GIS: "Wir informieren nur"

27. Dezember 2005, 16:39
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Die Mitarbeiter der GIS verhelfen Schwarzsehern beratend zum Fernseher - Über die Methoden und Befugnisse der GIS

STANDARD: Wie viele Österreicher haben keine Rundfunkgeräte und wie viele sagen, sie hätten keine?

Alfred Culik: Man kann davon ausgehen, dass heute fast alle Haushalte, rund 98 Prozent über Radio- bzw. TV-Geräte verfügen. Wir wissen aber, dass rund sechs Prozent der Privathaushalte weder Fernseher noch Radio angemeldet haben. Und fünf Prozent aller Leute in größeren Städten sagen uns, dass sie kein Gerät haben. Irgendwer schummelt da! Das Burgenland hat mit vier Prozent die niedrigste Quote an Nichtanmeldungen, Wien liegt mit zwölf Prozent an der Spitze. Schwarzsehen ist ein Großstadtsyndrom.

STANDARD: Wenn ich einen Fernseher besitze, aber nicht fernsehe?

Culik: Müssen Sie zahlen. Schon "ein betriebsbereites Gerät verpflichtet zur Anmeldung" – so steht es im Rundfunkgesetz. Egal, ob es an der Steckdose steckt oder nicht.

STANDARD: Wann kommen Ihre Leute zum Kontrollieren?

Culik: Die 153 Außendienstmitarbeiter arbeiten meist nebenberuflich. Sie besuchen die Haushalte nach ihrer Berufsausübung, denn auch wir wissen, dass die Leute am späten Nachmittag und frühen Abend eher zu Hause sind. Wir halten uns an EU-Richtlinien für die Durchführung von so genannten Haustürgeschäften: an Werktagen von neun bis 20 Uhr und samstags von neun bis 17 Uhr. An Sonn- und Feiertagen gibt es keinen Außendienst. Wir kontrollieren nicht, sondern es ist ausschließlich unsere Aufgabe zu informieren. Aber wir haben im Falle des Falles auch darauf hinzuweisen, dass eine bewusste Nichtanmeldung eine Anzeige bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde nach sich zieht.

STANDARD: Wie finden Sie die schwarzen Schafe?

Culik: Wir haben unsere Daten zur Verfügung, das heißt die bereits gemeldeten Rundfunkteilnehmer. Wir versuchen einfach, Lücken zu füllen. Wenn in einem Haus Tür 12 und 14 angemeldet sind, klopft unser Mitarbeiter bei Tür 13. Aber viele machen nicht auf.

STANDARD: Horchen Sie auch an Türen?

Culik: Im Rahmen des Legalen gehen unsere Mitarbeiter mit offenen Augen und Ohren ihrem Job nach. Oft sieht man vom Stiegenhaus direkt auf einen Bildschirm, und davor sitzt einer, der offensichtlichdarauf wartet, dass wir wieder verschwinden. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn die "ZiB 1"-Signation aus einer Wohnung zu hören ist und man weiter für dumm verkauft wird.

STANDARD: Was kostet es, sich die Gebühren zu sparen?

Culik: Der Strafsatz liegt bei maximal 2180 Euro – pro Geschäftsfall. Radio und Fernseher sind dann zwei Geschäftsfälle. Ganz wichtig: Unsere Mitarbeiter dürfen in keinem Fall bares Geld kassieren. Es gibt leider immer wieder Betrüger, die sich auch manchmal als GIS-Kundendienst ausgeben.

STANDARD: Welche Befugnisse haben Sie?

Culik: Es gibt einen Betretungsparagrafen, der steht aber nur der Bezirksverwaltungsbehörde zur Verfügung und die kontrolliert auch, wenn wir sie darum ersuchen. Wenn alles auf Gerätebesitz hinweist und ein Kunde stur bleibt, wird Anzeige erstattet. Die Behörde informiert uns über den Ausgang des Verfahrens. Davor schicken wir ein letztes Schreiben, in dem wir Kunden noch einmal auffordern, Gebühren zu zahlen. 2004 haben wir 6000 solcher Schreiben verschickt, immerhin hat mehr als ein Drittel darauf seine Geräte angemeldet. GIS-Mitarbeiter dürfen nur in Wohnungen, wenn Kunden das erlauben. Was viele nicht wissen: Öffentliche und halb öffentliche Bereiche dürfen wir betreten. Wir haben Zutritt zu Stiegenhäusern und dürfen auch ein unversperrtes Grundstück betreten, also von der offenen Gartentür bis zum Haus gehen. Aber da wurde ein Kollege schon einmal mit einem Kübel Wasser bedient. (Mia Eidlhuber/DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.1.2005)

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    foto. jung von matt
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