Arbeiten im 18-Minuten-Takt

19. Mai 2005, 11:19
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Im Werk Magna Steyr in Graz, an dem der G-Klassen-Mercedes montiert wird, muss jeder Handgriff sitzen

Graz - Bei einer Taktzeit von 18 Minuten muss jeder Handgriff sitzen. Wenn nicht, gibt es Verzögerungen in der Produktion, das kostet Geld. Am etwa 200 Meter langen Fließband bei Magna Steyr in Graz, an dem der G-Klassen-Mercedes montiert wird, scheint das jeder zu wissen.

Überall wird hektisch gebohrt und geschraubt. Ist die Zeit abgelaufen, läuft das Fließband weiter, die Arbeit beginnt von Neuem. "Der Druck ist groß, viel Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht", sagt ein Arbeiter.

Getrieben

"Wir sind eben die Getriebenen", sagt Thomas Stoimaier, Chef des Arbeiterbetriebsrats bei Magna Steyr, zur hohen Arbeitsbelastung. Der Stress für die Mitarbeiter sei vor allem hoch, wenn ein neues Produkt, wie etwa ab Juni 2005 ein neuer Chrysler, hergestellt wird. Jeder in der Chrysler-Produktion muss dann die Arbeitsabfolge für drei Fahrzeuge kennen.

Flexibilität wird von den Werksarbeitern auch bei ihrer Zeiteinteilung verlangt, die sich an der Auftragslage orientiert. Die Arbeitszeit der Monteure im Werk wird an die jeweils zu produzierenden Stückzahlen angepasst.

Laut ÖGB führt der hohe Leistungsdruck innerhalb der Autoindustrie dazu, dass nur wenige länger als bis 50 oder 55 arbeiten. "Die Chance das Regelpensionsalter zu erreichen geht gegen null", sagt René Schindler vom ÖGB. Betriebsrat Stoimaier sieht in den flexiblen Arbeitszeiten einen Beitrag der Arbeiter zur Standortsicherung.

Höchststand mit 9500 Beschäftigten

Im Jahr 2004 erreichte Magna Steyr einen Höchststand von rund 9500 Beschäftigten, allen voran stieg der Frauenanteil in der Produktion auf 20 Prozent. Die Diskussionen über Kündigungen bei Opel Deutschland und die Rekordarbeitslosigkeit in Österreich haben aber auch hier Spuren hinterlassen.

"Die Angst um die Arbeitsplätze ist da", sagt Thomas Weber, Zonenleiter am Montagefließband für ein Mercedes-Luxusauto. Seine Kollegen nicken zustimmend.

Was die Politik zur Sicherung der Beschäftigung tun kann? "Wir können nur hoffen, dass die Kunden unsere Autos bestellen", sagt er nach längerem Zögern. (András Szigetvari , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.01.2005)

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