Professionell

11. Februar 2005, 15:54
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Wolfgang Schüssel möchte keine "jesuanisch-messianisch-chiliastischen Heilserwartungen wecken", sagte er in einer Diskussion ...

... als Begründung für sein zurückhaltendes Agieren in der Flutkatastrophe. Keine symbolische Politik, keine öffentliche Betroffenheit, keine Führung auf der emotionalen Ebene, wie es Joschka Fischer und Gerhard Schröder zustande gebracht hatten (mit entsprechend gutem Ergebnis in den Umfragen). Schüssel verweigerte die Rolle als Psychotherapeut (oder eher geistlicher Beistand) der Nation. "Ich kann das nicht", fügte er ungewohnt heftig hinzu. "Ich lehne das für mich ab."

Er halte "nüchternen Professionalismus" für das Beste. Nun ist es beruhigend, dass der Kanzler sich nicht als Messias und Erfüller von Heilserwartungen ("Chiliasmus") sieht. Politiker dieser Sorte bedeuten nie etwas Gutes. Und nüchterner Professionalismus ist überhaupt gut, wenn einer Regierung nicht die Gesetze reihenweise vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden sollen. Aber eine Dimension wird dabei vernachlässigt. Man kann professionell handeln und den Menschen doch das Gefühl geben, dass man sie und ihre möglicherweise unprofessionelle Angst und Verzweiflung ernst nimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.1.2005)

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