Ausgebremst

22. Februar 2005, 16:02
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Die Vorgänge rund um die Asfinag sind kein Einzelfall - Kommentar von Luise Ungerboeck

So gern die Österreicher Pizza essen, Chianti trinken und nach Italien auf Urlaub fahren, österreichisch-italienische Abenteuer in der Wirtschaft stehen unter einem deutlich ungünstigeren Stern als jene in der Freizeit. Das zeigt einmal mehr die Partnerschaft bei Österreichs Lkw-Mautsystem. Die hat zwar fabelhaft funktioniert und die dringend notwendigen Einnahmen für den Straßenbau gebracht - allerdings nur, solang sie sich auf die technische Abwicklung und die Abschiebung des wirtschaftlichen Risikos beschränkte.

Übermut

Ab dem Moment, da auf der Straße alles glatt lief, begann es sich zu stauen zwischen dem heimischen Autobahnbauer Asfinag und seinem italienischen Pendant Autostrade. Erleichtert, dass das Roadpricing jährlich mindestens 600 Millionen Euro in die leeren Kassen für den Straßenbau spült, wurden die Österreicher prompt übermütig. Das könne man locker auch allein, so die offensichtlich hinter dem kecken Überholmanöver stehende Überlegung.

Die Italiener wiederum dürften geglaubt haben, dass die finanzmaroden Österreicher ohnehin zu keiner Auslandsexpansion fähig seien und sie daher das Steuer in der Hand behalten könnten. Mit der Hartnäckigkeit der heimischen Industrie, die ebenfalls mitmischen will beim kollektiven Lkw-Maut-Kassieren, hat Autostrade offensichtlich nicht gerechnet. Die Ösis, im Ostgeschäft bekanntlich nicht ungeschickt, sollten nur die Werbetrommel rühren, aber tunlichst nicht mitreden.

Kein Einzelfall

Die Vorgänge rund um die Asfinag sind kein Einzelfall, ähnlich unprofessionell ist es jahrelang bei der Telekom Austria und ihrem Minderheitsaktionär Telecom Italia zugegangen. Auch Telecom Italia wollte die Österreicher ausbremsen - und wurde letztlich selbst ausgebremst. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.1.2005)

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