Erzeugung von "grünem Strom" boomt

4. Februar 2005, 11:14
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Bis Ende Dezember wurden laut E-Control fast 1.000 MW Leistung genehmigt - Schon 2006 könnte vierprozentiger Ökostrom-Anteil erreicht werden - Mit Infografik

Wien - Die Erzeugung von "grünem Strom" boomt in Österreich. Bis Ende Dezember wurde beim "sonstigen Ökostrom" (Windkraft, Biomasse, Biogas und Photovoltaik) eine installierte Leistung von fast 1.000 MW genehmigt, geht aus Daten der Regulierungsbehörde E-Control hervor. Das ursprünglich für 2008 gesetzte Ziel eines Anteils des sonstigen Ökostroms von 4 Prozent an der gesamten Stromerzeugung wird laut E-Control voraussichtlich bereits im kommenden Jahr erreicht.

Anfang 2003, dem Zeitpunkt des Inkrafttreten des damals neuen bundesweit einheitlichen Ökostromgesetzes, lag die installierte Leistung beim sonstigen Ökostrom noch bei 206 Megawatt (MW), Anfang 2004 waren es 520 MW, und Mitte Dezember vorigen Jahres waren Anlagen mit einer Leistung von 976 MW genehmigt, das entspricht ungefähr der 5,6-fachen Leistung des Wasserkraftwerkes Wien-Freudenau.

146 Windrad-Anlagen

Bei der Windkraft waren es mit den bis Mitte Dezember 2004 genehmigten Anlagen rund 712 MW installierter Leistung, nach 420 MW Anfang 2004 und 140 MW Anfang 2003. Mit den rund 440 Windrädern in 146 Anlagen werden laut E-Control etwa 1.600 GWh Strom pro Jahr erzeugt, das sind rund 3 Prozent des gesamten heimischen Stromverbrauchs. Das dafür nötige Subventionsvolumen liege bei rund 70 Mio. Euro, inklusive Ausgleichsenergie bei rund 86 Mio. Euro pro Jahr.

In den vergangenen Monaten gab es zudem eine enorme Zunahme bei Biogas. Die installierte Leistung hat sich seit Jahresbeginn von 24 MW auf 52 MW mehr als verdoppelt. Bedenklich ist für die E-Control dabei, dass die meisten der genehmigten Anlagen zu den höchsten Einspeisetarifen genehmigt wurden, die bis zu 16,5 Cent/kWh gehen. Der Marktpreis liege bei rund 3,4 Cent je kWh.

Doppelter Förderbedarf

Die Erzeugung von einer Kilowattstunde Ökostrom aus Biogas-Kleinstanlagen habe somit mehr als doppelt so viel Förderbedarf wie eine kWh Windstromerzeugung, so E-Control-Ökostromexperte Christian Schönbauer. Mit den bisher rund 218 Anlagen werden 325 GWh Strom erzeugt, das sind rund 0,6 Prozent des gesamten Strombedarfs. In Summe entfällt auf die bisher genehmigten Biogasanlagen ein Fördervolumen von rund 34 Mio. Euro pro Jahr, garantiert über einen Zeitraum von 13 Jahren.

Deutlich zugelegt hat im Vorjahr auch die Biomasse. Die bisher genehmigten Anlagen haben eine installierte Kapazität von 212 MW, Anfang 2004 waren es nur 76 MW und Anfang 2003 54 MW.

Mehr Fördermittel

Der Boom beim Ökostrom schlägt sich im neuen Jahr auch in höheren Fördermitteln und Zuschlägen nieder. Mit der so genannten Zuschlagsverordnung 2005 des Wirtschaftsministers von Ende Dezember wird die Kostenbegrenzung für sonstigen Ökostrom (Windkraft, Biomasse, Biogas und Photovoltaik) um rund ein Drittel von durchschnittlich 0,22 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 0,30 Cent je kWh angehoben. Das Unterstützungsvolumen steigt nach Berechnungen der E-Control somit um rund 50 Prozent auf 156 Mio. Euro, nach 104 Mio. Euro 2004.

Geringere Volumina als im Vorjahr sind heuer bei Kleinwasserkraft mit 57 (nach 67) Mio. Euro sowie bei Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit 68 (77) Mio. Euro zu erwarten. Bei der KWK könnte es allerdings für 2004 und 2005 noch weniger werden, denn hier könnten noch anhängige Gerichtsverfahren zu einer Reduktion des Zuschlages führen. Für 2005 wurde dieser zunächst mit 0,13 Cent festgesetzt, nach 0,15 Cent für 2004.

In Summe könnten die Kosten für die Ökostromförderung somit heuer bei 281 Mio. Euro liegen. 2004 waren es 248 Mio. Euro, und 2003 lagen die Unterstützungsvolumina bei 210 Mio. Euro.

Durch die so genannte "Netzebenen-Spreizung" von 1:1,5 zwischen Klein- und Großverbrauchern dürften die österreichischen Haushalte 2005 insgesamt rund 102 Mio. Euro zahlen, sofern die Stromhändler ihre Ökostromkosten zu gleichen Teilen weitergeben. Auf das Gewerbe entfielen rund 94 Mio. Euro der insgesamt 281 Mio. Euro und auf die Industrie 86 Mio. Euro. (APA)

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    Mit den rund 440 Windrädern in 146 Anlagen werden laut E-Control etwa 1.600 GWh Strom pro Jahr erzeugt, das sind rund 3 Prozent des gesamten heimischen Stromverbrauchs.

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