Mehr Ostsprachen am Frühstücksbuffet

4. Februar 2005, 11:10
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Statt Deutsch wird man in Zukunft verstärkt Ungarisch, Tschechisch und Russisch in den Lobbys heimischer Hotels hören

Galtür - Die Länder Zentral-und Osteuropas haben sich längst zu wichtigen Quellmärkten für die heimische Tourismuswirtschaft entwickelt und werden in ihrer Bedeutung noch kräftig zulegen. Das geht aus einer Erhebung des auf Tourismus spezialisierten deutschen Meinungsforschungsinstituts IPK hervor, die beim Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Galtür präsentiert wurde.

Demnach werden von den Bürgern der EU-Oststaaten bereits heuer rund 27 Mio. Auslandsreisen unternommen - Tendenz stark steigend. Kräftig gestiegen sind auch die Reiseausgaben pro Tag, und zwar von ursprünglich 20 Euro auf inzwischen 50 Euro. Zum Vergleich: Reisende aus Westeuropa geben pro Tag im Durchschnitt 100 Euro aus.

Westeuropa profitiert stark

Von der Reiseaktivität der Bürger der neuen EU-Staaten profitiert in erster Linie Westeuropa, wohin im Vorjahr etwa 56 Prozent der Reisen gingen (Osteuropa: 41 Prozent; Asien/Übersee: drei Prozent). Hauptreiseziele der Osteuropäer in Westeuropa waren Deutschland (35 Prozent) und Italien (15 Prozent). An dritter Stelle kam bereits Österreich (zehn Prozent). Allein aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei zählten österreichische Hoteliers im Vorjahr rund drei Millionen Ankünfte. Damit ist aber das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, sind sich Touristiker einig.

"Die Osteuropäer sind durchwegs wintersport-affin. Österreich hat damit beste Chancen, den Marktanteil bei diesen Gästen zu steigern", sagt Heidi Fritsche vom IPK. Das ist Wasser auf die Mühlen des ÖHV-Präsidentenduos Peter Peer und Sepp Schellhorn. Die Internationalisierung sei voranzutreiben, um die Abhängigkeit vom deutschen Urlaubsgast zu verringern. Dabei sollten insbesondere Märkte bearbeitet werden mit Gästen, "die wir auch in der Nebensaison zu uns bringen können", sagte Peer im STANDARD-Gespräch.

Konkurrenz vor der Haustür

Das treffe auf Russen zu, die zeitversetzt Weihnachten und Silvester feiern und österreichischen Hotels eine gute Auslastung Anfang Jänner bringen könnten. Aber auch Türken sollte Urlaub in Österreich schmackhaft gemacht werden. Peer: "Die wollen ja in die EU, das sollten wir nützen." Durch das laufend besser werdende touristische Angebot in den neuen EU-Ländern erwächst der österreichischen Tourismuswirtschaft aber auch stärkere Konkurrenz vor der Haustür. Gesundheitsreisen und Kuraufenthalte in tschechischen, slowakischen, ungarischen und slowenischen Bädern boomen. - Was zunehmend auch Thermen auf der österreichischen Seite zu spüren bekommen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2005)

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