Fragwürdige Apple-Klage gegen Insider-Website

23. Februar 2005, 18:40
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Schutz von Firmengeheimnissen contra Meinungs- und Pressefreiheit - Kritik an Vorgehensweise

Die Klage des Computerherstellers Apple gegen die Fan- und Insider-Website Think Secret wird von Medien- und IT-Experten in den USA mit Spannung verfolgt. Die Website hat immer wieder über neueste Produktveröffentlichungen von Apple berichtet, die sich dann als im Wesentlichen richtig herausgestellt haben. Dadurch ist die Website nicht nur zu einem Forum für Apple-Fans geworden, sondern auch zu einer beachteten Anlaufstelle für Analysten und andere Medien. Wie das IT-Portal Cnet berichtet, wirft die Klage jedoch die Frage auf, welches Recht höher steht: Der Schutz von Firmengeheimnissen oder die Meinungs- und Pressefreiheit.

Mutmaßungen

Die Klage gegen Think Secret hat zutage gefördert, dass hinter dem Pseudonym des Herausgebers und Chefredakteurs der Website, Nick dePlume, der 19-jährige Harvard-Student Nicholas Ciarelli steckt, berichtet das Wall Street Journal (WSJ) am Freitag. Das überrascht Kenner der Website, die hinter dem Pseudonym einen alten Fuchs und Insider der IT-Branche vermutet hätten und bestätigt Apple. Das Unternehmen vermutet, dass Ciarelli seine Informationen direkt von einem unternehmensnahen Insider erhält. Aus dieser Sicht wäre er also eine Art "Strohmann", über den Firmengeheimnisse ausgeplaudert werden. Und Apple ist bekannt dafür, großen Wert auf seine Geheimnisse zu legen.

Ablauf

"Meine Arbeitsweise ist dieselbe, wie die aller Journalisten. Ich spreche mit Quellen, bestätige Details, folge Tipps und Hinweisen, die ich bekomme", meint Ciarelli zum WSJ. Auch der Medienexperte Paul Grabowetz von der Graduate School of Journalism der University of California in Berkley sieht eine schiefe Optik in der Klage. "Wenn sie der Meinung sind, es gibt ein internes Leck, sollten sie das direkt verfolgen", so Grabowetz. Die Klage von Apple gegen Think Secret füge sich in den "beunruhigenden Trend", dass Unternehmen oder Regierungsstellen Medien klagen, um ein Informationsleck zu schließen und Journalisten zwingen ihre Quellen bekannt zu geben.

Problematisch

Der Nachweis, dass Think Secret Firmengeheimnisse und geistiges Eigentum von Apple verletzt habe, wird schwierig werden, meint der Rechtsexperte Robert E. Camors zum WSJ. Firmengeheimnisse sind üblicherweise mit exakten und detaillierten Produktplänen verbunden und nicht nur mit Informationen zur Markteinführung. Zudem könne kein Konkurrent von Apple aus der Veröffentlichung eines Gerüchts einige Wochen vor der Markteinführung einen Vorteil ziehen. Grabowetz sieht die Öffentlichkeit als den Verlierer derartiger Klagen. Aber auch der Ruf von Apple werde nicht gerade gefördert, wenn das Unternehmen Websites klagt, die von der lebendigen Fangemeinde des Computerherstellers betrieben werden. (pte)

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