Herrscher der Andamanen will Königreich wieder aufbauen

16. Februar 2005, 11:34
posten

Das winzige Volk der großen Andamanesen überlebten Flutwelle - Fotografieren der Ureinwohner ist gerichtlich verboten

Port Blair - In der westlichen Kleidung, die Helfer ihm nach der Flutkatastrophe auf den Andamanen und Nikobaren verpassten, fühlt sich König Jirake nicht wohl. Für den Herrscher über das winzige Volk der Großen Andamanesen wird es höchste Zeit, in sein kleines Dschungel-Königreich auf Strait Island zurückzukehren. "Wir fühlen uns wie Gefangene", sagt der 62-Jährige, der zur Stressbehandlung in die Hauptstadt Port Blair gebracht wurde.

Normalerweise trage er Kleidung aus Blättern, jage Schweine und Schildkröten und fange Fisch, berichtet der dunkelhäutige kleingewachsene Mann. Seine 48 Untertanen hatte Jirake vor der Flutwelle in Sicherheit bringen können. Aber die Boote, Hütten und Waffen wurden zerstört. Am meisten ärgert den König jedoch, dass der Whiskyvorrat weggespült wurde. "Pfeile und Bögen können wir neu machen, aber den Whisky müssen wir kaufen", klagt er.

Auch die Königin sehnt sich nach der Heimat: "Wir kehren jetzt zurück zu unserem Land und leben wieder nach unserer Art", sagt Königin Surmai in gebrochenem Hindi, das sie wie ihr Mann von den indischen Behördenvertretern aufgeschnappt hat. Für die 25 Jahre alte Prinzessin Tango ist die westliche Lebensart dagegen nicht fremd. Die dreifache Mutter schaut gern Fernsehen - vor allem bunte, indische "Bollywood"-Filme.

1789 zählte der Stamm noch 10.000 Mitglieder

1789 zählte der Stamm noch 10.000 Mitglieder. Doch die Freundlichkeit der Ureinwohner war zugleich ihr Verderben: Kolonisatoren brachten unbekannte Krankheiten wie Masern, Syphilis und Grippe und verursachten ein Massensterben. 1971 war die Bevölkerungszahl auf 24 geschrumpft, im vergangenen Jahr stieg die Zahl von 41 auf 49. Fotografiert werden dürfen die Großen Andamanesen nicht: Das Oberste Gericht hat es verboten. (APA)

Share if you care.