Porträt: Der ewige Kronprinz wird nun Chef

10. Februar 2005, 12:42
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Katzian folgt Sallmutter - Bundesgeschäftsführer soll im Juni bestellt werden

Wien - Wolfgang Katzian ist am Ziel. Jahrelang für die diversesten Posten in ÖGB, Parlament und Sozialversicherung gehandelt hat der 48-jährige nun tatsächlich einen dicken Fisch an Land gezogen. Er wird - vorbehaltlich der offiziellen Zustimmung der Gremien - im kommenden Juni Nachfolger von Hans Sallmutter als Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft und rückt somit als Vorsitzender der mitgliederstärksten Teilorganisation in die erste Reihe des ÖGB vor.

Katzian, am 28. Oktober 1956 in Stockerau geboren und Vater eines Sohnes, ist quasi ein GPA-Urgestein. Begonnen hat sein beruflicher Werdegang in der Länderbank, wo er in der Devisenabteilung tätig war. Mit 21 trat er dann der GPA-Jugendorganisation bei und wurde gleich ein Jahr später Jugendsekretär der Privatangestellten-Gewerkschaft. Nebenbei verdiente er sich seine Sporen in der FIET, der Internationale Angestelltenorganisation, bei der er es sogar zum Jugendvorsitzenden brachte.

Langjähriger WGKK-Vize

Überhaupt gab es nur wenige Funktionen in der Angestelltengewerkschaft, die Katzian nicht innehatte. Sekretär der Geschäftsführung, Fraktionssekretär-Stellvertreter, Zentralsekretär und zuletzt viereinhalb Jahre Geschäftsführer waren jene Positionen, über die der Aufstieg Katzians erfolgte. Nebenbei schuf sich der künftige GPA-Chef Verdienste in der Sozialversicherung - als langjähriger Obmann-Stellvertreter in der Wiener Gebietskrankenkasse.

In der Pensionsversicherungsanstalt war Katzian als Fraktionsführer der Sozialdemokraten und Kurzzeit-Obmann der PVAng maßgeblich daran beteiligt, dass dem einstigen FPÖ-Sozialsprecher Reinhart Gaugg das Leben so schwer wie möglich gemacht wurde, ehe dieser sich durch eine Alko-Fahrt selbst ins Out schoss. Chef der PVA wurde er trotzdem nicht. Diese Aufgabe wurde dem Metaller Karl Haas übertragen. Auch mit dem angestrebten Nationalrats-Mandat wurde es nichts. Obwohl er von der Listenreihung dran gewesen wäre, kam der Leitende ÖGB-Sekretär Richard Leutner als Nachfolger von Metaller-Chef Rudolf Nürnberger ins Parlament.

Kein leichtes Erbe

Nun aber wurde es für Katzian doch noch etwas mit einem schönen Posten - früher als von manchem gedacht darf er den charismatischen Hans Sallmutter beerben. Eine leichte Aufgabe wird das für Katzian nicht, schließlich tritt er in große Fußstapfen und das Damoklesschwert einer Aufsplitterung oder Wegfusionierung der GPA im Rahmen der Organisationsreform schwebt eigentlich ständig über der Gewerkschaft, ist in der heutigen Arbeitswelt eine reine Angestellten-Gewerkschaft doch fast schon etwas anachronistisch.

Gerade das Organisieren und Mobilisieren zählt aber zu den größten Stärken Katzians in der GPA. Intern gerühmt werden auch seine Kenntnisse in der Sozialversicherung sowie sein antifaschistisches Engagement. Ein kleines Handicap für den künftigen Chef ist, dass er nie in Kollektivvertragsverhandlungen involviert war - und die sind für die GPA ein Kerngeschäft. Zusätzlich hat er mit den Metallern auch kein besseres Verhältnis als sein Vorgänger Sallmutter. Das heißt, der Dauerstreit der beiden Großgewerkschaften dürfte prolongiert werden. (APA)

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    Wolfgang Katzian

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