Gerd Bacher im STANDARD-Interview

27. Dezember 2005, 16:39
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STANDARD: Wenn Sie an 50 Jahre Fernsehen denken, was fällt Ihnen als Zweites ein?

Bacher: Dass Fernsehen von allen Massenmedien am anfälligsten für Schund ist. Wenn man die Werbung als eigenes Medium zählt, so hält freilich diese den Negativrekord.

STANDARD: Ich nehme an, als Erstes fällt Ihnen zum Thema Gerd Bacher ein. Wenn mich jemand nach 50 Jahre Fernsehen fragt, denke ich aber auch an Sendungen. An die "ZiB", an "Kottan", vielleicht an "Wünsch Dir was", vielleicht an "Club 2", vielleicht "Ein echter Wiener geht nicht unter", "Stadtgespräche" oder gar "Starmania".

Bacher: Da denke ich an die großen Leute der ersten Stunde wie Zilk, Lenhardt, Dalma, Portisch, Kreuzer, Mauthe, Corti, Knöbl, Meisel, Jeschko, Neuberg, usw. Die vielen, die es noch verdienten, hier genannt zu werden, mögen mir meine Unterlassung verzeihen.

STANDARD: Sie haben sich als fanatischer Anhänger der schriftlichen Kultur bezeichnet. Da könnte es Sie freuen, dass ein eher schriftliches Medium wie das Internet dem Fernsehen langsam, aber stetig, Konkurrenz macht.

Bacher: Richtig, ich komme von den Printmedien und bin bis zum heutigen Tag erstens ein Leser geblieben. Wenn Sie mich fragen, welches Medium mir das liebste ist: die FAZ und andere große europäische Zeitungen. Als Hauptauftrag der Rundfunkreform 1967 erschienen uns Information im weitesten Sinn und Kultur.

STANDARD: "Elektronische Volkshochschule"?

Bacher: Man kann über dieses Sendungsbewusstsein natürlich auch lächeln. Aber mir sind in Österreich nur zwei derartige Kulturbemühungen untergekommen: Die alte Bildungssozialdemokratie und der ORF vor allem in den ersten Jahren nach 1967. Aber beide sind davon weit entfernt: die heutige Sozialdemokratie von den großartigen Bildungssozis der ersten Republik, der ORF von seinem ehrgeizigen Ziel, kultureller Mittelpunkt der Republik zu sein.

STANDARD: Laut ORF-Programmplaner und Bacher-Kenner Wolfgang Lorenz sehen Sie im Fernsehen am liebsten gescheite Leute Gescheites reden. Ist das noch zeitgemäß?

Bacher: Der gescheite Mensch gehört für mich noch immer zum spannendsten, was die Welt zu liefern hat. Wenn 50.000 oder 100.000 Leute zugesehen und gehört haben, bedeutet mir das mehr, als das erfolgreichste Soletti-Programm.

STANDARD: Peter Huemer sagt: Ein ORF, der streng öffentlich-rechtlich ist und über fast kein Publikum verfügt, hat eher seine Existenzberechtigung als ein ORF, den eine breite Zuschauermasse sieht, aber der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag vollständig aufgegeben hat.

Bacher: Perfekt.

STANARD: Peter Huemer führte lange Jahre den Club 2. Ist es schade um dieses Format? Diskutieren, vielleicht sogar gescheit diskutieren, spätabends mit offenem Ende.

Bacher: Es ist schade drum. Aber der Club 2 starb auch am Umstand, dass es in Österreich wahnsinnig schwer ist, eine gescheite Talkshow zu machen. Österreich ist ein verbal schwer behindertes Land. Und dann sitzen immer dieselben Leute auf den berühmten Lederfauteuils. Solche Diskussionsrunden haben sich überholt. Dann lieber Zweierinterviews wie sie z.B. Sandra Maischberger führt. Das ist ungleich ergiebiger als drei Parteisekretäre und zwei weitere Gäste, die auch nichts Erhebliches wissen.

STANDARD: Kommt dazu nicht auch Gesprächsverweigerung der Politik – oder Proporzforderung?

