Spekulationen über Stellenabbau - US-Konzern kann über Standortwechsel entscheiden
Nach der besiegelten Übernahme von Viva Media
durch Viacom verstärken sich Spekulationen über einen bevorstehenden
Stellenabbau. Am Freitagabend hatten die Viva-Aktionäre auf einer
außerordentlichen Hauptversammlung in Köln der noch engeren Anbindung
an den US-Konzern zugestimmt. Die Aktionäre genehmigten nach mehr als
zehnstündiger Versammlungsdauer den Beherrschungsvertrag zwischen
Viva und der MTV-Mutter Viacom sowie die vorgeschlagene
Zwangsabfindung (Squeeze-Out) der Minderheitsaktionäre.
Der US-Konzern übernimmt nun auch die direkte Leitung von Viva und
kann über einen möglichen Standortwechsel des Musiksenders nach
Berlin entscheiden. Bereits vor der Hauptversammlung hielt Viacom
fast 98 Prozent der Anteile. Die restlichen zwei Prozent sollen gegen
eine Barabfindung von 12,65 Euro pro Aktie an Viacom gehen.
Mutmaßungen über einen Viva-Umzug
Bereits seit der Übernahmegenehmigung durch das Bundeskartellamt
Ende August 2004 gibt es Mutmaßungen über einen Viva-Umzug, ein stark
eingeschränktes Programm zu Gunsten des MTV-Musikkanals sowie Pläne
für einen drastischen Stellenabbau unter den knapp 300
Viva-Mitarbeitern. Der Viva-Betriebsrat, der die komplette Schließung
des Kölner Senders befürchtet, will an den Umstrukturierungsplänen
beteiligt werden und klagt deshalb vor dem Kölner Arbeitsgericht. Die
Hauptverhandlung ist für den 25. Januar geplant.
Bei der Viva Media AG und in der Fernsehproduktion in Köln sind
290 Mitarbeiter beschäftigt. Zu der AG gehört auch die
Produktionsfirma Brainpool mit 280 Beschäftigten, die aber von
Umstrukturierungen nicht betroffen sein sollen.
2003 hatte der Viva-Konzern einen Fehlbetrag von 42 Millionen Euro
eingespielt. Für die ersten drei Quartale 2004 nannte Viva-Chef
Dieter Gorny einen Verlust von 7,4 Millionen Euro. Der Konzernumsatz
stieg auf 75,6 Millionen Euro, nach 71,5 Millionen Euro im
Vorjahreszeitraum. Nachdem die Kosten für die Übernahme durch Viacom
das Viva-Ergebnis im dritten Quartal 2004 stark belastet hat, wird
für das vierte Quartal mit einer stabilen Geschäftsentwicklung
gerechnet. Für das Gesamtjahr 2004 strebt Viva einen Umsatz über dem
Vorjahresniveau von 113 Millionen Euro an. (APA)