Ein Kleiner unter den Großen

20. Oktober 2005, 15:44
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Der rund 40 km lange Höhenzug des Rätikon, der die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz bzw. Liechtenstein bildet, weist über dreißig Gipfel auf, die höher als 2500 m sind.

Dementsprechend groß sind im allgemeinen auch die Höhenunterschiede, die man bei der Besteigung einer dieser Erhebungen zu bewältigen hat. Nimmt man jedoch eine der für die Skifahrer errichteten Aufstiegshilfen in Anspruch, reduzieren sich die Anstrengungen ganz beträchtlich.

Wie zum Beispiel beim Riedkopf westlich von Gargellen, der mit einer Höhe von 2552 m zu den Kleinen unter den Großen zählt. Mit der zweistufigen Schafbergbahn erreicht man mühelos eine Höhe von rund 2100 m, wodurch diese Bergtour nicht nur für jene zu empfehlen ist, die über besonders gute Kondition verfügen. Der Abstieg läßt sich – je nach Lust und Ausdauer – dosieren, weil die Route an der Mittelstation der Bahn vorbeiführt, wo man abbrechen kann.

Hart an der Grenze...

Die Landschaft, in der man sich bewegt, ist großartig. Auf dem Schafbergplateau dominiert die mächtige, sagenumwobene Madrisa, die sich allerdings dem normalen Bergwanderer verschließt. Sobald man beim Antönier Joch den Hauptkamm und die Grenze zur Schweiz erreicht hat, überblickt man die grandiosen Felsabbrüche des Rätikon bis Sulzfluh und Schesaplana. Nicht weniger beeindruckend die Rundsicht vom Gipfel des Berges, welche einen Teil der Schweizer Alpen und die Silvretta einschließt.

Bei der Bergfahrt mag man sich über die massiven Eingriffe ärgern, die den Skifahrern zuliebe vorgenommen wurden, erkennt aber dann doch die wirtschaftliche Notwendigkeit. Sobald man den Bereich der Pisten verlassen hat, ist die Bergwelt noch in Ordnung. Da blüht und grünt es, daß einem warm ums Herz wird. Der Gargellener Alptobel ist besonders schön. Beim Abstieg über den Täscher kann man Murmeltiere beobachten, die dort wenig Scheu vor den Menschen zeigen.

Da man ein kurzes Stück auch auf Schweizer Gebiet ausweichen muß, sollte man einen Ausweis im Gepäck haben.

Man fährt von Gargellen mit der Sesselbahn bis zur Bergstation und wandert auf der roten Markierung ein Stück bergan. Nach kurzem Abstieg verläßt man die Skipiste nach links und gelangt eher gemütlich – im letzten Teil etwas steil – zum Antönier Joch, wo eine alte Zollhütte steht. Gehzeit ab Bergstation etwa 1¼ Stunden.

...zur Schweiz

Am Kamm hält man sich rechts und wandert, hie und da leicht auf Schweizer Territorium ausweichend, in einer knappen Dreiviertelstunde zum Riedkopf.

Dann geht es ein Stück auf der Anstiegsroute zurück, bald zweigt man nach links auf die rote Markierung ab, die über den Täscher in den Gargellener Alptobel und zur Mittelstation der Bahn führt. Gehzeit ab Gipfel etwa 1½ Stunden.

Für den weiteren Abstieg ins Tal braucht man eine knappe Dreiviertelstunde.

Gesamtgehzeit 4¼ bzw. 3½ Stunden; Höhendifferenz im Aufstieg rund 500 m, im Abstieg 800 bzw. 1100 m. Gastwirtschaft bei der Mittelstation als Stützpunkt.

Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 169 (Partenen)

Von Bernd Orfer
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