Indizien für die Schließung der Semmelweis-Klinik

3. Mai 2005, 18:57
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Der Standort der Semmelweis-Klinik in Währing dürfte geschlossen werden, nicht vor der Wahl 2006, aber danach

Wien - Das Ende der Semmelweis-Klinik in Währing scheint sicher. Jedenfalls "ist das zu befürchten", meint Professor Werner Grünberger von der Rudolfstiftung. Damit sei auch nicht sicher, ob die "Marke Semmelweis - sanfte Geburt" erhalten bleibt.

Tatsächlich ist der Name dieser Klinik untrennbar mit jenem Denkansatz verbunden, dass Frauen nicht "krank" sind, wenn sie ein Kind erwarten, sondern dass sie sich auf ein Elementarereignis vorbereiten - und das möglichst natürlich, Technik und Apparate nur im Notfall. Man rechne 2004 mit 2700 Geburten in dem Haus, sagt Grünberger.

Gerüchte um die Schließung der Klinik kursieren seit langem. Aus dem Spitalsumfeld ist zu hören "schon Ende des Jahres" oder "Juni 2005". Im Wiener Krankenanstaltenverbund sagt eine Sprecherin, dass man derzeit nicht weiß, was mit der Klinik geschehen wird. Faktum ist, dass sie trotz Beibehaltung des Standorts in der Bastiengasse schon nicht mehr als eigene Klinik, sondern als Department der Rudolfstiftung geführt wird, in der auch Grünberger Abteilungsvorstand ist.

Noch drei Jahre

Wann rechnet Grünberger, dass dort endgültig keine Geburten mehr stattfinden? "Mitte 2007", vorher sei deshalb unrealistisch, weil es keinen Platz gebe, an dem das Konzept der sanften Geburt gleichwertig umgesetzt werden könne. Man kann auch davon ausgehen, dass vor der nächsten Wahl in Wien (regulär 2006) kein Spital geschlossen wird.

Klar ist die politische Vorgabe, die Bürgermeister Michael Häupl und Gesundheitsstadträtin Renate Brauner (beide SP) gemacht haben: "Keine Spitäler auf der grünen Wiese. Das können wir uns nicht mehr leisten."

Auch die Direktoren des Krankenanstaltenverbunds (KAV), der 2001 aus der direkten Stadtverwaltung ausgekoppelt wurde, sind mit dem Ziel angetreten, die Angebote der Gesundheitsversorgung zu konzentrieren, einzelne Fachrichtungen praktizierende Spitäler zu schließen, Infrastruktur und Mitarbeiter in Großspitäler einzugliedern. In den stark wachsenden Bezirken Floridsdorf und Donaustadt wird die medizinische Versorgung hochgezogen, diesseits der Donau zurückgefahren.

KAV braucht Geld

Die Umsetzung des Konzepts ist bereits seit Jahren zu beobachten. 1998 wurde das Mautner-Markhof'sche Spital geschlossen. Die Abteilungen für Pädiatrie und Rehabilitation wurden in die Rudolfstiftung integriert. 2002 wurde das Preyer'sche Kinderspital geschlossen. Der Verkauf der Liegenschaft wird in den nächsten drei Jahren realisiert. Jüngstes Lehrstück, wie man im KAV das von der Stadt Wien mitgegebene Familiensilber zu barer Münze verwertet: die Kinderklinik Glanzing. Der Verkauf brachte gut sechs Millionen Euro und Wohnungen der Luxuskategorie. Möglich auch, dass das Spital Rosenhügel verwaltungstechnisch mit dem Krankenhaus Lainz zusammengelegt wird. Gersthof besteht bis 2006, dann ist alles offen.

Da passen Gerüchte, wonach das schön gelegene und über 100.000 Quadratmeter große Grundstück der Semmelweis-Klinik verkauft werden soll, gut ins bisher verfolgte Konzept. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Printausgabe 6.11.2004)

  • Die Schließung der Semmelweis-Klinik scheint sicher, der Zeitpunkt ist allerdings noch offen.
    derstandard.at/ped

    Die Schließung der Semmelweis-Klinik scheint sicher, der Zeitpunkt ist allerdings noch offen.

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