Non-Profits und der Markt

2. Februar 2005, 13:48
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Auch im Bereich der Non-Profits ist Controlling ein probates Mittel auf dem Weg zu Professionalität

"Die letzten drei bis fünf Jahre haben einen deutlichen Fortschritt in der Professionalisierung der Non-Profit-Organisationen (NPOs) aufgezeigt", so Christian Horak, Leiter des Bereiches Non-Profit und Public Management bei Contrast und Verfasser einer unlängst erschienenen Studie zum Thema Controlling in NPOs.

Die Ergebnisse machen den positiven Trend sichtbar: 69 Prozent von 2000 befragten Organisationen (die Rücklaufquote betrug rund sieben Prozent) gelten - laut Studie - als "Controlling-Profis". In über 90 Prozent der NPOs ist das Controlling organisatorisch verankert - in 37 Prozent in Form einer eigenen Abteilung bzw. eines betriebsinternen Controllers. Dennoch gäbe es Nachholbedarf und die Notwendigkeit eines steten Professionalisierungsprozesses, so der Studienautor. Die Zeiten, da das Image eines NPO-Mitarbeiters - laut Horak - eines "Barfüßigen ohne wirtschaftliche Kenntnisse" war, sind heute nicht mehr. Immerhin sehen sich die meisten NPOs unter anhaltend bzw. größer werdendem Konkurrenzdruck: Den Studienergebnissen zufolge erwarten 58 Prozent der Organisationen neue Konkurrenz innerhalb der nächsten fünf Jahre, 86 Prozent sehen sich mit steigenden Ansprüchen der Kunden konfrontiert und satte 81 Prozent befürchten eine Verringerung der Mittel aus öffentlicher Hand. Ausgangspunkte also, die zuweilen akuten Handlungsbedarf anzeigen. Der Fortbestand einer Non-Profit-Organisation genauso wie die Qualitätssicherung und -erhaltung bemesse sich laut Horak zukünftig verstärkt an ihren betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten.

Kompetenzen klären

"Die aktuelle Entwicklung in Mitteleuropa kann in Grundzügen an der Entwicklung der NPOs der Vereinigten Staaten Ende der 80er-Jahre nachvollzogen werden", so der Experte. "Damals wurde der Anteil an öffentlichen Geldern drastisch gekürzt, was zur positiven Entwicklung einer Rückbesinnung auf die jeweiligen Kernkompetenzen zur Folge hatte", so Horak weiter. Seiner Expertenmeinung zufolge würde jede Organisation, die mehr "auf ihre Schultern laden" wolle als die eigene Kernkompetenz, an Profil verlieren. In einem stetig wachsenden Bereich leichtsinnig, da es in erster Linie wohl darum ginge, welche Inhalte die jeweilige Organisation repräsentiere. Deshalb würde jeder, der an Konkurrenzlosigkeit innerhalb des NPO-Feldes denke, sich in die eigene Tasche lügen.

Konkurrenz steigt

"Der Spendenmarkt hat sich in den letzten Jahren nicht sehr verändert. Es kann also immer nur mit einem bestimmten Gesamtvolumen an Geldern gerechnet werden, das sich auf die jeweiligen Organisationen aufteilt. Wenn wir jetzt angesichts der Flutkatastrophe von einem Spendenvolumen von rund 26 Millionen Euro ausgehen, dann ist diese Summe keinesfalls als 100-prozentiges Add-on zu betrachten."

Die Konkurrenz ist da, auch wenn darüber zu sprechen - so Horak weiter - noch vor zehn Jahren verpönt gewesen sei. Umso wichtiger sei es, weist der Experte den Weg in die Zukunft, einzelne Schritte und Ziele - auch hinsichtlich der zu tragenden Verantwortung - durch professionelles Controlling transparenter zu machen.

Es gehe darum, schnell und kompetent zu agieren: "Vergleichen Sie einfach nur, wie lang es gedauert hat, bis die Regierung - angesichts der Flutkatastrophe in Asien - ein Paket geschnürt hat und wie rasch die NPOs vor Ort waren und konkrete Hilfe leisten konnten." (Der Standard, Printausgabe 15./16.1.2005)

Von Heidi Aichinger

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