Bacher: Die Hauptursache beim Club 2 war nicht der Einfluss von außen. Natürlich gab es gezielte Interventionen, aber die waren dem Huemer völlig wurscht und mir auch fast völlig.

STANDARD: Einmal nannten Sie das Traummännlein als Lieblingssendung, ein ander Mal den Werbefunk.

Bacher: Werbefunk kann nur vom Klingelbeutel her zu verstehen gewesen sein. Ich halte Werbung für das banalste aller Medien. Sie ist der Hauptgrund für die Trivialisierung. Heute ist sie so dominant, dass viele Sender nur noch die Zwischenräume zwischen der Werbung produzieren und das dann „Programm“ nennen.

STANDARD: Sie haben Werbung als "Selbstmordphilosophie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks" bezeichnet.

Bacher: Das unterschreibe ich noch immer. Ich wäre dafür, dass der ORF überhaupt oder fast keine Werbung mehr hätte, und dafür die gesamten Rundfunkgebühren bekäme. Er bekommt derzeit nur zwei Drittel, der Rest geht an Bund und Länder. Die Quote um jeden Preis ist der natürliche Feind des Anspruchsvollen. Was dabei herauskommt, heißt "Primetime". Meine Heimat Salzburg hat sich gerade die größte Unverschämtheit geleistet. Die Landesregierung erhöhte den Landesfernsehschilling und finanziert damit das Landeskrankenhaus. Wenn man einem Kulturmedium schon Geld wegnimmt, dann müsste es wenigstens zur Finanzierung von Kultur verwendet werden.

STANDARD: Stichwort Länder: Sie haben sich im Frühjahr wieder einmal ausgesprochen, Landesregierungen, Landtage zusammenzulegen. Das müsste dann doch auch für die Landesstudios des ORF gelten.

Bacher: Diese Republik ist viel zu teuer. Österreich braucht keinen Bundedspräsidenten, so gut der jetzige auch ist, Landesregierungen und Landtage könnten auch stark verkleinert werden, usw, usw. Das meiste Wichtige geschieht sowieso in Brüssel. Es müsste möglich sein, diesen teuren Föderalismus in seinem Kern zu erhalten, aber seine Luxusveranstaltungen einzusparen. Die Landesstudios sollte man nicht schleifen. Aber sie müssten viel mehr gemeinsam machen. Und um sie mitzufinanzieren, sollten auch Privatsender dort gegen Entgelt produzieren.

STANDARD: Zu ihrem Vorschlag: Möglichst wenig Werbung, mehr Gebühren. Könnte man damit den ORF in heutiger Größe finanzieren?

Bacher: Gäbe man die in anderen Ländern unbekannten Aufschläge von Bund und Ländern dem ORF, gälte man dem ORF die von der Republik großmütig erteilten Befreiungen ab, wie das beim Telefon der Fall ist, so wäre der ORF mit einem Bruchteil der heutigen Werbung zu finanzieren. Das duale System hat ja nur einen Sinn, wenn die Privaten, was sie ohnehin so gerne tun, ihrem Werbezweck nachkommen, und die öffentlich-rechtlichen Programme das machen, was sie bis zur Gründung der Privaten taten.

STANDARD: Stichwort öffentlich-rechtlich: Was ist öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen?

Bacher: Kennzeichen des öffentlich-rechtlichen ist der Qualitätsanspruch. Ganz egal, ob in Information, Kultur, Sport, Unterhaltung. Dieser Anspruch ist aufgegeben worden.

STANDARD: Sie haben 1994 erstmals freiwillig ihren Platz geräumt. Ich hatte damals den Eindruck, dass Sie den ORF bei Gerhard Zeiler in guten Händen glaubten. Haben Sie sich in Zeiler getäuscht?

