Weltcup-Premiere an Raich

11. Oktober 2005, 15:28
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Die erste Super-Kombi ging in Wengen an den ÖSV-Läufer - Auf den Plätzen: Lasse Kjus und Didier Defago - Maier Neunter, Miller out

Wengen - Benjamin Raich hat am Freitag die erste "Super-Kombination" der alpinen Weltcup-Geschichte gewonnen. Der Pitztaler setzte sich zum Auftakt des Jubiläum-Wochenendes auf dem Lauberhorn ("75 Jahre Wengen") vor dem Norweger Lasse Kjus, der am Freitag seinen 34. Geburtstag feierte, und den beiden Schweizer Lokalmatadoren Didier Defago und Daniel Albrecht durch. Da Gesamt-Weltcup-Leader Bode Miller im Slalom ausschied, verkürzte Raich den Rückstand in der Gesamt-Wertung auf den US-Amerikaner auf 198 Zähler.

Erfüllter Wunsch

"Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel. Ich habe mir schon lange einen Sieg in der Kombination gewünscht", meinte Raich, der seinen 15. Weltcup-Erfolg, den ersten in der Kombination, feierte. Für den 26-Jährigen, bisher 9 Siege im Slalom und 5 im Riesentorlauf, war es der zweite Saisonsieg nach dem Beaver-Creek-Slalom (5. Dezember 2004), für die ÖSV-Herren der insgesamt siebente im WM-Winter. Die klassische Abfahrt am Samstag wird Raich jedoch mit hoher Wahrscheinlicht auf Grund der hohen Belastungen in den kommenden (WM-)Wochen auslassen.

Raich stellte einmal mehr seinen Ruf als Wengen-Spezialist unter Beweis. Für den ÖSV-Allrounder war es nämlich der bereits vierte Sieg auf dem Lauberhorn nach den Slalom-Triumphen 1999, 2001 und 2004. Damit avancierte Raich gemeinsam mit Franz Klammer zum erfolgreichsten ÖSV-Athleten in Wengen der Weltcup-Geschichte. Klammer hatte 1975, 1976 und 1977 die Abfahrt und 1976 die Kombination gewonnen und somit ebenfalls vier Wengen-Siege gefeiert.

Pum: "Ein Vorbild"

ÖSV-Alpinchef Hans Pum war voll des Lobes über seinen Musterschüler. "Benni hat bewiesen, welch Ausnahmeathlet er ist. Innerhalb der Mannschaft ist er punkto Einstellung und Skitechnik ein Vorbild. Er ist eine unserer Leitfiguren." Der Gesamt-Weltcup ist für Raich aber (noch) kein Thema. "Damit beschäftige ich mich weiterhin nicht. Den Gesamt-Weltcup gewinnt man nicht mit einem Rennen, auch mit diesem nicht", so der Pitztaler.

Mit Christoph Gruber (7.) und Hermann Maier (9.) landeten zwei weitere ÖSV-Starter in den Top-Ten, Mario Scheiber wurde 15.. Michael Walchhofer, Schnellster in der Kombi-Abfahrt und heißer Sieganwärter am Samstag, belegte Rang 25, blieb jedoch ohne Weltcup-Zähler. Grund dafür war ein Ausrutscher im Slalom, der ihn nach Zurücksteigen mehr als 27 Sekunden kostete. Damit fiel der Abfahrts-Weltmeister, der in der Abfahrt mit 155 km/h den Topspeed verzeichnete, aus der 108-Prozent-Regel, die entscheidend für die Punktevergabe ist.

"Ein toller Bewerb, das zeigen auch die knappen Abstände. Jetzt haben die Abfahrer eine faire Chance", meinte der zweitbeste ÖSV-Läufer Gruber, der im Gegensatz zu Maier zufrieden war. "Ich hatte zu wenig Griff auf den Kanten. Der Ski ist ausgebrannt, das ist ein Zeichen dafür, dass man etwas ändern muss", meinte der "Herminator" nach der Abfahrt. Seinen passablen Slalom-Versuch bezeichnete Maier als "lustig".

