Die heile Welt über den Pisten

26. März 2007, 14:04
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Wanderungen in bekannten Skigebieten sind mitunter etwas problematisch, weil die vielen Eingriffe für optimale Pistenverhältnisse im Sommer als arge „Wunden“ der Natur zu erkennen sind.

Wenn man mit dem Sessellift zur Bergstation Bichlalm „schwebt“, merkt man kaum, daß in der Wintersaison hier Tausende Skifahrer und Snowboarder zu Tal rasen und gelegentlich den Unfallchirurgen viel Arbeit bescheren. Man „gleitet“ über saftige, blühende Wiesen, auf denen das Vieh weidet, und genießt den Blick auf eine liebliche Landschaft, in der nur die Liftstützen und ein paar Ausstiegsrampen an die hektisch-turbulente Phase in der kalten Jahreszeit erinnern. Und ab der Bergstation des Lifts bewegt man sich überhaupt in einer traumhaften Gegend, die einem idealisierenden Fremdenverkehrsprospekt entnommen sein könnte. Tausende Alpenpflanzen blühen da – Enzian, Almrausch, Arnika – und überziehen die Almen mit einem farbenprächtigen Teppich. Die empfohlene Höhenwanderung von der Bichlalm zum Alpenhaus am Hang des Kitzbüheler Horns ist nicht anstrengend, aber besonders lohnend, genießt man doch eine traumhafte Aussicht über die malerischen Kitzbüheler Alpen mit dem markanten Großen Rettenstein bis zu den weißen Mauern des Wilden Kaisers, zu den Leoganger Steinbergen und zu den firngekrönten Gipfeln der Hohen Tauern sowie der Zillertaler Alpen.

Den kurzen Abstecher zum Hochetzkogel sollte man auf keinen Fall auslassen, denn von der kleinen Gipfelkuppe hat man einen besonders schönen Blick auf Kitzbühel. Erstaunlicherweise ist das Gebiet verhältnismäßig wenig überlaufen, erst wenn man sich dem Alpenhaus nähert, beginnt der Trubel, der auf dem gesamten – bestens erschlossenen – Kitzbüheler Horn beträchtliche Ausmaße annehmen kann.

Die Bichlalm-Bahn bringt einen zur Höhe. Das erste Stück des Anstiegs ist relativ steil, bald aber erreicht man einen Sattel, von dem man nach links über einen Rücken den Gipfel des Hochetzkogels „erklimmt“. Gehzeit ab Bergstation eine halbe Stunde.

Nun zurück in den Sattel und weiter auf der roten Markierung leicht bergab in einer längeren Querung zur Lämmerbichlalm, die in der Saison bewirtschaftet ist. Ab dem Hochetzkogel braucht man eine halbe Stunde.

Bei der kleinen Kapelle, die den Heiligen Sylvester und Leonhard geweiht ist, hält man sich etwas links und steigt bis zum Güterweg auf der Pfeiferalm ab. Man verläßt den Güterweg dann nach rechts. Der schmale Steig führt im Hang zügig bergauf, ist aber nicht besonders anstrengend, dafür aber besonders abwechslungs- und aussichtsreich. Schließlich erreicht man einen Sattel, von dem man in einem kurzen Abstieg zum Alpenhaus gelangt. Gehzeit ab Lämmerbichlalm 1¾ bis 2 Stunden.

Wer es bei der Höhenwanderung bewenden lassen möchte, kann nun mit der Seilbahn ins Tal fahren. Zu Fuß braucht man auf dem relativ steilen Weg etwa eine Dreiviertelstunde bis zur Seilbahn-Mittelstation auf der Pletzeralm und eine weitere Stunde bis ins Tal.

Gesamtgehzeit 3 Stunden bis zum Alpenhaus, 4¾ Stunden bis ins Tal; Höhendifferenz bergauf etwa 200 m, bis ins Tal bergab 900 m. Almwirtschaft auf der Lämmerbichlalm, Alpenhaus als Stützpunkte.

Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 122 (Kitzbühel)

Von Bernd Orfer
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