Bacher: Ich habe mich in Zeiler getäuscht. Aber er hat mich nicht getäuscht. Das ist ein erstklassiger Mann. Aber ich wusste nicht, wie sehr er allein kommerzielles Fernsehen im Auge hat. Natürlich hat niemand die öffentlich-rechtliche Abrüstung mehr betrieben als Gerhard Zeiler. Die meisten öffentlich-rechtlichen Sündenfälle sind damals passiert. STANDARD: Der ORF fährt noch immer auf Zeiler-Kurs, vielleicht ein bisschen abgemildert, aber Zeiler-Kurs.

Bacher: Keine Frage, nur weniger professionell.

STANDARD: Zeiler hat gesagt, der ORF war immer öffentlich-rechtlich und privat.

Bacher: Das ist oberflächlich richtig. Aber früher war der ORF mehrheitlich öffentlich-rechtlich und nicht umgekehrt. Das beginnt ja schon bei seinem öffentlichen Auftritt: Bei der Graphik, der Programm-Promotion, den Lilioms in der Programmansage, der Sprach- und Sprechverwahrlosung.

STANDARD: Der ORF war aber auch eine Art Brutstätte des deutschen Privatfernsehens. Gerhard Zeiler kam aus dem ORF, als er zu Tele 5 und RTL 2 ging, und ebenso, als er 1998 RTL-Chef wurde, inzwischen führt er die europäische RTL-Holding. Aber auch Jürgen Doetz, der erste und längstdienende Geschäftsführer von Sat.1, durfte ein halbes Jahr vor dessen Start in Ihrem ORF lernen. Georg Kofler, heute Premiere-Chef, war bei Ihnen im Generalsbüro, bevor er Pro Sieben aufbaute.

Bacher: Brutstätte würde ich das nicht nennen. Wir haben die Genietruppe geliefert. Es freut mich sehr, dass einer unserer Besten, Gerhard Zeiler, der größte Fernsehmacher Europas ist. Dasselbe gilt für Kofler. Der kann überhaupt alles, was er können will.

STANDARD: Derzeit kann er auch seinen früheren Arbeitgeber nerven: Die Bundesliga hat er dem ORF weggekauft, die Skirechte des ORF will er in Brüssel einklagen.

Bacher: Die großen Sportereignisse müssen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sein. In Österreich verfügt nur der ORF über die technische Reichweite, um wirklich im ganzen Land empfangbar zu sein. Ein Pay-TV kann aus solchen Rechten möglicherweise große Marketingerfolge erzielen. Aber Generalversorger einer Großregion wie Österreich kann er nie werden. Ich halte bekanntlich von Sportchef Elmar Oberhauser sehr viel. Dem trau ich auch zu, dass er die Anstalt führen könnte. Aber hier ist ihm sein erster schwerer Fehler unterlaufen. Den noch größeren Fehler beging der ÖFB. Wenn Sie eine normale Marktforschung anstellen, wer ATV und Premiere schaut, und wie hoch die Einschaltziffern des ORF waren, wissen Sie warum. Als ORF-Mann hätte ich wahrscheinlich gesagt: Ich kann nicht soviel zahlen wie Herr Kofler, aber ich zahle wesentlich mehr als jetzt. Mindestens gleich arg oder noch ärger wäre, den Nationalsport Skifahren zu verlieren.

STANDARD: Das heißt, es gibt das Grundrecht auf Sport?

Bacher: Es gibt in Österreich das Grundrecht auf Fußball und Skifahren. Das ist in jedem Land anders.

STANDARD: Sie haben Oberhauser für generalstauglich erklärt. Haben Sie weitere Kandidaten?

Bacher: Natürlich Wolfgang Lorenz.

STANDARD: Derzeit oberster Programmplaner im ORF. Und TV-Chefredakteur Werner Mück?

Bacher: Mück gehört sicher zu den Großprofis des Hauses. Er ist, offen gestanden, viel besser noch als ich ihm zugetraut habe. Aber potenzielle Generaldirektoren gibt es für mich zwei im Haus: Erstens Wolfgang Lorenz, zweitens Elmar Oberhauser. (Apropos "oberster Programmplaner Lorenz": Das mag auf seinem Dienstzettel stehen, dieses Programm trägt nicht seine Handschrift).

