Das gesunde Volksempfinden

16. Februar 2005, 13:38
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Wie wir aus Inseraten der schwarz-blauen Regierung wissen, feiert Österreich heuer diverse Jubiläen ...

Wie wir aus Inseraten der schwarz-blauen Regierung wissen, feiert Österreich heuer diverse Jubiläen. Die kleinere Regierungspartei war auf den Inseraten als Einladende mit vertreten, obwohl sie mit allen dieser Jubiläen ihre Probleme hat.

Das ist bei den wichtigsten Anlässen nicht neu. Sogar gegenüber fünf Jahre Bundeskanzler Schüssel hat sie ihre Vorbehalte, obwohl sie ohne ihn gar nicht in die Verlegenheit gekommen wäre, die Befreiung von den Nazis würdigen zu müssen. Ihm wirft etwa Andreas Mölzer vor, mittels dieser Republikfeiern politisches Kleingeld wechseln zu wollen, wo er doch nur Wahlen gewinnen will, was allein der FPÖ weitere Regierungsbeteiligung sichern könnte. Und es unterscheidet sich der Patriotismus à la Volkspartei vom Stil der Freiheitlichen doch ein wenig, wenn auch nicht koalitionsstörend.

Vom völkischen Anwalt, der es dank dieser Koalition zum Volksanwalt bringen konnte, war man diesbezüglich schon bisher einiges gewohnt, und er bleibt sich auch im Jubeljahr treu. So lässt er in einem Interview mit "Zur Zeit" seinem Kummer freien Lauf: Ich vermisse bis heute eine kritische Aufarbeitung der Verbrechen der Besatzungsmächte, will er doch von einer Befreiung im Jahre 1945 nichts wissen. Es war vor allem für die Zivilbevölkerung Terror und zwar reiner Terror. Wer die Zivilbevölkerung durch sinnlosen Kampf bis zuletzt diesem Terror ausgeliefert hat, wessen Krieg die Besatzungsmächte erst ins Land brachte, spielt keine Rolle: Österreich hat aber auch erst l955 seine Befreiung erfahren. Das ist eine historische Tatsache, alles andere ist Propaganda.

Wer so schamlos Propaganda in historische Tatsachen verdreht, wird auch der jüngeren Geschichte nicht froh. Ewald Stadler hat daher einen guten Rat für die Feiern parat. Und das sollte man bei diesen ganzen Bedenkveranstaltungen immer auch gleich mit dazusagen, dass wir nicht nur 60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Besatzungsende, sondern auch 10 Jahre Ende der vollen Souveränität Österreichs zu feiern hätten.

Dass Österreich der EU in voller Souveränität beigetreten ist, ist ihm vermutlich auch eine Lebenslüge der zweiten Republik, die endlich aufgearbeitet werden müsste. Die Freiheitlichen werden es wohl nie verwinden, dass ihnen Österreichs Mitgliedschaft in der Europäischen Union die populistische Hetze im hinterwäldlerischen Biotop doch ein wenig erschwert.

So wie sie früher das Wachstum des Gedankens einer österreichischen Nation stets mit dem Hinweis auf deren "Deutschtum" zu hemmen suchten, treten sie nun gegen den europäischen Gedanken mit der bornierten Parole Österreich zuerst! auf. Mit derlei verspätetem Notnagel-Patriotismus glänzt gern der Obmann des Kärntner Heimatdienstes Josef Feldner, der in seinem Mitteilungsblatt regelmäßig verkündet: Der Traum von Multikulti - geträumt wird er natürlich von linken Gutheuchlern - ist entzaubert, ein für allemal. Und deshalb in jeder Nummer wieder.

Diesmal fühlte er sich - der Ruf von "Zur Zeit" als Intelligenzblatt verpflichtet schließlich - zu einer größeren Aufgabe berufen, einer Erledigung Elfriede Jelineks. Denn so darf man Österreich zuerst! nicht missverstehen, dass man eine österreichischen Schriftstellerin auch dann zu respektieren hätte, wenn man nicht ihrer Meinung ist. "Ich habe keine Hassliebe zu Österreich. Die Liebe fehlt mir" zitiert Feldner - und fühlt sich persönlich gemeint.

Und wer seinesgleichen nicht liebt, darf auf kein Erbarmen hoffen - Österreich zuerst oder zuletzt. Was ist das für ein perverser Negativchauvinismus, der Nestbeschmutzer zu Vorbildern erklärt und andererseits Patrioten mit Argwohn verfolgt! Bravo! Wer sich selbst zum Patrioten erklärt, darf andere als linke Gutheuchler entlarven, ist aber selber von jeder Kritik auszunehmen.

Warum, liegt auf der Hand. Es zeigt von einem ganz miesen Charakter, wenn jemand wie die Jelinek die öffentliche Hand, die sie Jahrzehnte hindurch fütterte und streichelte, beißt. Noch schlimmer ist aber, wenn sich ein Staat solch abartigen Nestbeschmutzern gegenüber sogar noch dankbar erweist.

Daher: So darf es nicht mehr weitergehen! Das heurige Jubiläumsjahr bietet die Chance zur Umkehr, zur Absage an Negativchauvinismus und nationaler Selbstzerstörung. Es darf nicht sein, dass sich maßgebliche politische Machthaber, unterstützt von allmächtigen Meinungsmachern, weiterhin permanent gegen die Volksmeinung richten und dem gesunden Volksempfinden nicht nur entgegenarbeiten, sondern dieses auch noch mit dem Bannfluch der politischen Unkorrektheit belegen.

Und um den Negativchauvinismus mit bodenständigem Positivschwachsinn zu erledigen, bekräftigt Feldner ein ausgeprägtes nationales Selbstbewusstsein, das dem nationalen Selbsthass der Jelineks und dem Negativchauvinismus der nestbeschmutzenden Voggenhubers diametral entgegensteht.

Interessant, wie gut sich in Kärnten eine Sprachinsel hält, wo bis heute Goebbels-Deutsch gesprochen wird. (DER STNADARD; Printausgabe, 15./16.1.2005)

Von Günter Traxler
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