Ente mit Empfangsraum

8. Jänner 2007, 16:42
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Das beliebte asiatische Nudellokal "Chang" an der Wiedner Hauptstraße hat einen edel gestylten Ableger namens "Chang Asian Duck" bekommen

Das Spektrum diverser Asia-Lokale ist breit geworden in Wien: solche, die sich um Authentizität bemühen, solche, die sich um urbanen Schick bemühen, solche, die sich um die Verabreichung großer Mengen billigen Essens bemühen, und solche, die einfach das machen, was bei den anderen auch gut geht. In letztere Kategorie passen Ya-Hui Chang und Yeh Ting-Chi sicher nicht, mit ihrem gestylten Nudellokal "Chang" waren die beiden jungen Frauen für Wiener Verhältnisse früh dran, mit ihrem neuen Lokal "Chang Asian Duck" streben sie Ähnliches an.

Ein Jahr lang wurde an dem ehemaligen Geschäft eines Tapezierermeisters gebaut, Architekt Joerg Nairz bestückte den Keller mit einer äußerst geschmackvollen Designer-Lounge, im Erdgeschoss erwartet einen zuerst eine Empfangshalle, von der aus man in das Restaurant geführt wird. Auch dieses ein Schmuckkästchen edler Materialien und gedeckter Farben, edles Furnier, edle Stoffe, edle Uniformen - so schmucke Asia-Lokale gab's bisher in Paris, London und San Francisco, in Wien jedenfalls nicht. "Wir würden gerne eine gewisse Atmosphäre erreichen", meint Ya-Hui Chang, und da müsse man dann eben schon zum edlen Material greifen.

Und zu den edlen Köchen, die man sich nämlich extra aus Hongkong einfliegen ließ, einen Spezialisten für Ente und einen für Wok, schließlich strebe man schon ein höheres Niveau als beim "Chang" an ("da war alles noch so klar und einfach"). Auf Kanton-Küche soll das Hauptgewicht liegen, auf Thai-Einflüsse kann und will man allerdings auch nicht verzichten. In der Anfangsphase werden ausschließlich mehrgängige Menüs angeboten (Frühling, Sommer, Herbst, Winter), die einzelnen Positionen sind aber auch à la carte zu bekommen.

Jahreszeiten-Menü

Das "Winter"-Menü (€ 25) etwa bestand aus einer hübschen Kokos-Hühnersuppe mit Kaffirlimonenblatt, Chilischote, Ingwerscheibchen und etwas sehr viel Salz, aus zwei eistich-artigen Garnelen-Laibchen, die recht gut, aber auch recht fett waren, dann kam ein bezaubernder, winziger Garnelen-Pomelo-Salat mit Lemongrass und Zwiebel und schließlich die gebratene Ente: nach chinesischer Sitte samt Knochen in Stücke gehackt, mit einer grandiosen Currysauce, wie zuvor in Wien noch nie gekostet, und mit tollen Wok-Bohnen. Der danach noch gereichte gebratene Reis mit Garnelen fiel ein bisschen ab.

Worauf man im "Chang Asian Duck" vielleicht zu wenig achtete, ist die Versiertheit beim Service, die netten Damen und Herren machten den Eindruck, als hätten sie weder von der Speisekarte noch vom Boniersystem und am wenigsten von den angebotenen Weinen auch nur irgendeine Ahnung. Aber das spielt sich ja hoffentlich noch ein, schlechter kann es jedenfalls nicht mehr werden. Und apropos Weine: Die sind viel zu teuer, für gute Durchschnittsweine fünf Euro pro Glas zu verlangen, macht nicht einmal in einem so schönen Lokal eine gute Figur. (DERSTANDARD/rondo/Florian Holzer/19/11/04)

Chang Asian Duck
Rienößlg.1/
Waagg. 3
1040 Wien
Tel: 01/208 70 93
tägl. 11.30-15
17.30-24 Uhr
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    ostermann
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