STANDARD: Die amtierende Generaldirektorin Monika Lindner kommt da nicht vor?

Bacher: Ich halte die beiden für die potenziell Besten.

STANDARD: 2005 wird das Fernsehen in Österreich 50. Schon 2004 gab es ein – vielleicht nicht minder bedeutsames – rundes Jubiläum: 40 Jahre Rundfunkvolksbegehren. Wäre es nicht an der Zeit für ein neues Volksbegehren?

Bacher: Hauptanlass des Volksbegehrens war die Versklavung des Rundfunks durch die große Koalition. So weit ist es heute noch nicht. Aber es reicht, was sich die Politik dem ORF gegenüber anmaßt, die Opposition wie die Regierung! Das war im Reformrundfunk von 1967-1974 abgeschafft. Mit Kreiskys Gegenreform versuchte man die alten Zustände wiedereinzuführen: Politisierung und riesige Vergrößerung des Aufsichtsrates, Entmachtung des Generalintendanten, unfunktionelle Doppelbesetzungen. Davon hat sich der ORF bis heute nicht erholt. Das neue Gesetz von 2001 sollte die Unabhängigkeit der Anstalt und den öffentlich-rechtlichen Charakter des Programms wieder herstellen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass dieses Gesetz tauglich ist, aber es wird nicht befolgt.

STANDARD: Ich könnte Ihnen dafür eine Erklärung bieten: Es ging um politische Macht im ORF, eine Umfärbung, aber nicht um einen qualitätvolleren ORF.

Bacher: So steht das nicht im Gesetz. Wenn es so ist, so halten sich Geschäftsführung und Stiftungsrat nicht an seine Absichten.

STANDARD: Kreisky haben Sie nachgesagt, er habe den ORF als "Klimaanlage für die Regierung" verstanden. Gilt das nicht heute genauso?

Bacher: Sie scheinen den jahrelangen Rundfunkkrieg, den "ORF-Kannibalismus", den Kreisky führte, vergessen zu haben. Oder die "Standleitung", die zu gewissen Zeiten zwischen der Löwelstraße und dem Küniglberg existierte. Wie es ja überhaupt bemerkenswert ist, dass österreichische Journalisten gerne und sofort unruhig werden, wenn closed shops der SPÖ angetastet werden. Oder sehen Sie in den Radiojournalen irgendwo Regierungsfreundlichkeit?

STANDARD: Wenn dem so ist, gleicht das die TV-Information unter Werner Mück aber zumindest aus.

Bacher: Die politische Kopfjägerei auf Fernsehchefredakteure hat leider Tradition. Für die jeweilige Opposition arbeiten sie im Dienste des politischen Gegners. So als ob es nicht selbstverständlich wäre, dass ein Bundeskanzler mehr als seine Opponenten vorkommt, weil er nun einmal der wichtigste Politiker im Staate ist. Außerdem: Die gekonnten Regierungsunfreundlichkeiten von Armin Wolf in der ZiB 2 stören Sie hoffentlich nicht? Und bei Mücks Kommentaren hätte ich gern einen neutralen Analytiker, wo da die Schlagseite liegt.

NEU>STANDARD: Offenbar eine Frage der Wahrnehmung. Nehmen wir Armin Wolf: Der wird als Moderator der "ZiB 2" von einem vorbereiteten Interview mit dem Kanzler überrascht, damit sich der nicht von Wolf befragen lassen muss. Nehmen wir die Berichterstattung über die durchaus interessanten Steuerfragen des Finanzministers: Auf die musste man jedenfalls in den meistgesehenen ORF-Nachrichten lange warten.

Bacher: Kampagnenjournalismus ist nach dem Rundfunkgesetz verboten. Zum lächerlichsten und provinziellsten an österreichischen Medien zählt die Praxis, von einem Thema nicht mehr herunterzusteigen. Zuletzt konnte ich zum BeispielB. vom "Bundesheerfolterskandal" schon nichts mehr hören. Die Herrn Redakteure sollten sich mehr um Semantik kümmern.

