Champagner für Häupl

24. Jänner 2005, 19:56
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Das Signal der neuen Kandidatenliste der Wiener Grünen ist eine Abkehr vom bürgerlich-urbanen Lager - Roman David-Freihsl

Was mit den Wiener Grünen und ihrer so genannten Basis derzeit los ist, dokumentierte am Sonntag der Kampf um den dritten Platz der Gemeinderatsliste wohl am besten: Eine Monika Vana brauchte sich bei der Landesversammlung nur hinzustellen und stolz daran erinnern, dass die Wiener Grünen als einzige gegen Schwarz-Grüne Koalitionsverhandlungen im Bund gestimmt hatten. Schon erntete sie jubelnden Applaus, der jenen für Alexander van der Bellen bei weitem übertraf. Schon gewann Vana die Abstimmung gegen Sigrid Pilz, die als Lainz-Aufdeckerin für grüne Furore gesorgt hatte. So einfach ist das: Wer strikt dagegen ist, dass mit bestimmten politischen Gruppierungen im Lande auch nur einmal geredet wird, kann bei den Wiener Grünen schon reüssieren.

Es war ein deutlicher Ruck hin zu den "Fundis", der sich nun in der grünen Kandidatenliste für die nächste Gemeinderatswahl widerspiegelt. Und schon wurde hinter vorgehaltenen "Realo"-Händen geraunt: "Der Häupl kann heut Abend gleich eine Flasche Champagner aufreißen." Das Signal ist jedenfalls eine Abkehr vom bürgerlich-urbanen Lager. Und ob es diesen Kandidaten gelingt, genug rote und Nichtwähler zu überzeugen, um die SPÖ-Absolute zu brechen, bleibt abzuwarten.

Eines aber wird immer unwahrscheinlicher: Die Spitzenkandidatin Maria Vassilakou hat sich im STANDARD bereits mehr als vorzeitig für eine rot-grüne Koalition nach den nächsten Wiener Wahlen ausgesprochen. Doch selbst wenn der SPÖ die absolute Mandatsmehrheit abhanden käme: Ein Pakt mit den Grünen kommt jetzt kaum noch in Frage. Mit wem soll Häupl denn realistischerweise verhandeln, wenn ein Christoph Chorherr weit nach hinten und ein Routinier und Rathausinsider wie Günter Kenesei gleich ganz rausgedrängt wurden? (DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2005)

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