Visconti-Retrospektive im Filmmuseum

10. Februar 2005, 16:33
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Große Werkschau des italienischen Meisterregisseurs. Außerdem: Filme von Kinopoet Boris Barnet und New-American-Cinema-Vertreter Owen Land.

Mit Filmen wie "Ossessione" (1943), "Die Erde bebt" (1948), "Rocco und seine Brüder" (1960) oder "Der Leopard" (1963) steuerte Luchino Visconti (1906-1976) einige der zentralen Meisterwerke des Kinos bei. Das österreichische Filmmuseum, dem der italienische Regisseur 1966 auch selbst einen Besuch abstattete, bietet noch bis 3. Februar die Gelegenheit, sämtliche Filme Viscontis auf der Leinwand zu erleben.

Bereits mit seinem Debüt "Ossessione", seiner Filmversion von James M. Cains Roman "The Postman Always Rings Twice", erregt Visconti, Herzogssohn und Marxist, Aufsehen. Der Film wird wegen seiner Sozialkritik verboten. Nach dem zweiten Weltkrieg wird Visconti, einst Regieassistent von Jean Renoir, zu einem Erneuerer des italienischen Theaters und inszeniert zahlreiche Opern. Den Weg filmischer Opulenz, ohne Gegenwartbezüge zu vernachlässigen, schlägt Visconti 1954 mit dem Historiendrama "Senso" ein. Einen Gipfelpunkt von Viscontis Schaffen markiert die 40-minütige Ballsequenz im gut dreistündigen Meisterwerk "Der Leopard", einem epischen Abgesang auf den Adel zur Zeit des Risorgimento.

Das Thema des Untergangs prägt auch Viscontis Spätwerk, die "Deutsche Trilogie", bestehend aus "Die Verdammten" (1969), einer Auseinandersetzung mit dem kapitalistischen Großbürgertum der Nazizeit, der Thomas-Mann-Verfilmung "Tod in Venedig" (1971) und dem monumentalen "Ludwig" (1973) mit Helmut Berger und Romy Schneider in den Hauptrollen. Ebenfalls in der Retrospektive zu sehen: Viscontis letzte, bereits vom Rollstuhl aus inszenierten Meisterwerke "Gewalt und Leidenschaft" (1974) und "Die Unschuld" (1976).

Am 25. und 26. Jänner zeigt das Filmmuseum zwei Filmprogramme von Owen Land, in den 60-er und 70-er Jahren unter dem Namen George Landow ein einflussreicher Vertreter des "New American Cinema". Medienkritische und zugleich höchst komische Arbeiten wie "Fleming Faloon" (1963), "Institutional Quality" (1969) oder "Wide Angle Saxon" (1973) gelten als Klassiker des internationalen Avantgardefilms und können dank der Restaurierungsarbeit des Filmmuseums nun neu entdeckt werden.

Ein weiterer im Westen nach wie vor als "Geheimtipp" gehandelter Meister des russischen Kinos ist von 28. Jänner bis 9. Februar mit einer repräsentativen Auswahl seiner Filme vertreten: der Boxer, Schauspieler und Regisseur Boris Barnet (1902-1965), dessen ebenso lyrisches wie komödiantisches Werk mit Namen wie Ernst Lubitsch, Howard Hawks oder Anton Tschechow assoziiert wurde. Die Auswahl des Filmmuseums spannt dabei einen Bogen von Werken der Stummfilmära über Barnets unbestrittenes Meisterwerk "Okraina" (1933) bis zu seinem letzten Film "Zwischenstation" von 1963. (kg)

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    foto: filmmuseum
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