Siemens bewirbt sich als Mautkassier

3. Februar 2005, 14:40
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Mautprojekt in Seattle als Referenz für satellitengestützte Mautsysteme in Europa

Wien - Das Wettrennen um Mautaufträge in Europa kann beginnen. Den Anfang macht Tschechien, wo die Ausschreibung für ein System zur Einhebung einer fahrleistungsabhängigen Straßenbenützungsabgabe (Roadpricing) demnächst erwartet wird. Die Slowakei und Großbritannien sollten noch heuer folgen. Um bei derartigen Großprojekten - allein das britische Projekt bringt 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro auf die Waage - mitmischen zu können, bringen sich die internationalen Konzerne bereits in Stellung, Konsortien bilden sich.

Technikmatch

So gut wie fix ist bis jetzt nur, dass es ein Technikmatch wird: satellitengestütztes System auf GSM-Basis wie in Deutschland versus Mikrowellensystem wie in Österreich. Siemens, die bei der Vergabe in Österreich gegen Autostrade und Kapsch unterlag, kann mittlerweile mit einem in Seattle laufenden Pilotprojekt aufwarten, das ohne Signalbrücken auskommt und daher auch für die Bemautung von Stadtzentren sowie die Steuerung von Verkehrsströmen je nach Volumen und Uhrzeit tauglich ist.

Um das zu schaffen, habe Siemens seine Telematik-Anstrengungen deutlich intensiviert: Das Geschäftsvolumen des in der Österreich-Tochter gebündelten Telematikbereiches, der neben dem Mautsystem noch weitere Verkehrslösungen umfasst, belief sich 2004 auf 40 Mio. Euro und machte damit rund ein Prozent des Österreich-Umsatzes.

Ederer optimistisch

Die im Siemens-Vorstand für das Industriegeschäft zuständige Brigitte Ederer erwartet eine Verdoppelung binnen zwei Jahren. "Wenn wir den britischen Auftrag bekommen, wäre es mit einem Schlag das Zehnfache", gibt sich Ederer hoffnungsfroh.

Mauteinheben ist aber nicht das Einzige, womit Siemens punkten will: Erst im Dezember bekam der Elektromulti von der Gemeinde Wien die Erneuerung eines Verkehrsrechners im Volumen von zehn Millionen Euro überantwortet, bei der Asfinag-Verkehrsleitzentrale in Inzersdorf ist ebenfalls Siemens drin. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2005)

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