Miller ausgeschieden - zu wenig Risiko?

Weltcup-Leader Miller fädelte im Slalom ein. "Ich habe das gar nicht gemerkt und erst im Fernsehen gesehen. Ich bin enttäuscht, denn ich wollte unbedingt durchkommen. Da sieht man wieder, dass man nicht auf Sicherheit fahren soll."

In Wengen wurde ein neues Zeitalter der Kombi eingeläutet, um 9:30 Uhr stand ein Slalom-Durchgang und um 13:00 Uhr eine Abfahrt auf dem Programm. Mit dem Novum - nur ein Slalom-Durchgang, beide Bewerbe an einem Tag - soll dem zuletzt ins Abseits gerutschten Traditionsbewerb wieder auf die Sprünge geholfen werden.

Wohlwollen für neuen Bewerb

Die Reaktionen auf die neue Kombi - bei der WM wird jedoch weiter mit zwei Slalom-Durchgängen gefahren - waren größtenteils positiv. Auch die von Hans Pum. "Dieser Bewerb gefällt mir sehr gut, weil viele Faktoren wie die Taktik oder das schnelle Umstellen auf die Ski mitspielen. Die Speed-Fahrer haben jetzt eindeutig eine größere Chance. Das könnte ein wirklich interessanter Bewerb werden."

Kleinere Korrekturen hält aber auch Pum für notwendig, vor allem die kuriosen Szenen der zurücksteigenden Läufer im Slalom sollen mit umgedrehtem Ablauf (zuerst Abfahrt) der Vergangenheit angehören. Punkto WM-Aufstellung wollte sich Pum noch nicht in die Karten blicken lassen: "Es stehen noch einige schwierige Rennen auf dem Programm."(APA)

Ergebnisse Super-Kombi Wengen:

  • Endstand

  • Abfahrt:

      1.  Michael Walchhofer (AUT)  1:43,02
      2.  Christoph Gruber (AUT)      +0,34
      3.  Lasse Kjus (NOR)            +0,49
      4.  Hermann Maier (AUT)         +1,00
      5.  Ambrosi Hoffmann (SUI)      +1,01
      6.  Peter Fill (ITA)            +1,26
      7.  Patrik Järbyn (SWE)         +1,29
      8.  Andrej Jerman (SLO)         +1,42
      9.  Kjetil-Andre Aamodt (NOR)   +1,45
     10.  Mario Scheiber (AUT)        +1,46
     11.  Benjamin Raich (AUT)        +1,70
  • Slalom:

      1.  Benjamin Raich (AUT)        43,65 
      2.  Markus Larsson (SWE)        +0,29
      3.  Pierrick Bourgeat (FRA)     +0,44
      4.  Daniel Albrecht (SUI)       +0,92
      5.  Didier Defago (SUI)         +1,34
      6.  Lasse Kjus (NOR)            +1,53
      7.  Kjetil-Andre Aamodt (NOR)   +2,07
      8.  Lucas Senoner (ITA)         +2,15
      9.  John Kucera (CAN)           +2,80
     10.  Peter Fill (ITA)            +2,84
     weiters:
     12.  Christoph Gruber (AUT)      +3,50
     15.  Hermann Maier (AUT)         +3,98
     19.  Mario Scheiber (AUT)        +5,89
     28.  Hubertus v. Hohenlohe MEX  +15,01
     31.  Michael Walchhofer (AUT)   +27,14
     
    • Benjamin Raich (Mitte) bestätigte sich als Allrounder, Kjus (links) und Defago durften auch auf das Podest.

      Benjamin Raich (Mitte) bestätigte sich als Allrounder, Kjus (links) und Defago durften auch auf das Podest.

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Der Norweger Solbakken blieb bei einem Sturz im Finish unverletzt.

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