Stark in der Schwäche

16. Februar 2005, 13:34
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Anastacia - "Heavy Rotation" im Spartenfernsehen mit ihren Durchhalteparolen für 40-jährige Modernisierungsverlierer

Wenn man davon ausgeht, dass es sich bei einem Popsong um nichts anderes als um in Form gegossene Zeit handelt, deren Eckpfeiler erstens aus Funktion (Angebot) und zweitens aus dazugehöriger Harmonik (Nachfrage) bestehen, dann kann man bei gewissen Produkten schon einmal nachsichtig sein - ohne gleich das Nachsehen zu haben. Musik, das weiß man schon länger, ist immer auch: Trost für die Schwachen und Ermutigung für die Starken. So!

Wie wir gerade am Schaffen der millionenfach für Zimmerfluchten sorgenden, ständig am Limit ihres Könnens gepresst agierenden US-Sängerin Anastacia sehen können, die uns seit mindestens einem Jahr permanent in "Heavy Rotation" im Spartenfernsehen mit ihren Durchhalteparolen für 40-jährige Modernisierungsverlierer um die Ohren geknallt wird, sorgt diesbezüglich auch wieder einmal einzig das übermäßige Angebot für die entsprechende Nachfrage.

Immerhin ist hier nach dem frei gewordenen Posten von Tina Turner eine vom Schicksal mindestens gleichrangig gebeutelte Künstlerin für den Mainstream herangewachsen, in deren Schaffen es nur um eines geht: Das Leben ist böllerhart. Es ist ungerecht. Aber mit Gospelchor und gemäßigtem Forte bei den Gitarren kann man Trost noch in jedem kleinbürgerlichen Verzweiflungsloch finden. (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2005)

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