TU Wien überlegt Übersiedlung nach Tulln

10. Februar 2005, 18:16
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Technische Chemie und Elektrotechnik beraten über Standortwechsel - Grund sind desolate Institutsgebäude in Wien und bessere Kooperations­möglichkeiten in Tulln

Die Technische Universität (TU) Wien überlegt die Übersiedlung von zwei Fakultäten nach Tulln. Konkret gehe es um die Technische Chemie sowie die Elektrotechnik, bestätigt Pressesprecher Werner Sommer.

Es wird verhandelt

Momentan sei die mögliche Übersiedlung allerdings erst in der Prüfphase. "Es muss natürlich genau überlegt werden, ob so eine Übersiedlung aus Sicht der Unileitung Sinn macht", so Sommer. Es liege noch kein Beschluss vom Rektorat und dementsprechend auch noch keine Zustimmung zu diesem Beschluss vom Uni-Rat vor.

Dass die Übersiedlung ernsthaft in Betracht gezogen wird, bestätigt Sommer aber. "Besonders verlockend sind die Möglichkeiten der Kooperation mit Forschung und Praxis am Standort Tulln", so Sommer weiter. Auch der geplante "Campus-Charakter" des Studienstandortes auf der "grünen Wiese" sei ein Aspekt, der viele Vorteile mit sich bringen würde.

Kritik durch Hochschülerschaft

Kritik an den Plänen kommt von der Hochschülerschaft der TU (HTU). "Wir sehen diese Sache skeptisch", bestätigt der Vorsitzende der HTU, Gabor Sas. Zwar sei der desolate Zustand der Institutsgebäude der technischen Chemie problematisch, eine Verlegung nach Tulln sei aber nicht die gewünschte Lösung. Die HTU würde eine Restaurierung des sanierungsreifen Chemiegebäudes am Getreidemarkt oder einen Neubau auf den Grundmauern des kürzlich abgerissenen "Lehar-Traktes" bevorzugen.

"Der Standort Tulln ist für Studierende mit Sicherheit nicht so interessant wie Wien", befürchtet Gabor Sas. Die Verlegung nach Tulln würde dazu führen, dass sich Studierende eher für das Chemiestudium an der Uni Wien entscheiden würden, als nach Tulln zu pendeln. "Ich rechne für diesen Fall mit einem Rückgang der Studierendenzahlen", so Sas. "Es mag sein dass der Standort Tulln für die Forschung interessant ist, aber für die Studierenden ist er das nicht".

Standort attraktiv gestalten

Dieser Argumentation kann sich Sommer nicht anschließen: "Das hängt dann nur davon ab, wie attraktiv man den neuen Standort gestaltet." Studentenheime, Bibliotheken und die restliche Campusinfrastruktur würden Anziehungskraft genug bieten. "Außerdem ist das Profil der Studienrichtung Chemie an der Uni Wien ein ganz anderes", zerstreut er die Befürchtungen eines Studierendenrückganges.

Neue Spielregeln

Weiterer Kritikpunkt der HTU: Man sei in die Entscheidungsfindung bezüglich der Übersiedlung offiziell nicht eingebunden. TU-Pressesprecher Sommer dazu: "Das sind nun einmal die neuen Spielregeln nach dem UG 2002, daran können wir nichts ändern".

Auch wenn es Befürworter und Gegner der Übersiedlung nach Tulln gibt, ist die Standortfrage an der TU schon länger Thema. "Wir hätten prinzipiell auch nichts dagegen, wenn die gesamte TU an einen anderen Standort außerhalb Wiens übersiedelt", bestätigt Sommer. Grund: Verbesserte Möglichkeiten der Ansiedlung von Forschungseinrichtungen und Kooperationen. Dafür sei der Standort Tulln aber nicht geeignet. Überlegungen dieser Art gab es schon früher, sie konnten aber nicht durchgesetzt werden. (az)

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