Keine Chance - "Das Interview" von Theo van Gogh

16. Februar 2005, 13:34
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Der Filmemacher konstruiert ein Kammerspiel, das die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre, Wahrheit und Lüge auslotet

"Eigentlich besteht mein Inneres ausschließlich aus Sägespänen, Luft und Silikon", meint die junge Schauspielerin. Zu diesem Zeitpunkt hat das Interview mit ihr bereits mehrere Wendungen genommen, und ob ihre Selbsteinschätzung der Wahrheit entspricht oder nur dem Bild, das sie in der Öffentlichkeit genießt, ist noch nicht klar. Aus dem Journalisten ist jedenfalls längst selbst ein Verhörter geworden.

Das Interview (Arte, 20.45), der vorletzte Spielfilm des im vergangenen November ermordeten Filmemachers Theo van Gogh, konstruiert ein Kammerspiel, das - wie van Goghs eigenes Spiel mit medialer Aufmerksamkeit - geschickt die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre, Wahrheit und Lüge auslotet.

Im Zuge der Diskussionen nach dem Tod des durch islamkritische Meinungsäußerungen bekannt gewordenen Filmemachers war immer wieder zu lesen, dass van Gogh nicht zu den besten Regisseuren zu zählen sei. Das war vielleicht nicht einmal absichtlich zynisch. Aber in Wirklichkeit war es das natürlich. Der Regisseur van Gogh hatte gegen den Provokateur ohnehin nie eine Chance. Seine Filme sollten sie haben. (pek/DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2005)

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