Der Funke zündet

18. Februar 2005, 13:27
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Es begann mit einer Beisl-Partie - Die Geschichte von derStandard.at in zehn Teilen

Der Legende nach war es wieder einmal so eine typisch wienerische Geschichte. Es begann mit einer Beisl-Partie. "Es war a bsoffene Gschicht", bestätigt Gerlinde Hinterleitner und grinst. Aber derart hatten sie sich doch nicht weggesprengt, als dass sie nicht bemerkt hätten, wie der zündende Funke übersprang.

"Ich bin eigentlich nur ein einziges Mal mit der Eva Linsinger weggegangen", erinnert sich Hinterleitner einigermaßen verwundert. Doch dieser Abend sollte das Leben dreier Archivare – und die gesamte Medienlandschaft über Österreich hinaus – nachhaltig verändern. Neben Hinterleitner waren Klaus Weinmaier und Sascha F. Zeller vom Textarchiv des STANDARD mit von der Beisl-Partie. Gemeinsam hörten sie sich an, was Linsingers Freund Thomas Seifert von seinem jüngsten USA-Trip enthusiasmiert zu berichteten hatte.

1994. Zu diesem Zeitpunkt war gerade einmal das time magazine online. Seifert war vollkommen begeistert von den schier unbegrenzten Möglichkeiten, die sich mit diesem neuen Medium eröffneten – und die anderen ließen sich gerne anstecken. Nach diesem Abend wussten sie: Genau das machen wir mit dem STANDARD.

So bsoffen konnte diese Gschicht also eigentlich nicht gewesen sein. Denn am Tag danach wussten sie noch immer, was sie wollten. Dass ihnen nur bescheidenste Mittel zur Verfügung standen, schreckte sie nicht. Einen 286er-Computer hatten sie – oder war's schon ein 386er, darüber scheiden sich zehn Jahre danach bereits die Geister. Der rauschende Klang des Anschluss suchenden 14.4er-Modems und das befreiende "zdoing-zdoing", wenn er gefunden wurde, ist jedenfalls noch immer "der schönste Klang", den Hinterleitner und Weinmaier kennen.

Burning desire

Alsbald begann die Suche nach hilfreichen Kontakten. Wie etwa der Besuch bei der Firma Ping in deren Keller Gudula Feichtinger saß. Weinmaier: "Eigentlich wollten wir bei ihr Unterricht: Was ist das Internet?" Sie sorgte für den Anschluss an die vernetzte Welt. Manchmal war es der pure Zufall, der die richtigen Leute zusammenführte. Oder die volle Blase. Die drei hatten von einem Menschen gehört, der HTML programmieren konnte – Thomas J. Volgger hatte sein Büro im dritten Bezirk und dort saß er im hintersten Winkel bei mächtiger Musikbeschallung. Als "die Standards" schon wieder gehen wollten, verschaffte ihnen Volggers Harndrang gerade noch Gehör. "Ich bin mir sicher: Wenn der nicht gerade gemusst hätte, wäre aus dem Projekt nichts geworden", ist Hinterleitner nach wie vor überzeugt.

Teil zwei: Im "Global Village" "weltweit abrufbar"

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    grafik: derstandard.at
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