STANDARD: Wie wäre es dann mit einem Volksbegehren, um den ORF wieder in öffentlich-rechtlichere Bahnen zu lenken? Vielleicht schwierig zu verkaufen, dass Dismissed & Co nicht dazu gehören, aber ...

Bacher: Ich wüsste niemanden, der die Stärke und den Willen hätte, ein solches zu initiieren. Die Zeitungen, die das erste Volksbegehren seinerzeit so großartig organisierten, sind untereinander zerstritten und auch nicht bereit, der elektronischen Konkurrenz zu nützen. Außerdem sehe ich im Unterschied zu Bundeskanzler Klaus damals heute niemanden, der ein unabhängiges Volksbegehren unterstützte.

STANDARD: Sie selbst sollen schon über Komitees von Intellektuellen, Künstlern sinniert haben.

Bacher: Als 1974 zahlreiche Linksintellektuelle gegen meine Absetzung in einem Offenen Brief an Kreisky protestierten, war ihm das völlig wurscht. Sollte sich das politische Sensorium geändert haben?

STANDARD: Blenden wir noch einmal zurück ins Jahr 1967. In Ihrer Antrittspressekonferenz sagten Sie, von der Kultur sei im ORF nur die Rede wie von einem lieben Verstorbenen, statt sie zu erregendem Leben zu erwecken. Der Rundfunk soll jedem etwas bieten, sei eine Pauschalausrede für die Nivellierung nach unten: Nicht nur der Dumme hat Anspruch auf Berücksichtigung. Schon damals kamen gesponserte Sendungen vor, bei denen die Unabhängigkeit Vorrang haben müsse vor zusätzlichen Einnahmen. Es kommt schon damals die Freie Betriebsvereinbarung vor, der ORF-Arbeitsvertrag mit gepflegten Privilegien. Bacher damals dazu: "leistungsfeindlich, bürokratisch, wir sind kein Amt, wir sind ein Unternehmen..."

Bacher: Die Freie Betriebsvereinbarung halte ich nach wie vor für die unheilbarste Krankheit des ORF. Damit kann man ein Haus nicht rationell führen.

STANDARD: Inzwischen gibt es auch im ORF einen Kollektivvertrag für nachrückende Mitarbeiter. Mit der jüngsten Fassung dieses Kollektivvertrags wurden zu Jahresbeginn 2004 rund 1200 freie Mitarbeiter angestellt – trotz wirtschaftlich schwieriger Perspektiven. Weitere sollen folgen, ebenfalls auf Betreiben des Betriebsrats. Die BBC baut gerade ein Zehntel ihrer Mitarbeiter ab, Gerüchte gibt es dort bis zu einem Drittel weniger Jobs.

Bacher: Ich halte diese Anstellungswelle im ORF für einen Irrsinn. Der Stiftungsrat hätte das nie gestatten dürfen. Der ORF braucht nicht mehr, sondern weniger Angestellte, dafür längere Arbeitszeiten und kürzere Urlaube.

STANDARD: Lassen Sie mich noch zwei Zitate von 1967 ergänzen: Die Bürger sollen durch den ORF mündiger werden, ihre Lebensfragen – wie Politik und Wirtschaft – dürfe der ORF nicht mehr „vernebeln“. Das Parteibuch verliere seinen Anspruch als karriereförderndes Wertpapier. Und Sie haben gesagt, man müsse "gegen die Verprovinzialisierung ankämpfen". Die Forderungen sind noch immer aktuell.

Bacher: Sie sind aktuell. Aber ich möchte für mich in Anspruch nehmen, dass sie wieder so aktuell geworden sind. Das würde ich alles nach wie vor unterschreiben, jedenfalls als Sofortprogramm.

STANDARD: 2005 ist noch ein Jubiläum fällig: Das Fernsehen wird 50 und Gerd Bacher 80. Was wünschen Sie sich denn vom Fernsehen?

Bacher: Ganz einfach. Die Befolgung des jetzigen Rundfunkgesetzes.

STANDARD: Womit Sie dem ORF Gesetzesbruch vorwerfen.

Bacher: Ist das neu?

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