Der schönste Blick ins Rheintal

20. Oktober 2005, 15:44
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In Beschreibungen des Bregenzer Waldes findet die Hohe Kugel nur wenig Widerhall, sie wird nicht oder nur am Rande erwähnt. Dabei tut man dem Berg unrecht.

Sicherlich, der Mugel zählt mit einer Höhe von 1645 m nicht gerade zu den Riesen des Gebietes, zudem steht er am Rande des Bregenzer Waldes. Gerade das aber macht ihn für eine gemütliche Bergwanderung besonders lohnend.

Die flache Gipfelkuppe liegt wie ein Balkon direkt über dem Rheintal und bietet (an nebelfreien Tagen) eine Aussicht, die ihresgleichen sucht. Der regulierte Rhein mit seinen Altarmen fließt unmittelbar zu Füßen, man überblickt ihn von Liechtenstein bis zur Mündung in den Bodensee. Wenn es klar ist, kann man den Bodensee in seiner gesamten Ausdehnung einschließlich Untersee mit der für ihre Klöster berühmten Insel Reichenau sehen. Ebenfalls in Sichtweite liegen Lindau, Wasserburg, Konstanz, Romannshorn und die Insel Mainau sowie Bregenz mit dem Pfänder.

Und über dem Rheintal thront auf Schweizer Seite der imposante Bergstock des Säntis. Zu sehen sind die Churfirsten, der Höhenzug des Rätikon mit Schesaplana und Brandnergletscher, die bekannten Höhen des Bregenzer Waldes wie Kanisfluh, Hoher Freschen und Widderstein. Bis weit ins Schwäbische hinein schweift der Blick. Die Hohe Kugel ist – ohne Übertreibung – ein Traumberg.

An schönen Tagen geben sich über der Gipfelkuppe Segelflieger und Paragleiter ein Stelldichein, mit den Flugkünsten der Kolkraben können sie es aber nicht aufnehmen. Selbst Mountainbiker sind auf dieser Höhe keine Seltenheit.

Die Anstiege aus dem Rheintal zur Hohen Kugel – in der Bundesamtskarte falsch als „Hohe Kuge“ bezeichnet – erweisen sich als relativ lang und mühsam. Wählt man aber das hochgelegene Ebnit als Ausgangspunkt, ergibt sich eine unbeschwerliche, gemütliche Runde, die obendrein den Vorteil einer beeindruckenden Anfahrt mit Auto oder Bus durch das wildromantische Rappenloch und das Alploch hat. Nicht zuletzt findet man mit der Emser Hütte einen das ganze Jahr über bewirtschafteten Stützpunkt vor („Pfarrers Älpele“ auf dem Fluhereck hat nur in der Saison offen).

Auf dem Fahrweg wandert man von Ebnit – vorbei an „Pfarrers Älpele“ – in einer guten halben Stunde zur Emser Hütte. Dort beginnt ein relativ steiler Anstieg über einen Rücken (einige, nicht notwendige Versicherungen), der beim Kühboden verflacht. Gehzeit bis zum Gipfel 1¼ bis 1½ Stunden.

Auf der roten Markierung steigt man zum Treierpaß ab, hält sich links und wählt den gelb-blau markierten Schneewaldweg, der mit einigen Gegensteigungen zur Schneewaldalpe und zu einer Almstraße führt, auf der man nach links zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Gehzeit ab Hoher Kugel rund 2 Stunden.

Nach längeren Regenfällen muß man beim Abstieg mit mehreren morastigen Abschnitten rechnen. Wer auf saubere Schuhe Wert legt, kehrt besser auf der Anstiegsroute zurück.

Gesamtgehzeit rund vier Stunden, Höhendifferenz etwa 700 m. Emser Hütte durchgehend offen (Montag Ruhetag).

Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 111 (Dornbirn); Freytag-Berndt Bregenzerwald 1:50.000

Von Bernd Orfer
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