Thaddäus Podgorski, der Mann, der dachte: "Ich bin das Fernsehen"

27. Dezember 2005, 16:39
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Er war die "ZiB", Chefredakteur, Sportchef, General und erster weißer Elefant im ORF - Demnächst erscheint sein Buch

"Gut ist das wirklich nicht, aber lassen wir's einstweilen"– soweit ein gewisser Gerhard Freund vor beinahe 50 Jahren. Der frühe Fernsehmacher im ORF suchte den zündenden Titel für eine Art "Wochenschau", zweimal wöchentlich im TV. Was Freund damals "einstweilen" durchgehen ließ, zählt zu den zählebigen Provisorien dieser Republik: Zeit im Bild.

Ein Radioreporter, der zum Fernsehen wollte, will zuvor auf der Suche nach dem Titel eine schlaflose Nacht verbracht haben. Name: Thaddäus Podgorski. Und damit erster und zunächst einziger Redakteur der neuen Zeit im Bild.

Erst las der Sprecher die schon politisch abgesegneten Radionachrichten vor – eine schwarze Meldung, eine rote, eine schwarze, eine rote. Dann Podgorskis bunter Beitragsteil. Interviews ohne abgesprochene Fragen? Undenkbar!

Nicht immer putzig

Nicht alle Schnurren und Schilderungen in Teddy Podgorskis Buch "Die große Illusion" werden so putzig ausfallen wie jene über die Anfänge der ZiB. Zum Beispiel die Geschichte um eine der Kandidaturen Podgorskis für einen Intendantenjob. Ein kleiner Krimi mit Ingredienzien wie Schmiergeld und Verleumdung, wie Bundeskanzler und Starjournalist. Davon möchte Podgorski aber noch keine Details in der Zeitung lesen. Die hebt er sich lieber auf, "als Überraschung" für das Frühjahr, wenn sein Buch über 50 Jahre mit dem Fernsehen im Wiener Verlag Bibliophile Edition erscheint.

Die Zeit im Bild blieb nicht das einzige Kernstück des ORF, das Teddy als Erster und ganz alleine verkörperte. Er war, so sagt er, auch der erste weiße Elefant auf dem Küniglberg.

Eine eigene Spezies: gut dotierte, oft wohlklingend titulierte, aber de facto betätigungslose, weil zum Beispiel politisch gerade nicht ins Regime passende, aber nahezu unkündbare Mitarbeiter.

"Weißer Elefant"

Podgorskis Elefantisierung Ende der Sechziger war eher unpolitisch: Schlussschwenk vom Hippietreffen an der Salzach auf das nächtliche Festspielsalzburg für die Abendnachrichten mit dem Satz: "Die Hippies können hier in Ruhe ihren Joint rauchen: Die Bürger sitzen im Theater." Bachers Rauswurf: "Ich brauch keinen Bert Brecht im Aktuellen Dienst."

Podgorski wurde zum "Chefreporter", weil sich "weißer Elefant" im Dienstvertrag nicht schickt, und "hatte absolut nichts zu tun, aber mit eigenem Büro und eigener Sekretärin".

Nur böse Zungen sagen Podgorski eine ähnliche Lage nach, als er 1986 Generalintendant wurde. Sein Generalsekretär und Macher: Gerhard Zeiler, davor Kanzlersprecher, später selbst General und heute oberster RTL-Boss.

"Angstfrei"

Auch die heutige ORF-Chefin Monika Lindner werkte für Podgorski. Ihr erstes Kompliment damals: "So angstfrei" sei es, unter ihm zu arbeiten. "Das halte ich für ein wirkliches Kompliment, gerade wenn sie das sagt", grinst er. "Ich halte das wirklich für eine Voraussetzung, um ordentlich arbeiten zu können."

Was fällt Podgorski als Erstes zu 50 Jahre Fernsehen TV ein? Die "Zeit im Bild" natürlich, deren Beiträge er erst allein bestritt und die von Beginn an die meisten Zuschauer hatte: "Ich bin mir vorgekommen, ich bin das Fernsehen." (fid/DER STANDARD; Album, Printausgabe, 15./16.1.2005)

Langzeit-ORF-Mann Thaddäus Podgorski (69) ist heute Schauspieler, Regisseur, Autor und Gastronom. Sein ORF-Buch "Die große Illusion" erscheint im Frühjahr im Verlag Bibliophile Edition.
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