten Tag, mein Name ist Christian Schachinger. Mein Geschäft ist die Kultur...

Guten Tag, mein Name ist Christian Schachinger. Mein Geschäft ist die Kultur. Wir schreiben den 17. 1. 2005. Es ist Schlag 13 Uhr. Ich befinde mich in der Redaktion und mir stehen die härtesten 24 Minuten des Tages bevor. Soeben hat mein Ressortleiter damit gedroht, vor lauter Wut zu platzen. Er will die ganze Redaktion mit in den Tod nehmen, wenn nicht bis 13:24 ein TV-Tagebuch über die neue Staffel von 24 geschrieben worden ist.

13:05, selber Ort: Nachdem alle sonst für diesen Job infrage kommenden Kollegen noch nicht aus der Mittagspause zurück sind, bleibt alles wieder einmal an mir hängen. Ich setze mich an den Computer. Mein Herz rast.

13:09, vor dem Computer: Gerade als ich eine Idee für den Artikel hatte, erhielt ich einen Anruf von meiner Frau über Festnetz. Sie droht mit Scheidung. Keine Zeit für eine Aussprache. Zuerst kommt der Job. Ich bin ein Profi.

13:12, auf der Toilette: leichte Panikattacke.

13:16, im Gang zurück zum Büro: Mein Chef erreicht mich am Handy. Wo ich denn sei. Die Uhr läuft.

13:21, am Schreibtisch. Ich beginne hysterisch zu lachen. Tief drin nur Traurigkeit. Der letzte Humor ist immer der Galgenhumor. Jetzt heißt es tapfer sein.

13:24: Fertig! Es kann nur einen geben. Zeitung gerettet. Endlich kann ich meine Frau zurückrufen. Aber niemand hebt ab. (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2005)

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