Viacom bindet Viva enger an sich

Redaktion, 23. Jänner 2005 08:05

Spekulationen über Stellenabbau - US-Konzern kann über Standortwechsel entscheiden

Nach der besiegelten Übernahme von Viva Media durch Viacom verstärken sich Spekulationen über einen bevorstehenden Stellenabbau. Am Freitagabend hatten die Viva-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Köln der noch engeren Anbindung an den US-Konzern zugestimmt. Die Aktionäre genehmigten nach mehr als zehnstündiger Versammlungsdauer den Beherrschungsvertrag zwischen Viva und der MTV-Mutter Viacom sowie die vorgeschlagene Zwangsabfindung (Squeeze-Out) der Minderheitsaktionäre.

Der US-Konzern übernimmt nun auch die direkte Leitung von Viva und kann über einen möglichen Standortwechsel des Musiksenders nach Berlin entscheiden. Bereits vor der Hauptversammlung hielt Viacom fast 98 Prozent der Anteile. Die restlichen zwei Prozent sollen gegen eine Barabfindung von 12,65 Euro pro Aktie an Viacom gehen.

Mutmaßungen über einen Viva-Umzug

Bereits seit der Übernahmegenehmigung durch das Bundeskartellamt Ende August 2004 gibt es Mutmaßungen über einen Viva-Umzug, ein stark eingeschränktes Programm zu Gunsten des MTV-Musikkanals sowie Pläne für einen drastischen Stellenabbau unter den knapp 300 Viva-Mitarbeitern. Der Viva-Betriebsrat, der die komplette Schließung des Kölner Senders befürchtet, will an den Umstrukturierungsplänen beteiligt werden und klagt deshalb vor dem Kölner Arbeitsgericht. Die Hauptverhandlung ist für den 25. Januar geplant.

Bei der Viva Media AG und in der Fernsehproduktion in Köln sind 290 Mitarbeiter beschäftigt. Zu der AG gehört auch die Produktionsfirma Brainpool mit 280 Beschäftigten, die aber von Umstrukturierungen nicht betroffen sein sollen.

2003 hatte der Viva-Konzern einen Fehlbetrag von 42 Millionen Euro eingespielt. Für die ersten drei Quartale 2004 nannte Viva-Chef Dieter Gorny einen Verlust von 7,4 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg auf 75,6 Millionen Euro, nach 71,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Nachdem die Kosten für die Übernahme durch Viacom das Viva-Ergebnis im dritten Quartal 2004 stark belastet hat, wird für das vierte Quartal mit einer stabilen Geschäftsentwicklung gerechnet. Für das Gesamtjahr 2004 strebt Viva einen Umsatz über dem Vorjahresniveau von 113 Millionen Euro an. (APA)

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